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AHA!

01.02.2010
  
  
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Ein natürlicher Fluss schlängelt sich durch die Landschaft. (Bild: Shutterstock)
Ein natürlicher Fluss schlängelt sich durch die Landschaft. (Bild: Shutterstock)

WER BRINGT DEN BACH INS BETT?

Ingenieure arbeiten mit Hochdruck daran, Flüsse durch Veränderung der Flussbetten hochwassersicher zu machen.

Ein Bach schläft nie. Jeden Tag und auch in der Nacht fliessen Tonnen Wasser gemütlich den Bach hinunter. Aber ein Bach kann auch anders: Im Jahr 2005 wurden aus ruhigen Bächen riesige Fluten. Die im Sommer herunter geregneten Wassermassen verliessen die Bachbetten und richteten dabei Schäden in Milliardenhöhe an. Sogar die Stadt Luzern stand damals unter Wasser.

Der Bund investiert viel Geld in den Hochwasserschutz, damit nicht jeder regenintensive Sommer zu verheerendem Hochwasser führt. Ingenieure stützen, „begradigen“ oder vertiefen gefährdete Flussbetten, Dämme und Deiche werden gebaut. So gestaltete Flüsse sind nicht nur gut gegen Hochwasser geschützt. Man kann sie auch besser für die Schifffahrt verwenden.

In manchen Fällen ist aber genau das Umgekehrte ein wirksamer Hochwasserschutz: Ein künstlich verbauter und begradigter Fluss wird wieder natürlich. Denn der typische schlangenförmige Verlauf vieler Flüsse ist ein natürlicher Hochwasserschutz: Das Wasser kann über die Ufer treten und sich zwischen den Flusskurven ausbreiten. Die Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Flusslauf nicht bebaut ist. An so einem Fluss können sich nun auch wieder Tiere und Pflanzen ansiedeln. Diese Bauprojekte nennt man "Renaturisierung“.

Die Planung solcher Projekte ist der Job des Umweltingenieurs. Der Umweltingenieur bestimmt, wo und wie ein Flussbett zu graben, zu ergänzen, zu vergrössern oder zu verkleinern ist. Dabei muss er einige sehr wichtige Dinge berücksichtigen: Den Umweltschutz, die Wirtschaft und die Gesellschaft. Zwischen diesen Dingen herrscht ein Gleichgewicht, das der Umweltingenieur nicht stören darf. Ein schwieriges und aussergewöhnliches Projekt wird zurzeit am Flussbett der Sihl in Zürich durchgeführt.

Stadt vs. Fluss

Die Sihl entspringt am Drusberg im Kanton Schwyz und fliesst 70 Kilometer später mitten in Zürich in die Limmat. Damit die Sihl in der Stadt ungehindert fliessen kann und bei Hochwasser keinen Schaden anrichtet, musste ihr Flussbett vor Jahrzehnten von Umweltingenieuren genauestens berechnet und dann mit viel Maschinenkraft und Beton in den Boden gestampft werden.

Wenn die Sihl den Zürcher Hauptbahnhof erreicht, wird sie in fünf grossen Rohren unter dem Bahnhof durchgeleitet. Auf der anderen Seite fliesst das Wasser dann wieder in ein Flussbett, wo es sich mit dem Wasser der Limmat vereint.

Ein Fluss ist im Weg? Kein Problem!

Nicht nur beim Bau eines Flussbetts, auch bei späteren Arbeiten am Fluss wird der Umweltingenieur gerufen. An der Sihl beim Zürcher Hauptbahnhof wird seit März 2008 und noch bis 2013 fleissig berechnet, gegraben und gebaut: Es soll ein neuer unterirdischer Bahnhofbereich entstehen, der Bahnhof Löwenstrasse.

Das Problem ist aber, dass gleich neben dem zukünftigen Bahnhof auch die Sihl ihre unterirdischen Bahnen zieht. Damit es trotzdem genug Platz für die Bauarbeiten hat, mussten zwei der fünf Rohre geschlossen werden. Das bedeutet aber, dass sich der Fluss bei Hochwasser an der Baustelle stauen wird. Um zu verhindern, dass es dann Überschwemmungen gibt, wenden die Umweltingenieure zwei Tricks an:

Graben und Stauen

An der Stelle, wo das Wasser in die unterirdischen Rohre fliesst, hat man die Sihl vorsorglich „tiefergelegt“. In der Fachsprache heisst das, man hat das Flussbett abgesenkt. Somit kann man mehr Wasser vor der Baustelle stauen, das dann schneller durch die verbleibenden drei Rohre fliesst.

Beim zweiten Trick verändert man den Wasserstand des Sihlsees, durch den die Sihl fliesst. Der Sihlsee liegt 70 Kilometer flussaufwärts und ist ein Stausee. Wenn starker Regen angesagt ist, werden schon mehrere Tage im Voraus grössere Wassermengen in die Sihl abgelassen, damit der See weniger Wasser hat. Wenn dann der Regen kommt, dreht man beim Sihlsee die Schleusen zu. Er hat nun genug Platz, um das hinein fliessende Wasser eine Weile zu stauen. Man nennt das „Rückhaltevermögen“. Somit kann die Sihl kein Hochwasser führen und die Baustelle in Zürich kann nicht überschwemmt werden.

Da die Sihl durch dicht bewohntes Gebiet fliesst, braucht deren Verlauf sehr viel Planung.

Quelle: SimplyScience Redaktion