|
Genuss pur! (2/4)
Meine zweite Arbeitsstelle gab mir die Möglichkeit, mit Studierenden zusammenzuarbeiten und gleichzeitig zu forschen. Mit einigem Erfolg!
Während vier Jahren habe ich Erfahrungen in der industriellen Lebensmittelverarbeitung gesammelt. Stell dir vor, da werden tagtäglich mehrere Tonnen von Lebensmitteln produziert. In meinem Fall waren dies beispielsweise 15 Tonnen Salatsauce oder 22 Tonnen Margarine. Wo bleibt da der Genuss? Aber ich kann dich beruhigen, denn die Lebensmittel werden vom Hersteller selber immer wieder geprüft und zudem in Konsumententests mit Konkurrenzprodukten verglichen. Gerade in der Schweiz herrscht ein hoher Qualitätsstandard, was die Verarbeitung von Lebensmitteln betrifft.
Milchbestandteile anstatt künstliche Emulgatoren
Nach meinem Start in der Industrie zog es mich in die Lehre und die Forschung an einer Fachhochschule (FH). Ich hatte dort die Gelegenheit, Grundlagenwissen in der Lebensmittelwissenschaft zu erarbeiten und den angehenden Lebensmittelingenieuren FH zugänglich zu machen. Gleichzeitig nahm ich eine Doktorarbeit in Angriff, in welcher ich die Rolle von künstlich zugesetzten Emulgatoren bei der Herstellung von Rahmspeiseeis untersuchte.
Künstlich zugesetzte Emulgatoren müssen mit E- Nummern auf der Verpackung von Lebensmitteln deklariert werden. Ich habe herausgefunden, dass es in Milch natürlich vorkommende kleine Moleküle gibt, welche die Rolle von solchen Emulgatoren übernehmen können. Diese Moleküle heissen “Phospholipide”. Sie kommen in der Milchfettkügelchen-Membran vor und können durch moderne Filtrationsverfahren aufkonzentriert und von der Milch abgetrennt werden. Solche Phospholipide aus der Milch habe ich bei der Herstellung von Speiseeis eingesetzt und das Resultat war überwältigend: Das Rahmspeiseeis war rahmiger und hat vollmundiger geschmeckt als die Referenz. Genuss pur!
Ein schöner Erfolg
Das erarbeitete Wissen wurde von einem bekannten Speiseeis-Hersteller übernommen und für die Entwicklung von ‚all natural Glacé’ verwendet. Das war ein schöner Erfolg für mich. Das erarbeitete Wissen habe ich den Studierenden dann auch im Fach Speiseeistechnologie weitervermittelt.
Die Arbeit an der Fachhochschule, mit direktem Kontakt zu den Studierenden und vielen neuen Aufgaben, hat mir sehr gut gefallen. Diese Stelle ermöglichte mir auch, mein Arbeitspensum zu reduzieren, als ich Mutter wurde. Mit einem Arbeitspensum von 50 Prozent konnte ich Familie und Beruf unter einen Hut bringen und weiterhin einer herausfordernden, spannenden Beschäftigung nachgehen.
|