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Monatsthema

Neues Virenlabor für die Schweiz

20.07.2010
  
  
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Dank der Arbeit in Virenlabors können wir Viren-Modelle - wie dieses hier vom H1N1-Virus - erstellen und die Krankheitserreger verstehen und bekämpfen lernen. (Bild: Scherle, Wikimedia Commons)
Dank der Arbeit in Virenlabors können wir Viren-Modelle - wie dieses hier vom H1N1-Virus - erstellen und die Krankheitserreger verstehen und bekämpfen lernen. (Bild: Scherle, Wikimedia Commons)

In Zukunft soll die Schweiz bei der Bekämpfung von Killerviren nicht mehr auf ausländische Labors angewiesen sein. In Spiez ist deshalb letzten Monat ein Hochsicherheitslabor eröffnet worden, das ab 2011 biologische Kampfstoffe und gefährliche Krankheitserreger erforschen will.


Gerade mal ein Jahr ist es her, dass die Welt vor der Schweinegrippe zitterte. Zum Glück verbreitete sich das H1N1-Virus dann weit weniger als befürchtet. Dennoch war es ein Weckruf für die Schweiz: Wir besassen damals kein Hochsicherheitslabor, in dem tödliche Viren erforscht werden konnten, und mussten uns ans Ausland wenden.

Das hat sich inzwischen geändert. Im Juni 2010 wurde in Spiez ein neues biologisches Labor eröffnet. Darin können Viren der höchsten Risikostufe untersucht werden. Weltweit gibt es nur etwa 30 vergleichbare Labors.

Was macht ein Virologe?

Bereits im nächsten Jahr sollen dort mögliche Kampfstoffe und Krankheitserreger wie beispielsweise das Ebola-Virus erforscht werden. Ebola ist eine schwerwiegende Fiebererkrankung, nach dem Fluss Ebola im Kongo, ihrem Ursprungsort, benannt. Das krankmachende Ebola-Virus kann auch als biologische Waffe eingesetzt werden. Das bedeutet nichts anderes, als dass das Virus absichtlich und gezielt verbreitet wird.

Das neue Hochsicherheitslabor in Spiez liegt auf militärischem Gelände und arbeitet mit dem Militär zusammen. Doch ins Labor selber dürfen nur speziell für die Arbeit mit Viren ausgebildete Fachleute – sogenannte Virologen. Diese müssen verantwortungsbewusst, diszipliniert und äusserst sorgfältig arbeiten. Bei ihren Forschungen an gefährlichen Viren dürfen keine Fehler passieren, denn diese dürfen auf keinen Fall aus dem Labor entweichen. Virologen untersuchen Viren, damit man bei einer Ausbreitung besser reagieren oder sogar Medikamente dagegen entwickeln kann.

Erdbebensicheres Panzerglas

Doch die Verantwortung für die Sicherheit lastet nicht nur allein auf den Virologen: Das Labor selbst ist mit den strengsten Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet. Der Raum, in welchem die gefährlichen Viren untersucht werden, ist mit dicken Panzerglasscheiben vom Aussenbereich getrennt und luftdicht abgeriegelt. Ein dreimal grösserer Betonbau umgibt das Labor. Dazwischen liegen Rohre und unzählige Maschinen, die Abwasser und Luft aus dem Labor entkeimen, also filtern und reinigen. Das Gebäude muss allen möglichen Erschütterungen standhalten können und ist erdbebensicher gebaut.

Astronauten auf der Erde

Für die Virologen selbst gelten strengste Sicherheitsbestimmungen. Ohne den luftdichten Ganzkörper-Anzug, der über einen angeschlossenen Schlauch mit Sauerstoff versorgt wird, darf niemand in die Hochsicherheitszone. Unter dem aufgeblasenen Schutzanzug tragen die Virologen entkeimte Kleidung, ja sogar entkeimte Socken und Unterhosen! Ganze dreissig Minuten dauert die Vorbereitung für den Aufenthalt im Labor.

Nach getaner Arbeit dauert es weitere dreissig Minuten bis die Virologen das Labor verlassen können. Die Virologen erhalten mitsamt Schutzanzug eine Säuredusche, die auch die resistentesten Viren abtöten würde. Es ist aber unwahrscheinlich, dass Viren überhaupt aus ihren Behältern entweichen und auf den Anzug gelangen können. Auch die für die Arbeit verwendeten Geräte und Werkzeuge werden nach Gebrauch chemisch gereinigt.

Schutz der Bevölkerung

Die Schweizer Bevölkerung ist somit bestmöglichst vor Gefahren aus dem Virenlabor geschützt. Bei den Forschungen, die im Jahr 2011 beginnen, will man untersuchen, wie gefährliche Viren am schnellsten erkannt und Erkrankungen am besten behandelt werden können. So werden wir hoffentlich bei der nächsten Pandemie nicht mehr nur auf ausländische Labors angewiesen sein um uns bestmöglichst schützen zu können. Ausserdem wird die Schweiz dann einen Beitrag zur weltweiten Virenforschung leisten können.

Quellen:

Redaktion simplyscience.ch

Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS – Labor Spiez