Die Rohstoffe der Düfte und Parfüms

Mal streng, mal süss, mal rauchig oder vielleicht gar betörend: In jeder Flasche ein einzigartiger Geruch. (Bild: Firmenich)
So wie die Natur das erste Feld der Erkundung und Inspiration für die Parfümherstellung war, so gelang es der modernen Chemie dank synthetisch hergestellter Stoffe die Palette der Duftnoten zu bereichern.
Natürliche Rohstoffe
Natürliche Duftstoffe pflanzlicher Herkunft:
Nicht alle Pflanzen konzentrieren ihre Geruchsmoleküle auf die gleiche Art; bei bestimmten Arten tun dies die Blüten, die Früchte, das Harz, die Rinde, die Blätter, die Stängel oder aber die Samen. Bei anderen, wie z. B. Vetiver oder Iris, sind es die Wurzeln, aus denen die Essenz extrahiert werden muss. Manchmal, wie etwa beim Orangenbaum, kann jeder Teil der Pflanze verwertet werden und liefert einen spezifischen Duft.
 Die natürlichen pflanzlichen und tierischen Rohstoffe sind rar, teuer und empfindlich. (Bild: Firmenich)
Natürliche Duftstoffe tierischer Herkunft:
Diese sind besonders geschätzt, weil sie kraftvolle Basisnoten liefern, die einem Parfüm eine ganz spezielle Note verleihen. Die begehrtesten waren Tonkin-Moschus, Ziebetkatze, Castoreum oder grauer Amber. Letzterer beispielsweise ist an Stränden zu finden. Amber ist eine Absonderung, die im Verdauungsapparat des Pottwals erzeugt und vom Tier ausgeschieden wird. Zum Schutz der Tierarten wird heute der Grossteil der tierischen Rohstoffe durch synthetische Stoffe ersetzt.
Grauer Amber: Ein im Verdauungsapparat des Pottwals produzierter und ausgeschiedener Stoff. (Bild: Firmenich)
Die Beiträge der synthetischen Chemie
Die natürlichen Rohstoffe sind selten, teuer und vor allem empfindlich. Es braucht eine Tonne Blüten, damit man 1 Liter Rosenessenz erhält… die Ernte der Vanille müsste 3drei bis viermal so hoch sein, damit sie den Weltbedarf deckt… und es gibt kein Verfahren, mit dem man den Duft eines Maiglöckchens extrahieren könnte…
Innovation, Reinheit, garantierte Preise und stabile Qualität: seit mehr als einem Jahrhundert haben mit der synthetischen Chemie tausende Moleküle die wenigen hundert Naturstoffe, die sich in der so genannten Duftorgel des Parfümeurs befinden, bereichert.
Die Natur analysieren: eine Quelle der Inspiration für die synthetische Chemie
Anstatt die Rohstoffe direkt aus ihren natürlichen Quellen zu extrahieren, haben Chemiker und Parfümeure ihre jeweiligen Talente zusammengespannt: Gemeinsam analysieren sie deren Geheimnisse und bauen dank der synthetischen Chemie die Bestandteile nach.
 Die Analyse der Natur ist eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für Chemiker und Parfumeure. (Bild: Firmenich)
Unter Headspace zum Beispiel versteht man eine Technik, mit der man von einem Rohstoff seinen ‚Geruchsabdruck’ abnimmt. Anhand dieses Abdrucks können dann sämtliche Feinheiten des Geruchs erfasst werden und jedes Molekül kann isoliert werden. So besteht etwa der Duft einer Rose aus einem Bouquet von mehreren hundert Molekülen, die klar getrennt und bestimmt werden können.
Die in der Natur identifizierten Geruchstoffe nachbauen
Die Chemiker, diese Architekten des unendlich Kleinen, bauen die Moleküle, deren Struktur sie zuvor identifiziert haben, originalgetreu nach.
 Synthetische Rohstoffe machen heute mehr als 75% der Palette des Parfumeurs aus. (Bild: Firmenich)
Ausgehend von diesen hunderten neuen, synthetisch hergestellten Rohstoffen liegt es dann am Parfümeur, dass er wie bei einem Duftnoten-Puzzle jene Kombination aus Molekülen neu erschafft, die uns zum Beispiel den einzigartigen Duft eines frisch gepflückten Maiglöckchens wiederfinden lässt.
Neue, in der Natur nicht vorkommende Gerüche erfinden
War die Nachbildung natürlicher Stoffe die ursprüngliche Motivation, so hat sehr rasch die Lust am Neuen die Oberhand gewonnen und die Chemiker erfanden neue Moleküle, die dem Parfümeur Duftnoten liefern, wie sie in der Natur gar nicht vorkommen.
Diese künstliche Herstellung, Synthese genannt, erfordert einen hohen Grad an Fachkönnen und Erfindungsgeist. Die Chemiker erfinden Verfahren, mit denen sie Moleküle kleben, schneiden, zusammenbauen und trennen. Das Ergebnis: Eine völlig neue Geruchsempfindung erblickt das Licht der Welt.
 Die Synthesechemiker erfinden neuen Geruchsempfindungen. (Bild: Firmenich)
Dieser Erschaffungsprozess ist ein risikoreiches Unterfangen. Denn es muss sichergestellt sein, dass keines der Moleküle eine Gefahr für die Umwelt darstellt. Sie alle müssen biologisch abbaubar sein. Ausserdem sollten sie in grossen Mengen und zu einem vernünftigen Preis hergestellt werden können. So werden in den Labors eines grossen Unternehmens von den rund 1800 Molekülen, die pro Jahr erzeugt werden, schlussendlich nur fünf oder sechs behalten.
Auch die Synthese bekannter Moleküle wird stetig weiterentwickelt: die Parfümindustrie verlangt nach immer kraftvolleren Essenzen, immer länger anhaltenden Wirkungen und niedrigeren Preisen. Und der Umweltschutz fordert ökologischere Verfahren und immer besser biologisch abbaubare Produkte.
Wir haben es hier mit einer reichen und immer wieder erweiterbaren Duftstoff-Palette zu tun, die sich dank dem permanenten Dialog zwischen Forschern und Parfümeuren weiter und weiter entwickelt und verfeinert.
Quelle: Firmenich
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