WANN BEGINNT DER HERBST WIRKLICH?
Das kommt ganz auf den Standpunkt des Betrachters an: Für die Meteorologen beginnt er am 1. September, während die Astrologen den 23. September als Herbstanfang festgesetzt haben.
Im Sommer ist es warm, und im Winter schneit es. So lernen wir als kleine Kinder die Jahreszeiten. Später erfahren wir, dass es bestimmte Tage gibt, an denen Frühling, Sommer, Herbst und Winter offiziell beginnen. Aber wieso soll der Herbst erst im September beginnen, wenn es bereits Mitte August regnerisch und kalt ist? Und welcher Tag im diesem Monat ist der „richtige“ Herbstanfang?
An welchen Tagen die Jahreszeiten wechseln, hängt ganz davon ab, an welcher Wissenschaft man sich orientiert. Die Meteorologie – die Wissenschaft des Wetters und des Klimas – hat den 1. September als Herbstanfang festgesetzt, während die Astronomen – die Forscher, die sich mit dem Universum und den Himmelskörpern beschäftigen – erst ab dem 23. September vom Herbst sprechen.
Die Sonne gibt den Takt an
Der Wechsel der Jahreszeiten ist von den Astronomen nicht willkürlich festgelegt, sondern genau bemessen worden. Bereits in der Antike haben die Menschen die Sonne zurFestlegung ihres Kalenders beigezogen, und auch heute hat sich nichts daran geändert.
Im Sommer scheint die Sonne länger, im Winter sind die Tage kürzer. Der längste Tag ist am 21. Juni, und darum wird dieser Tag als astronomischer Sommerbeginn gesehen. Danach nimmt die Sonnenscheindauer pro Tag ab, bis zum kürzesten Tag, dem 21. Dezember. Da beginnt der Winter. Frühlings- und Herbstanfang ist jeweils am 21. März bzw. am 23. September, wenn Tag und Nacht genau gleich lang sind.
Der Grund für diese regelmässigen tageszeitlichen Schwankungen liegt daran, dass die Erdachse gegenüber der Sonnenumlaufbahn um 23.5° geneigt ist. Diese Neigung sorgt dafür, dass die Erde an unterschiedlichen Orten in ihrer Umlaufbahn je nach Region unterschiedlich viel Sonnenlicht – und damit Wärme - erhält.
Das klingt vielleicht etwas kompliziert, aber mit Hilfe des untenstehenden Bildes kannst du dir das gut vorstellen:

(Bild: NASA)
1. An Punkt 1 ist der Nordpol (N) von der Sonne weggeneigt und der Südpol entsprechend der Sonne zugeneigt. Das bedeutet, dass die Südhalbkugel mehr Sonnenlicht bekommt als die Nordhalbkugel. Bei uns ist es Winter, und der Nordpol selbst liegt für ein paar Monate sogar ganz im Dunkeln!
3. An Punkt 3 ist die Situation genau umgekehrt: Der Nordpol liegt im Sonnenlicht, der Südpol im Dunkeln.
2. und 4. Diese Punkte entsprechen Frühling und Herbst; jedenfalls am 21. März bzw. 23. September. Das sind die Tage, an denen Tag und Nacht genau gleich lang sind. Nach dem 21. März werden die Tage im Norden länger und im Süden kürzer – und umgekehrt gilt das gleiche für den 23. September.
Einfach und einleuchtend
Astronomische Berechnungen gut und schön, dachte sich die Pfälzische Gesellschaft für Meteorologie 1780, aber für den Normalbürger sind diese vielleicht nicht in erster Linie wichtig und diese Jahreszeitenwechsel Ende Monat etwas unpraktisch. Darum führte sie Ende des 18. Jahrhunderts die „Meteorologischen Jahreszeiten“ ein, die jeweils am 1. des Monats beginnen sollten, also am 1. März, 1. Juni, 1. September und 1. Dezember. Dies entsprach den Erfahrungen der Menschen in Europa.
Zu Anfang des 20. Jahrhunderts setzten sich diese „neuen“ Jahreszeiten durch, und zwar nicht zuletzt aus Gründen der Einfachheit: Mit dieser Einteilung sehr viel leichter, statistische Daten zu ermitteln, und da es damals noch keine Computer gab, war man um möglichst einfache Berechnungen froh. 1958 hat dann die Weltorganisation für Meteorologie offiziell die meteorologischen Jahreszeiten eingeführt, die jeweils genau drei Monate lang sind und mit dem ersten Tag des Monats beginnen, in dem der astronomische Beginn der Jahreszeit liegt.
Somit beginnt der Herbst sowohl am 1. September wie auch am 23. September – wobei sich das Wetter leider nicht immer an diese offiziellen Jahreszeiten hält.
Quelle: Redaktion simplyscience.ch