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Monatsthema

Die Reise in eine kleine Welt (7)

09.09.2010
  
  
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Die Reise in eine kleine Welt: Globin und Poietin ist ein Märchen von Vivienne Baillie Gerritsen und Sylvie Déthiollaz vom Schweizer Institut für Bioinformatik. Die Autoren nehmen uns mit auf die Reise durch den Körper der elfjährigen Lili. Sie leidet an Blutarmut und bekommt ein Medikament namens Erythropoietin verabreicht. Dieser Stoff regt das Knochenmark dazu an, neue rote Blutzellen zu produzieren. Aber Lili ist ungeduldig und trinkt das Medikament, obwohl es eigentlich gespritzt werden muss. Und so erlebt das (Erythro-)Poietin einige Abenteuer auf dem Weg vom Magen zum Knochenmark.


Das Märchen veröffentlichen wir in mehreren Teilen. Falls ihr neu einsteigt, lest doch zuerst Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5 und Teil 6.

Diese Woche Teil 7: Woher kommen Proteine? 

Die Reise in eine kleine Welt

 

Die Abenteuer von Globin und Poietin

 

 

Text und Illustrationen:

Vivienne Baillie Gerritsen und Sylvie Déthiollaz

 

Swiss-Prot Group, Swiss Institute of Bioinformatics

 

Übersetzt ins Englische von Vivienne Baillie Gerritsen

Übersetzt vom Englischen ins Deutsche von CVB International

Originaltitel: « Globine et Poïétine sur la piste de la moelle rouge »

© 2003 Vivienne Baillie Gerritsen, Sylvie Déthiollaz, Swiss-Prot Group, Swiss Institute of Bioinformatics,

ISBN 2-9700405-2-2

Das Buch "Journey into a tiny world" ist auf Englisch und Französisch erhältlich.

 

Kurze Zeit später hörten sie das schrille Geräusch einer Trillerpfeife. Und bevor sie aus dem Weg gehen konnten, eilte ein Geschwader von Proteinen vorbei und rannte sie beide um, weil sie anscheinend hinter einer kleinen Kreatur her waren, das wie ein Seeigel aussah.

„Was war denn das schon wider?“ Poetin schnappte nach Luft.

„Das? Oh... Das waren die Immunoglobulin...“ Globin hielt ihre Hand über Poetins Mund. „Versuch gar nicht erst, das auszusprechen ...“ Poetin schüttelte den Kopf. „Die rennen hinter dem kleinen, spitzen Ball da vorne her.“

                              

"Warum?“

„Weil sie Viren und Bakterien bekämpfen.“

„Die, die in Lilis Körper reinkommen, wenn sie verletzt ist?“

„Ja... Obwohl die viele Wege haben, reinzukommen.

Wunden sind nur ein Weg. Der spitze Ball, den du gerade vorbeiflizten gesehen hast, ist ein Grippevirus. Eigentlich nichts Gefährliches ... Aber es ist besser, wenn sie ihn erwischen, denn es ist jetzt keine gute Zeit für Lili, um eine Erkältung zu bekommen.“

„Ich wusste gar nicht, dass es so viele verschiedene Proteine gibt!“ „Da hast du noch gar nicht alles gesehen. Es gibt Tausende und Abertausende!“

„Tausende?“

„Richtig... tausende... in Lili. In ihrer Mutter. In allen Menschen, die sie kennt....“

„In jedem also? Hat jeder tausende von Proteinen?“ sagte Poetin.

„Ja, das haben sie. Und Tiere und Pflanzen auch, “ fügte Globin hinzu. „Und keins sieht aus wie das andere. Sie haben alle eine andere Form und Größe und machen viele verschiedene Sachen. Weißt du, wir sind alle eine große Familie.“

„Was? Sind wir Kusinen?“ quietschte Poetin ängstlich.

„Ähem... nicht Kusinen... nicht so richtig...aber wir sind aus dem gleichen Zeug hergestellt.“

„Zeug?“

„Ja, Zeug.“ Poetin hatte eine etwas bessere Erklärung erwartet.

„Was denn für’n Zeug, Globin?“

„Müssen wir darauf jetzt wirklich genau eingehen?“

„Ich will das jetzt wissen. Das ist mein Recht, oder?“

„Ich kann es nicht fassen, dass du es bis hierher geschafft hast mit dem kleinen bisschen, das du weißt...“

„Du hast mir immer noch nicht gesagt, aus was für’nem Zeug wir gemacht sind.“

„Das willst du gar nicht wissen, Poetin. Dann wird alles nur noch komplizierter.“

„Ich warte...“

„Na gut. Aminosäuren.“

„Was?“

„Ich hab’s dir doch gesagt, oder?“
„Du hast mir was gesagt?“

„Das du’s nicht wissen willst.“

„Das ich was nicht wissen will?“

„Sei doch nicht so dickköpfig!“ Globin stampfte mit dem Fuß.

„Ja, ja. Wir sind aus Aminosäuren gemacht. Und ich frage auch gar nicht, was das sind ...aber ich will wissen, wo all diese Proteine hergestellt werden ...“

„In Lilis Zellen.“

„Was ist denn eine Zelle?“

Mutlos nahm Globin Poetin bei der Hand. „Komm mal mit. Wir gehen jetzt zurück zu einer roten Blutzelle und ich erklär‘ dir dann mal ein paar Dinge, okay?“ Poetin folgte Globin, weil sie unbedingt mehr lernen wollte.

Nachdem sie es sich bequem gemacht hatten, führte Globin fort. „Also, alle Organe von Lili, so wie ihr Herz, ihre Nieren und ihre Leber sind aus Blutzellen gemacht. Zellen sind für einen Körper so wie Bausteine sind für ein Haus.“ Poetin hörte ganz gespannt zu. „In jeder Zelle, dasind Maschinen, die all die verschiedenen Proteine herstellen, von denen ich dir erzählt habe.“

„Aber woher wissen die Maschinen, welches Protein sie herstellen müssen?“ unterbrach sie Poetin.

„Das wollte ich dir ja gerade erklären, “sagte Globin und versuchte ihr Bestes, ruhig zu bleiben. „Jede Maschine liest so ein Rezept, das sie von einem Buch bekommen, das DNA heißt.“

„DNA?“
„Ja...DNA...schon mal von DNA gehört?“ Poetin schüttelte den Kopf.

„Ich gebe dir ein Beispiel. Du bist doch ein Protein, richtig?“ Poetin nickte. „Und du bist in Lilis Nieren hergestellt, okay?“ Poetin nickte wieder. „Das Problem mit Lili ist, dass ihre Nieren nicht so funktionieren wie sie sollen und sie stellt nicht genug von euch her. Deshalb musste sie dich runterschlucken ...“ Poetin verstand das nicht. „Du warst in der Medizin, die sie runterschluckte, weißt du nicht mehr?“

„Ach ja! Sie musste mich als Medizin nehmen, weil sie mich im Moment nicht herstellen kann!“

„Richtig!“

„Jetzt verstehe ich ... Ich wusste, dass ich zum Knochenmark muss. Ich wusste, dass ich hier bin, um Lili zu helfen rote Blutzellen herzustellen. Aber ich wusste nicht, wie ...“

„Sie hat im Moment nicht genug ...“

„Aber vorher hatte sie genug... Wo sind die alle?“

„Trotz deiner schrecklichen Unkenntnis bist du ganz schön clever, was?“

„Warum, glaubst du, haben die mich hier hingeschickt?“ antwortete Poetin pikiert.

„Die Sache mit den roten Blutzellen dauert kein ganzes Leben. Deshalb müssen sie ersetzt werden.“

„Und deshalb...“ Poetin fing an, zu verstehen, nicht nur, warum diese Aufgabe wichtig war, sondern auch warum sie wichtig war.

„Ja. Du bist auf dem Weg, um...“

„Stammzellen in Lilis Knochenmark zu finden ...“ unterbrach Poetin, „... die sich vermehren und dann rote Blutzellen werden.“

„Genau. Gott sei Dank, das haben wir jetzt klargestellt ...“

„Aber woher wissen die Maschinen, welches Protein sie herstellen müssen?“ unterbrach sie Poetin.

„Das wollte ich dir ja gerade erklären, “sagte Globin und versuchte ihr Bestes, ruhig zu bleiben. „Jede Maschine liest so ein Rezept, das sie von einem Buch bekommen, das DNA heißt.“

„DNA?“
„Ja...DNA...schon mal von DNA gehört?“ Poetin schüttelte den Kopf.

„Ich gebe dir ein Beispiel. Du bist doch ein Protein, richtig?“ Poetin nickte. „Und du bist in Lilis Nieren hergestellt, okay?“ Poetin nickte wieder. „Das Problem mit Lili ist, dass ihre Nieren nicht so funktionieren wie sie sollen und sie stellt nicht genug von euch her. Deshalb musste sie dich runterschlucken ...“ Poetin verstand das nicht. „Du warst in der Medizin, die sie runterschluckte, weißt du nicht mehr?“

„Ach ja! Sie musste mich als Medizin nehmen, weil sie mich im Moment nicht herstellen kann!“

„Richtig!“

„Jetzt verstehe ich ... Ich wusste, dass ich zum Knochenmark muss. Ich wusste, dass ich hier bin, um Lili zu helfen rote Blutzellen herzustellen. Aber ich wusste nicht, wie ...“

„Sie hat im Moment nicht genug ...“

„Aber vorher hatte sie genug... Wo sind die alle?“

„Trotz deiner schrecklichen Unkenntnis bist du ganz schön clever, was?“

„Warum, glaubst du, haben die mich hier hingeschickt?“ antwortete Poetin pikiert.

„Die Sache mit den roten Blutzellen dauert kein ganzes Leben. Deshalb müssen sie ersetzt werden.“

„Und deshalb...“ Poetin fing an, zu verstehen, nicht nur, warum diese Aufgabe wichtig war, sondern auch warum sie wichtig war.

„Ja. Du bist auf dem Weg, um...“

„Stammzellen in Lilis Knochenmark zu finden ...“ unterbrach Poetin, „... die sich vermehren und dann rote Blutzellen werden.“

„Genau. Gott sei Dank, das haben wir jetzt klargestellt ...“

 

Weiter zum achten Teil...