Magali Chollet, Lebensmittelingenieurin in einer Forschungsanstalt

Magali Chollet, Expertin für Milchprodukte
Magali Chollet kontrollierte nach ihrem Studium als Lebensmittelingenieurin die Produktion in Käsereien und Molkereien. Heute hat sie bei Agroscope als Projektleiterin täglich mit Konsumenten, Industriepartnern und Forschern zu tun. Vielfältigkeit im Job ist ihr grösster Antrieb.
Lebensmittel haben mich schon immer fasziniert; vielleicht auch, weil ich eine leidenschaftliche Köchin bin. Die Milch hat es mir besonders angetan: Man kann damit so unterschiedliche Produkte herstellen wie zum Beispiel süsses Jogurt oder rezenten Käse. Milch erfüllt in unserem Körper auch wichtige Funktionen und ist chemisch und biologisch sehr interessant. Nach der Matura stand ich vor der Wahl, die Ausbildung zur Lebensmittelingenieurin an der ETH Zürich oder an der Fachhochschule in Sion zu machen.Ich entschied sich für das Letztere. Die Fachhochschule ist stärker auf die Praxis ausgerichtet und mich hat das Berufsleben damals mehr interessiert als die Bücher.
Der erste Studienteil wird von den naturwissenschaftlichen Grundlagen geprägt. Das war für mich nach Abschluss des mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums jedoch kein Problem. Mathematik, Physik und Chemie sind Schwerpunkte im ersten Jahr, später folgen dann Mikrobiologie, Biotechnologie und Verfahrenstechnik. In bester Erinnerung sind mir die praktischen Übungen in der Pilothalle. Dort produzierten wir Apfelsaft, Mayonnaise und Gummibonbons im Massstab bis zu 100 Litern. Die Ausbildung ist sehr breit und danach kann man in der Forschung, der Produktion, der Qualitätssicherung oder im Verkauf arbeiten. Erst mit den beiden ersten Arbeitsstellen legt man den Pfad für seine zukünftige Laufbahn. Bei mir sollte dies später die Arbeit mit Milch sein.
Anderes Land, andere Sitten
Meine Diplomarbeit am Ende des Studiums schrieb ich am Polytechnikum in Singapur. Dort habe ich zum Beispiel an der Entwicklung von Kopfsalat-Saft für die ernährungsbewusste Bevölkerung gearbeitet. Die Zusammenarbeit mit Menschen einer fremden Kultur war eine einzigartige Lebenserfahrung. Ich stellte fest, dass die hierarchischen Stufen der Mitarbeiter in der asiatischen Berufswelt sehr wichtig sind. Fragt man jemanden für einen Gefallen, der rein hierarchisch nicht dafür zuständig ist, passiert gar nichts, selbst wenn man zuvor eine positive Antwort erhalten hat. In Singapur lernte ich auch die selbständige, effiziente und qualitätsbewusste Arbeitsweise in meinem Heimatland schätzen.
Nach dem Studium fand ich meinen ersten Job als Kontrolleurin bei der bio inspecta in Frick. Ich kontrollierte, ob die Verarbeitung der Milch in Käsereien und Molkereien den Standards entsprechen, damit deren Produkte später bestimmte Qualitätsbezeichnungen wie «Bio», «Demeter» oder «Knospe» tragen durften. Jeder Betrieb muss sich pro Jahr mindestens einmal einem solchen «Audit» unterziehen, wie die Kontrollen in der Fachsprache heissen. Oft war ich vier Tage pro Woche in der ganzen Schweiz unterwegs und nur ein Tag im Büro. Nach jeder Betriebsbesichtigung verfasste ich einen Bericht für den Zertifizierer bei bio inspecta. Dieser überprüfte die Ergebnisse und stellten wir fest, dass Betriebe mutmasslich gegen bestimmte Standards verstiessen, gaben wir den Fall an den kantonalen Vollzug weiter. Dieser kann Betriebe bei gravierenden Fällen anklagen, so dass sie mit einer Busse bestraft werden.

Im Labor ist exaktes Arbeiten gefragt
Von der Kontrolle zurück ins Labor
Vor drei Jahren wechselte ich in ein Mikrobiologielabor in Sursee und betreute dort ein eigenes Team. Wir sammelten Proben an über 900 Standorten in der Schweiz und untersuchten diese im Labor. Zum Beispiel filtrierten wir Wasser aus den Produktionsbetrieben oder Restaurants und überprüften den Rückstand auf gefährliche Mikroorganismen. Die Routinearbeit in einem Dienstleistungslabor war jedoch langfristig nichts für mich, weshalb ich mich 2009 als Projektleiterin für Milchverarbeitung bei der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld Posieux ALP bewarb.
Agroscope ist eine Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt des Bundes. Dort nehme ich heute die Bedürfnisse aus der Industrie und von Konsumenten entgegen, gebe diese weiter ans Labor und koordiniere die entsprechenden Forschungsprojekte. Zum Beispiel die Suche nach gut schmeckenden Milchprodukten für eine gesunde Ernährung bei Leuten in der zweiten Lebenshälfte. Selber stehe ich nicht mehr im Labor. Heute sind die Organisation der Forschungsprojekte und die Kommunikation von Ergebnissen meine Schwerpunkte. Diese Stelle wird mir ganz sicher nicht so bald langweilig. Die Arbeit mit Milch ist dermassen vielfältig; ich kann hier noch jahrelang dazulernen!
Quelle: SATW/Samuel Schläfli (http://www.satw.ch/technoscope
Bilder: Franz Meier
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