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Gentage 2009 - Forschung begeistert

16.09.2009
  
  
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Die Maturaklasse darf den Forschern über die Schulter gucken (Bild: Katrin Kuehnle)
Die Maturaklasse darf den Forschern über die Schulter gucken (Bild: Katrin Kuehnle)

Unter dem Motto «Die SAMW bringt die Gentage in die Schule» hat die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) auch in diesem Jahr Kontakte zwischen ForscherInnen und interessierten Schulklassen in Basel und Bern vermittelt.


Für Maturaklassen des Gymnasiums Münchenstein referierte Prof. Isabel Filges vom Universitätskinderspital Basel. In Bern besuchte Prof. Sabina Gallati vom Berner Inselpital das Bildungszentrum Pflege. Im Zentrum der beiden Vorträge standen Erbkrankheiten, deren genetische Ursachen und die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

Die Forschergruppe um Prof. Markus Heim vom Universitätsspital Basel ermöglichte einer Maturaklasse des Gymnasiums Leonhard einen Besuch im Forschungslabor. Die Jugendlichen durften dort selber experimentieren und haben erfahren, wie wichtig die Grundlagenforschung für die Entwicklung von Therapien und Medikamenten ist. Zwei weitere Klassen des Leonhard-Gymnasiums besuchten das Bruderholzspital, wo ihnen Prof. Barbara Biedermann über die Bedeutung der klinischen Forschung berichtete.

Darius (18) und Angelo (17), zwei Maturanden aus Basel, erzählen nach ihrem Besuch im Forschungslabor, wie sie sich die Forschung in der Medizin vorstellen und was sie darüber denken.

Die medizinische Forschung unterteilt man in Grundlagenforschung und klinische Forschung. Wie wichtig findet Ihr die Grundlagenforschung?

Angelo: Ich finde die Grundlagenforschung unglaublich wichtig, egal auf welchem Gebiet. Viele Menschen denken, was nützt uns das jetzt, wenn wir etwas über ein Gen wissen, was keinen unmittelbaren Nutzen bringt. Ich teile diese Ansicht nicht. Die Menschheit wäre nicht weiter gekommen, wenn sie immer nur das gemacht hätte, was ihr einen direkten Nutzen bringt. Wenn wir in die Grundlagenforschung investieren, bringt uns das weiter, und das ist wichtig.

Darius: Ich bin auch sehr von der Grundlagenforschung überzeugt. Für mich ist die heutige Grundlagenforschung das, was wir in etwa 30 Jahren brauchen. Auch wenn das manchen Leuten unsinnig vorkommt, was da jetzt geforscht wird, ist es genauso, wenn nicht noch wichtiger als die angewandte Forschung.

Was glaubt Ihr, wie sich die medizinische Forschung von anderen Forschungsbereichen, z. B. der Weltraumforschung, unterscheidet?

Darius: Was bei der Weltraumforschung passiert, können sich die meisten Menschen gar nicht vorstellen, und es geht sie ja auch nicht direkt etwas an. Im Gegensatz zur Weltraumforschung ist die medizinische Forschung Praxis-orientiert. Was da herauskommt, kann später vielleicht angewendet werden um eine Krankheit zu behandeln.

Wo seht Ihr die Chancen und wo die Risiken der medizinischen Forschung?

Darius: Die Chance ist sicherlich, dass durch die Resultate der medizinischen Forschung kranke Menschen behandelt werden können. Das Risiko ist, dass etwas schief geht. Bei medizinischer Forschung am Menschen darf natürlich nichts schief gehen. Das hätte nicht nur für die Forschung, sondern vor allem für die Patienten, die in der Studie involviert sind, schlimme Folgen.

Könnt Ihr Euch vorstellen, als gesunde Testperson an einer klinischen Studie teilzunehmen?

A: Ich hätte gewisse Vorbehalte. Und ich würde mir sicherlich ganz genau anschauen, um was es da geht. Bei einfachen Studien, also harmlosen, würde ich vielleicht schon mitmachen, aber ich weiss nicht genau, wo ich da die Grenze ziehen würde.

D: Ich würde mich für komplexe und gefährliche Studien lieber nicht zur Verfügung stellen, ausser ein Familienmitglied ist betroffen und bräuchte meinen Einsatz.

Ihr scheint also eher skeptisch gegenüber klinischen Studien. Liegt es daran, dass ihr kein Vertrauen in die Ärzte habt?

A: Man hofft natürlich immer, dass der Arzt im Sinne des Patienten handelt. Und ich gehe schon davon aus, dass Ärzte das Beste für mich wollen, aber bei einer Studie kann ja trotzdem was schief gehen.

D: Man muss den Ärzten ja vertrauen, denn wenn man krank ist, hat man ja keine andere Möglichkeit. Mit einem gebrochenen Bein kann man schliesslich nicht zum Schreiner gehen, man muss zum Arzt. Aber wenn man gesund ist, fehlt für viele sicherlich der Druck, sich für eine mehr oder weniger riskante Studie zur Verfügung zu stellen.

Wie sieht es aus mit bereits zugelassenen Medikamenten, nehmt ihr die ohne Sorge ein?

D: Ich vertraue allen Medikamenten. Die Nebenwirkungen, die auf dem Beipackzettel stehen, sind ja dort meist aus Vorsicht aufgeführt. Und man geht ja zum Arzt, weil der mehr Erfahrung hat als man selbst, welches Medikament für einen gut ist.

A: Und wenn irgendwelche Probleme mit dem Medikament auftauchen, geht es sehr rasch, bis die Öffentlichkeit davon weiss.

Was ist denn Euer Bild vom modernen Forscher?

D: Ich habe grössten Respekt vor den Forschern, denn ich stelle mir den Beruf schon hart vor. Man steht sicher oft stundenlang im Labor und macht präziseste Arbeit. Dabei ist der Erfolg ja keines Falls garantiert. Dafür braucht es eine unglaubliche Überzeugung von der Sache, das finde ich sehr beeindruckend. Ich könnte das nicht.

A: Ich habe auch sehr viel Respekt und Achtung vor den Forschern. Ohne Forscher käme man nicht weiter. Forscher sind Menschen, die sich praktisch ein ganzes Leben lang auf ein bestimmtes Gebiet oder eine Aufgabe konzentrieren. Dafür braucht es viel Überzeugung und Durchhaltevermögen.

Was bräuchte es denn, damit Ihr beide Forscher werden wolltet?

A: Ich denke, dass den naturwissenschaftlichen Fächern in der Schule mehr Gewicht zugemessen werden müsste, so dass sie nicht hinter den Sprachen verschwinden. Der Lehrer spielt natürlich auch eine wichtige Rolle: er hat – zumindest in den Jahren vor der Matur – einen grossen Einfluss darauf, welche Studienrichtung man einschlägt. Das gilt sowohl für gute Lehrer, die einen für ein Fach begeistern, als auch für schlechte Lehrer, die einem die Lust an einer Fachrichtung nachhaltig verderben.

D: Ich müsste eine Vision haben. Wenn ich z.B. eine Idee für eine Entwicklung hätte, dann würde ich die entsprechende Richtung einschlagen. Man studiert ja nicht «Forschung», sondern man studiert Biologie oder Chemie oder Physik.

Quelle: Gentage 2009