Wenn sich Duftstoffe und Parfüm auf Zeitreise begeben...

Ein Arzt 1628, während der Pestepidemie mit einer Parfüm-gefüllten Maske. (Bild: Wikimedia)
Die Geschichte der Duftstoffe und Parfüms ist eine aufregende Reise durch die Jahrtausende. Sie erzählt auch diejenige der Menschheit mit ihren verschiedenen Götterglauben, ihren Sitten, ihren politischen Umwälzungen und ihren technischen Erfindungen.
Die Anfänge: Ägypten und Antike
Sehr alte Quellen berichten uns, dass in Mesopotamien und Ägypten Düfte bereits vor rund 7000 Jahren eine wichtige Rolle spielten. Eingesetzt wurden sie zunächst in Form von Harzen und aromatischen Pflanzen, die man in den Tempeln zu Ehren der Götter abbrannte. Aus dieser Verwendung leitet sich auch der Name Parfüm ab: das Lateinische spricht demnach von «per fumum», was soviel heisst wie «mittels Rauch».
Im alten Ägypten werden mit Räuchergaben, parfümierten Ölen, Salben und Schminke die Götter geehrt, die Toten werden einbalsamiert, um ihnen den Übergang ins Jenseits zu sichern.
Bei den Griechen und Römern nimmt das Parfüm gleichfalls einen wichtigen Platz ein; zunächst dem Geistlichen vorbehalten, hält es später Einzug in die Thermen und Stadionspiele. Mit dem Auftauchen des Glases im ersten Jahrhundert v.Chr. können solche Balsammischungen – dazu da, die Körper der Athleten zu entspannen und zu reinigen – nun auch konserviert werden.
Als wertvolles Kulturobjekt werden Düfte und Parfüms bei den Römern auch zum Symbol für politisches Ansehen. Nero pflegt unter der Berieselung mit seltenen Essenzen zu speisen. Seine Tischgenossen werden zwischen jedem Gang besprengt, und Gedecke und Wein sind parfümiert.
Eroberungen & Entdeckungen. Mittelalter und Renaissance.
Im Mittelalter bringen die Kreuzfahrer neue Düfte und Gewürze mit nach Hause.
Die Kirche verdammt die weltliche Verwendung von Parfüm und Duftstoffen, aber dank ihrer medizinischen ‚Tugenden’ gelingt es bestimmten Pflanzen, diesem Verbot zu entgehen. Parfüms und Riechstoffe gelten als Schutz vor Epidemien. Man verbrennt sie vor den Toren der von der Pest bedrohten Städte; die Reicheren tragen in Anhängern Amber, Moschus oder verschiedene Harze mit sich, um sich zu schützen.
In der Renaissance macht die Kunst der Parfümherstellung dank grosser Entdecker und wissenschaftlicher Erfindungen einen enormen Fortschritt. Zur gleichen Zeit als neue Rohstoffe (Kakao, Vanille, Pfeffer…) in Europa eintreffen, findet auch der Destillierapparat eine immer weitere Verbreitung; die Chemie verdrängt die Alchemie, und es gelingt die Qualität der destillierten Essenzen zu steigern.
Geprägt vom Einfluss der Familiendynastie der Medici aus Spanien und Italien, erobert die Mode, parfümierte Handschuhe zu tragen, Frankreich; prachtvolle Flakons kommen aus Venedig oder Böhmen, und die Verwendung von Parfüms wird bei den wohlhabenden Damen zur allgemein verbreiteten Sitte.
Die Kunst des Hofes. XVII., XVIII. & Beginn XIX. Jahrhundert .
Das Parfüm erlebt einen enormen Erfolg an den königlichen Höfen, wo man sich ohne jedes Mass einparfümiert. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die mangelnde Hygiene zu verheimlichen… denn man wäscht sich nicht gern, aus Angst, das Wasser könnte Krankheiten übertragen.
Gesicht und Perücke sind mit einer dicken Puderschicht bedeckt. Neues Know-how wird perfektioniert: die Erzeugung von Pomaden, gewonnen durch die so genannten Enfleurage, und die Verarbeitung der Bergamottrinde. Jean-Antoine Farina bringt das Kölnischwasser in Deutschland, später in Frankreich auf den Markt.
Im XIX. Jahrhundert entdeckt Europa die Sauberkeit neu und die Geschmäcker werden subtiler: auf die vormals heftig riechenden Parfüms folgen nun blumige und frische Duftnoten.
Die Erfindung der Parfümherstellung. Ende XIX. Jahrhundert, industrielle Revolution und Beginn XX. Jahrhundert.
Die ersten Dampfmaschinen tauchen auf. Dank eine neue Technik, bei derman für die Extraktion von Duftstoffen flüchtige Lösungsmittel verwendet, wird die Herstellung von Parfüms modernisiert und industrialisiert.
Immer neue grosse Parfümhäuser entstehen und London rivalisiert mit Paris um den Titel der Hauptstadt des Parfüms.
Die industrielle Revolution ermöglicht die Parfümherstellung, wie wir sie heute kennen. Die Chemie triumphiert, sie liefert den Parfümeuren Stoffe wie Vanillin, Cumarin und Ionon, die die natürlichen Duftnoten zu einem günstigeren Preis nachbilden. Die Senkung der Kosten ermöglicht es, die Produktionen erheblich zu steigern.
Die damit leichter erschwinglichen Parfüms erleben eine weite Verbreitung.
 Bereits allgemeines Konsumgut und Synonym für Life Style ist das Parfüm allgegenwärtig: USA 50er-Jahre. (Bild: PhotoDisc Inc.)
Das Parfüm erhält einen Markt: Modeschöpfer, Juweliere, Berühmtheiten und Luxusmarken rivalisieren darum, immer mehr Duftkreationen an die Frau und den Mann zu bringen.
Das Parfüm wird zum Produkt, sein Erfolg hängt nicht mehr nur vom Duft ab, sondern genauso von der Marke, vom Namen, von den Geschichten und der Werbung, die es umgeben.
Und das Parfüm wird zu einem Life Style, zum Ausdruck einer Lebenshaltung, parfümierte Produkte für Körperpflege, Hygiene oder den Haushalt steigen sprunghaft an… und selbst das Benzin, das wir in unsere Autotanks füllen, ist parfümiert.
Quelle: Firmenich
|