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Austauschsemester in Sydney (2/4): Feueralarm und Züri-Gschnätzlets

11.08.2010
  
  
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Der Strand von Maroubra ist der nächstgelegene zum Surfen. (Bild: Maria Husmann)
Der Strand von Maroubra ist der nächstgelegene zum Surfen. (Bild: Maria Husmann)

Nach der anfänglichen Eingewöhnungsphase berichtet Globetrotterin Maria Husmann in ihrem zweiten Beitrag vom studentischen Alltag in Down Under.


In meiner ersten Vorlesung fühlte ich mich etwas fremd. Ich konnte den meisten Konversationen meiner Mitstudenten nicht folgen. Das lag aber nicht an meinen mangelnden Englischkenntnissen, sondern daran, dass geschätzte 80 Prozent der Studenten aus Asien stammten und viele sich auf Chinesisch unterhielten. Sogar der Dozent war Chinese und machte ab und zu Witze, welche für anderssprachige schwer verständlich waren.

Der internationale Charakter spiegelt sich noch extremer im UNSW Village wieder, da die meisten Australier nicht auf dem Campus, sondern aus finanziellen Gründen bei den Eltern wohnen. Auch in meiner 6er-WG sind wir ein bunter Haufen aus sechs Nationen von drei Kontinenten. Auch ein Australier aus Canberra ist dabei. Wir wurden zufällig in die gleiche WG eingeteilt. Hier weiss nämlich vorher niemand, mit wem er zusammen wohnen wird.

Nächtliche Ruhestörung

Doch auch wenn wir uns vorher nicht kannten, kamen wir uns doch sehr schnell näher - als wir nämlich nachts um vier Uhr vom Feueralarm aus dem Schlaf gerissen wurden. Unsere Zimmer sind alle mit Lautsprecher ausgerüstet. Als ich die Sirenen das erste Mal heulen hörte und mich eine Stimme aufforderte, sofort zu evakuieren, erschrak ich doch ein wenig, obwohl ich einen Fehlalarm vermutete.

Ich sollte mich noch daran gewöhnen: Innerhalb weniger Wochen hatten wir drei weitere Alarme nach Mitternacht und einige mehr tagsüber. Tausend Studenten mit teilweise wenig Erfahrung in der Küche und sehr sensible Feuermelder sind wohl keine gute Kombination. Ausserdem war das System anfangs so eingestellt, dass sämtliche Blöcke evakuiert wurden und nicht nur jener Block, bei dem das vermeintliche Feuer detektiert wurde. Das führte dazu, dass tausend Studenten ihre Zimmer verlassen mussten, wenn ein einziger seinen Toast verkohlt hatte. Und so nahm die Bereitschaft, überhaupt die Wohnung zu verlassen, schnell ab. Schlussendlich wurde das System umgestellt, so dass nur noch der betroffene Block evakuieren musste.

Rösti für die Mitbewohner

Eines Tages bat mich mein Mitbewohner aus Singapur, ihm ein paar Rezepte beizubringen, da er bisher nie selber kochen musste. Nachdem ich ihm gezeigt hatte, wie man Spaghetti Carbonara zubereitet, ass er an den drei folgenden Tagen nur dieses Gericht – so begeistert war er davon. Ein anderes Mal habe ich für meine Mitbewohner Züri-Gschnätzlets mit Rösti gekocht, was auch sehr gut ankam. Im Austausch kam ich in Genuss von japanischem Curry, Singapore Noodles und chinesischen Desserts.

Eine Mensa gibt es nicht auf dem Campus, aber diverse Take Aways. Auch hier ist wieder alles sehr international. Zum Glück! Sonst müsste ich jeden Tag Pommes Frites essen. Aber so kann ich aussuchen zwischen Laksa (Nudelsuppe), vietnamesischen Frühlingsrollen und indischen Curries.

Mit dem Surfbrett über den Campus

So etwas wie den ASVZ gibt es an der UNSW leider auch nicht. Es gibt zwar diverse Sportclubs, will man aber die Sportanlagen benutzen, so bezahlt man Eintritt wie in einem Fitnesscenter. Ausserdem ist die Auswahl an Sportarten und Lektionen um einiges kleiner als in Zürich. Man kann sich hier aber auch gut ohne Fitnesscenter sportlich betätigen. Nach ein paar Tagen habe ich mir ein billiges, gebrauchtes Surfbrett zugelegt. Während die Studenten morgens aus dem Bus in die Vorlesungen stürmten, lief ich mit dem Brett quer über den Campus, um an den Strand zu fahren und ein paar Wellen zu reiten, bevor ich mittags meine erste Vorlesung hatte. An zwei Tagen pro Woche hatte ich Vorlesungen bis 21 Uhr, was für mich relativ ungewohnt war. Ich musste mich oft ziemlich anstrengen, um einigermassen wach und konzentriert zu bleiben.

Dass in Australien Linksverkehr herrscht, wusste ich. Es war mir aber nicht bewusst, dass sich das nicht nur auf die Strasse bezieht. Auf den unzähligen Treppen und Wegen auf dem Campus ist es auch üblich, links zu gehen. Und als ich im Schwimmbad meine Bahnen zog, wurde ich nach ein paar Wochen darauf aufmerksam gemacht, dass ich «falsch» schwimme. Da ich jeweils eine Bahn für mich alleine hatte, war mir gar nicht aufgefallen, dass alle andersrum schwimmen.

Zur Person

Maria Husmann hat an der ETH Zürich 8 Semester Informatik studiert. Zur Zeit ist sie für ein Semester als Austauschstudentin an der University of New South Wales (UNSW) in Sydney, Australien. Danach wird sie in Zürich ihre Masterarbeit beginnen.

Quelle: Maria Husmann, ETH Life

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