Die Herkunft der Vampire

Die kranken Menschen, die als Grundlage für den Vampir-Mythos gedient haben könnten, sahen nicht ganz so schön aus wie der Vampir Edward. (Bild: www.eclipsethemovie.com)
Vampire sind beliebte Hauptfiguren in Büchern und Filmen. So auch in der erfolgreichen „Twilight“-Saga. Doch der Vampir-Mythos ist keine reine Erfindung, sondern basiert höchstwahrscheinlich auf Menschen, die an seltsamen Krankheiten litten.
Fiktion oder Wirklichkeit?
Raubtierartige Zähne, eine bleiche Hautfarbe, Angst vor dem Sonnenlicht und Durst auf Blut: Diese Merkmale werden den Vampiren zugeschrieben, egal, ob sie nun tierähnliche Dämonen sind wie die ersten bekannten Vampiregestalten von vor 4000 Jahren oder gutaussehende junge Männer wie Robert Pattinson in Twilight.
Natürlich sind die Details von Gestalten wie dem grausamen Graf Dracula die Erfindung von Schriftstellern. Doch als Grundlage für solche Romanfiguren könnten einerseits reale historische Figuren von brutalen Tyrannen gedient haben, andererseits aber auch Menschen, die an seltsamen Krankheiten litten.
Krankheiten, die Menschen „vampirähnlich“ machen?
Eine dieser Krankheiten ist die sogenannte Porphyrie. Der Name Porphyrie stammt von einem wichtigen Bestandteil des Blutfarbstoffs ab, dem „Porphyrin“. Das ist ein ringförmiges, aus mehreren Atomen bestehendes Teilchen mit einem Eisenatom in der Mitte. Das Eisenatom bindet Sauerstoff, der so mit dem Blut durch den Körper transportiert werden kann. Bei Menschen, die an Porphyrie leiden, ist die Herstellung des Porphyrins gestört.
Und was läuft nun bei diesen Menschen schief? Man kann sich den Herstellungsprozess des Porphyrins vorstellen wie beispielsweise die Fliessbandproduktion von Bonbons: Wenn die Kette irgendwo unterbrochen wird, also die Bonbons nicht mehr abgepackt werden, weil die Verpackungsmaschine kaputt ist, stauen sich alle auf dem Fliessband ankommenden Bonbons. Dasselbe passiert im Körper mit der Vorstufe des Porphyrins: Dort, wo die Kette unterbrochen wurde, staut sich die Vorstufe und beginnt sich im ganzen Körper abzulagern. So entstehen vielfältige Schäden an der Haut, an Nerven und inneren Organen und auch eine Blutarmut. Denn das wichtige Molekül wird nicht fertig hergestellt.

Ein Porphyriekranker mit den typischen Hautveränderungen. (Bild: Dawe SA, Peters TJ, Du Vivier A, Creamer JD: Congenital erythropoietic porphyria: dilemmas in present day management. Clin Exp Dermatol. 2002 Nov;27(8):680-3.)
Bei manchen Porphyrie-Kranken zieht sich die Schleimhaut des Mundes zusammen, so dass ihre Zähne sichtbar werden. Ihre Haut zeigt rote Flecken, und ihre Nase und Ohren wirken zerfressen. Mit ihrer empfindlichen Haut müssen sie natürlich die Sonne meiden. Auch die Angst vor Knoblauch von Vampiren lässt sich auf die Porphyrie zurückführen: Es ist möglich, dass einige Bestandteile von Knoblauch die Beschwerden der Kranken verstärken, weshalb manche vielleicht einen Widerwillen dagegen gezeigt haben.
Als Heilmittel gegen die Blutarmut, die Porphyrie verursacht, haben in früheren Zeiten vielleicht verzweifelte Kranke tatsächlich Blut getrunken. So lässt sich die schaurigste Eigenschaft von Vampire erklären: Sie müssen fremdes Blut trinken, um zu überleben.
Mondscheinkinder
Es gibt noch eine andere Krankheit, die als Inspiration für die Kinderbuch-Reihe „Der kleine Vampir“ von Angela Sommer-Bodenburg gedient haben könnte: Die Krankheit „Xeroderma pigmentosum“ betrifft meist Kinder, und diese dürfen nicht an die Sonne. Denn die UV-Strahlung der Sonne können unsere Erbinformation, die DNA, schwer schädigen. Der Körper gesunder Menschen ist in der Lage, einen grossen Teil der Schäden zu reparieren. Bei Kindern mit dieser Krankheit funktionieren die Reparaturmechanismen nicht oder nur sehr schlecht. Bereits geringe Mengen Sonnenlicht lösen Entzündungen, Geschwüre und häufig auch Hautkrebs aus.
Das führt dazu, dass die Kinder nur nachts hinaus dürfen, wenn die Sonne nicht mehr scheint. Im Volksmund werden sie deshalb „Mondscheinkinder“ genannt. Dieser Name klingt romantisch und geheimnisvoll und hat vielleicht so Legenden und Mythen um diese Kinder inspiriert und sie zu seltsamen Nachtgeschöpfen gemacht.
Quellen:
Redaktion SimplyScience.ch
Dawe SA, Peters TJ, Du Vivier A, Creamer JD: Congenital erythropoietic porphyria: dilemmas in present day management. Clin Exp Dermatol. 2002 Nov;27(8):680-3.
Xeroderma Pigmentosum Society