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Wo die Feuerwehr wegen "burnt cooking" ausrückt (1/4)
 Lukas Gonon vor der Skyline Torontos (Bild: L. Gonon).
ETH-Mathematikstudent Lukas Gonon wollte unbedingt einmal in einer nordamerikanischen Stadt leben und entschied sich für ein Austauschsemester in Toronto. Die kanadische Grossstadt ist für ihn goldrichtig: Kaum dort angekommen, hat er sich entschlossen, seinen Aufenthalt um ein zweites Semester zu verlängern. Was die Stadt ausmacht, beschreibt er in diesem ersten Teil seiner Kolumne.
Schon seit langem hatte ich mir gewünscht, mal für einige Monate in einer nordamerikanischen Grossstadt zu leben. Als ich mich über die verschiedenen Universitäten informierte, mit denen die ETH Zürich ein Mobilitätsabkommen hat, schien mir die University of Toronto (UofT) daher sehr geeignet zu sein: eine Campus-Universität mit gutem Ruf inmitten einer solchen Grossstadt.
In den mehr als vier Monaten, in denen ich nun hier gewohnt habe, habe ich ein sehr positives Bild von der Stadt und ihren Bewohnern gewonnen. Torontos Charme, Offenheit und die (auch politisch geförderte) kulturelle Vielfalt (zur Illustration: ungefähr die Hälfte der Bewohner sind ausserhalb Kanadas geboren) beeindruckten mich von Anfang an. Diese Eigenschaften, zusammen mit der Mischung aus Campus- und Grossstadtleben, machen Toronto trotz kalter Wintermonate zu einer tollen Stadt zum Studieren und Leben. Obwohl ich ursprünglich geplant hatte, nur ein Semester hier zu studieren, entschied ich mich bereits sehr bald, mich um eine Verlängerung des Aufenthalts zu bemühen. Das war nahezu problemlos möglich.
Gemächlicher Start
Als ich im September hier ankam, startete das Semester unmittelbar. Da die Vorlesungen aber eher gemächlich anliefen, hatte ich am Anfang einige Zeit, um die Stadt und Umgebung zu erkunden. So besuchte ich mit anderen Austauschstudierenden viele der diversen Stadtteile wie z.B. Chinatown, Koreatown, Little Italy, Greektown, Little India, etc. oder erkundete die nur per Fähre erreichbaren Toronto Islands mit dem Fahrrad. Trotz "Indian Summer" war hier fast nichts mehr los. Die Skyline Torontos stand der Stille, dem bunten Laub und dem Strand gegenüber, was eine fast märchenhafte Atmosphäre erzeugte. Im Dezember stattete ich den schneebedeckten Islands einen weiteren Besuch ab. Eine Gruppe von Kindern, die Hockey auf einem gefrorenen Kanal spielt, und der Sandstrand neben den verschneiten Bäumen machen es schwer zu glauben, dass die Inseln von Torontos Hauptbahnhof, der Union Station, in 15 Minuten erreicht werden können.
Im Laufe des Semesters unternahm ich mit einer Gruppe von Austauschstudierenden weitere Ausflüge, darunter ein Wochenende im Algonquin Provincial Park, wo wir in einer Holzhütte übernachteten, wanderten und auf einem mehrstündigen Ausflug im Kanu die Landschaft geniessen konnten.

Zeit für Erholung im Freien: Kanutrip in den Algonquin Provincial Park (Bild: L. Gonon).
Von der ETH war ich an Englisch als Unterrichtssprache gewöhnt. Daher verlief der Einstieg an der University of Toronto problemlos. Allerdings hatte ich zu den meisten Themen, die in Undergraduate-Vorlesungen behandelt werden, schon Kurse an der ETH besucht. Daher belegte ich schliesslich vier (sehr gute) Graduate-Kurse, in denen jeweils ca. 10 bis 20 andere Studierende waren. Neben dem Lösen von Übungsaufgaben gehörten hier z.B. auch das Lesen und Präsentieren von Forschungsartikeln und das Verfassen einer Seminararbeit zu den Aufgaben während des Semesters.
Essen vom Truck
Anders als an der ETH gibt es an der UofT keine zentrale Mensa. In den meisten Wohnheimen auf dem Campus zahlen die Studierenden nämlich nicht nur für Miete, sondern auch für einen "Meal plan", d.h. für drei bis vier Mahlzeiten in einer für die Bewohner des Wohnheims reservierten Kantine. Zwar gibt es für alle, die nicht in solchen Wohnheimen leben, überall auf dem Campus Verpflegungsmöglichkeiten, sehr viele davon sind aber Fastfood-Stände, darunter auch einige Food trucks.

Essen vom Lastwagen: Food Truck auf dem Campus der Toronto Universität (Bild: L. Gonon).
Ich selbst wohne in Tartu College, einem am Rande des Campus gelegenen Studentenwohnheim. Es beherbergt gegen 500 Studierende aus aller Welt und auch viele Kanadier. Anstelle eines "Meal plans" teilt man sich hier jeweils zu sechst eine Küche. Alles wirkt etwas älter und ein wenig heruntergekommen und auch das Feueralarmsystem des Gebäudes ist übersensibel: Die Feuerwehr rückt im Schnitt ein bis zwei Mal pro Woche an, wegen "burnt cooking" wie es jeweils heisst. Tartu College bietet dafür aber Flexibilität und eine tolle Lage. Von Anfang an war ich beeindruckt, was alles in zehnminütiger Gehdistanz zu finden ist: Von meinen Hörsälen über Restaurants, Kaffees, Kinos und Bars bis zu Billigläden (wie z.B. Dollarama) nach Westen hin und Luxusläden nach Osten hin. Dies und die Aussicht (stadtauswärts) aus meinem Zimmer im 14. Stock lässt mich über die zahlreichen Feueralarme hinwegsehen.
Trotz der kalten Temperaturen freue ich also auf weitere dreieinhalb Monate in dieser Stadt.
Zum Autor
Lukas Gonon studiert an der ETH Zürich Mathematik im sechsten Semester. Er absolviert von Anfang September bis Mitte Mai einen Austausch an der University of Toronto. Von diesem Aufenthalt erhofft er sich eine akademische und persönliche Horizonterweiterung. Ursprünglich wollte er nur ein Semester in Toronto verbringen. Vor Ort hat er dann den Austausch um ein Semester verlängert, um noch mehr Erfahrungen sammeln zu können. Er erhielt einen Reisekostenbeitrag von der ETH und wird auch von der Schweizerischen Studienstiftung unterstützt.
Quelle: Lukas Gonon, ETH Life
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