Flutkatastrophe in Pakistan

Die Flut macht Verkehrswege unpassierbar - so ist es sehr schwierig, Hilfsgüter zu den Opfern zu bringen. (Bild: Shutterstock)
In einer der schwersten Flutkatastrophen der letzten 20 Jahre in Asien haben 15 Millionen Menschen in Pakistan Heim, Nahrung und sauberes Trinkwasser verloren. Eine der Ursachen für die Überschwemmungen ist die Abholzung, die im Norden des Landes betrieben wird.
Der verregnete August dieses Jahr mag so manchem die Laune verderben, doch im Vergleich mit Pakistan erleben wir hier in der Schweiz einen wunderbaren Monat. Der Monsunregen hat dort katastrophale Überschwemmungen ausgelöst, wie sie das Land noch nie gesehen hat. 70 Prozent des Landes steht unter Wasser, 1‘600 Menschen mussten in den Fluten ihr Leben lassen, und laut den Meteorologen – den Wetterwissenschaftlern – kann es in den nächsten Tagen noch zu weiteren Überschwemmungen kommen.
15 Millionen Menschen betroffen
Der Schaden, den die starken Regenfälle verursacht haben, ist enorm. Millionen von Menschen sind ohne Obdach, Ernten wurden zerstört, und das Vieh ist ertrunken. Die Menschen in den Bergregionen des Nordwestens hungern, und weil Wege, Strassen und Brücken weggeschwemmt wurden, ist es fast unmöglich, ihnen Lebensmittel zukommen zu lassen.
Im Süden des Landes hat die Katastrophe andere Auswirkungen. Während im Norden noch saubere Wasserquellen existieren, ist dies im Süden kaum der Fall. In diesem flacheren Teil des Landes steht nun das meiste Flutwasser. Krankheitskeime vermehren sich im stehenden Wasser bei Temperaturen um die 40 Grad Celsius rasend schnell. Die Menschen trinken dieses verseuchte Wasser und werden krank.
Zuckerwasser gegen Brechdurchfall
Die berüchtigtste Krankheit, die über das Trinkwasser übertragen wird, ist die Cholera. Bei dieser Krankheit scheiden die Cholera-Bakterien im Darm ein Gift aus. Das Gift bringt unseren Körper dazu, sehr viel Salz und Wasser in den Darm zu leiten, welches wir nicht wieder aufnehmen können. So viel Wasser im Verdauungstrakt führt zu Durchfall und Erbrechen.
Auch in Pakistan liegen schon die ersten Fälle von diesem Brechdurchfall vor, und Experten befürchten, dass er zu einer Epidemie auswächst. Das Gefährliche an dieser Krankheit ist, dass der Körper durch den ständigen Durchfall sehr viel Wasser verliert – das kann zum Tode führen.
Glücklicherweise gibt es ein einfaches Mittel gegen den wässrigen Durchfall, wie er bei Cholera typisch ist: Eine spezielle Lösung aus Wasser, Zucker, Salz und Vitaminen. Der wichtigste Bestandteil davon ist der Zucker, weshalb zur Not auch einfaches Zuckerwasser verwendet werden kann. Zucker wird nämlich durch einem bestimmten Transporter vom Darm in die Blutbahn aufgenommen: Dieser Transporter nimmt mit jedem Zuckerteilchen jeweils ein Salzteilchen mit. Wenn jedoch Salz aus dem Darm heraustransportiert wird, fliesst automatisch Wasser mit – dieser Vorgang nennt sich Osmose. So wird das Wasser vom Körper aufgenommen, statt als Durchfall wieder hinauszufliessen.
Nicht zum letzten Mal
Leider werden in Pakistan wohl auch in Zukunft Flutkatastrophen das Leben von Millionen Menschen erschüttern. Denn die Regierung scheint nicht in der Lage, die bestehenden Dämme auszubauen oder neue zu errichten, um gegen solch starke Regengüsse wie in diesem Jahr gewappnet zu sein. Auch wird sie die Menschen nicht daran hindern können, sich nach der Rückgang der Fluten wieder in den Überschwemmungsgebieten in Flussnähe anzusiedeln – denn viele können nirgendwo sonst hin.
Wälder: natürlicher Überschwemmungsschutz
Nicht zuletzt sind die starken Abholzungen im Norden des Landes an der Katastrophe Schuld. Im Kampf gegen den Terror haben sowohl die pakistanische Armee wie auch die Taliban-Kämpfer die Wälder in den Grenzgebieten zu Afghanistan stark gerodet, um Bunker und Strassen zu bauen.
Doch Wälder wirken als natürlicher Überschwemmungsschutz: in ihnen kann dreimal mehr Wasser versickern als in der gleichen Fläche einer Weide! Ihr ausgedehntes Wurzelsystem speichert Wasser beinahe wie ein Schwamm und leitet es in von der Oberfläche in die Tiefe. Ein Teil des Regens bleibt in den Blätter hängen und verdunstet von dort wieder, ohne den Boden zu erreichen.
Quellen:
Redaktion simplyscience.ch
Sustainable Development Policy Institute
Schweizerisches Rotes Kreuz
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