Retroviren
Viren, die ein spezielles Enzym besitzen - Reverse Transkriptase - mit dessen Hilfe sie ihr Erbgut von RNA in DNA "übersetzen". So können sie es ins Erbgut der Wirtszelle einbauen.
Das Enzym "Reverse Transkriptase" übersetzt das Erbgut des Virus, das als RNA verschlüsselt ist, in die DNA-Sprache. Diese DNA wird in das Genom der befallenen tierischen Zelle eingebaut.
Früher dachte man, dass der Weg der Erbinformation immer nur in eine Richtung verläuft: Die DNA wird in RNA umgeschrieben, und die RNA dann in Aminosäuren bzw. ein Protein umgesetzt. Vorstellen kann man sich das so: Die DNA ist ein Kochbuch, und die RNA ist ein Rezept für ein Gericht, das man herauskopiert. Das Protein nun ist das Essen, das man nach diesem Rezept kocht. Doch diese Annahme, dass dieses "Kochen" immer nur in die eine Richtung verläuft, wurde durch die Retroviren und das Enzym "Reverse Transkriptase" widerlegt: Es übersetzt in umgekehrter Richtung, von RNA zu DNA. Somit schreibt es sozusagen neue Rezepte ins Kochbuch ein.
Die Zelle liest nun diese Virus-DNA wie ihre eigene und produziert die Proteine, für die sie codiert. Nur dass sie damit neue Viren herstellt! Das Retrovirus nutzt also - wie alle anderen Viren - die Wirtszelle zur Vermehrung, weil es das selber nicht kann.
Es gibt verschiedene Arten von Retroviren. Einige können Krebs auslösen, und das wohl bekannteste ist das HI-Virus, der Erreger der Krankheit AIDS. Auch Hepatitis C wird von einem Retrovirus ausgelöst. Das Problem bei all diesen Krankheiten ist, dass das Virus - wie oben erklärt - seine Erbinformation ins Genom der befallenen Zelle einschleust. Dort können wir sie aber nicht aufspüren. Bekämpfen kann man nur die Krankheitssymptome. Doch diese treten manchmal erst nach Jahren auf! Das Virus selbst bleibt lebenslang im Körper.