Die weisse Gefahr

Lawinen sind faszinierend und gefährlich. Man versteht zwar, wie sie entstehen. Doch wann und wo genau sie auftreten, lässt sich nicht voraussagen.

Staublawine oberhalb Zinal

Trockene Schneebrettlawinen bewegen sich mit 50 bis 100 km/h vorwärts, Staublawinen (im Bild oberhalb Zinal)
mit bis zu 300 km/h. Bild: dahu1/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Jedes Jahr werden in der Schweiz mehrere hundert Menschen von einer Lawine erfasst, durchschnittlich 23 überleben dies nicht. Praktisch alle Verunglückten sind auf einer Skitour unterwegs oder wurden beim Variantenfahren von einer Schneebrettlawine erfasst. Lawinen sind also nach wie vor eine der wichtigsten
Naturgefahren im Alpenraum.

Schwachstellen in der Schneedecke

Man hat heute ein recht genaues Bild, wie Lawinen ausgelöst werden. Im Laufe des Winters baut sich die Schneedecke schichtweise auf. Mit jedem Schneefall entsteht eine neue Schicht, die sich mit der Zeit umwandelt. An der Oberfläche kann sich Reif ablagern und die Sonneneinstrahlung und der Wind verändern die Struktur des Schnees. Diese Veränderungen können dazu führen, dass die nächste neue Schneelage nur noch einen schwachen Halt findet. Innerhalb der Schneedecke entsteht so eine gefährliche Schwachstelle. Ist die Überlast der neuen Schneelage zu gross oder wird die Schneedecke beispielsweise durch einen Skifahrer belastet, bricht die Schneedecke entlang dieser Schwachstelle. Es entsteht ein Schneebrett.

Heute ist es möglich, anhand der allgemeinen Wetterlage die Lawinengefahr für eine Region vorauszusagen. Das WSL-Institut für Schneeund Lawinenforschung SLF informiert denn auch zweimal täglich mit Lawinenbulletins. Allerdings: Wann und wo genau in einem bestimmten Gebiet eine Lawine niedergehen wird, lässt sich heute noch nicht voraussagen, denn die Schneedecke ist auf kleinem Raum sehr unterschiedlich aufgebaut.

Unregelmässige Verteilung des Schnees

Die Forschenden am SLF versuchen deshalb, die Entstehung und Ausbreitung von Lawinen noch besser zu verstehen. «Es gibt noch viele offene Fragen», erklärt Lawinenspezialist Jürg Schweizer, Leiter des SLF. «Wir können beispielsweise die Schneestrukturen mit Hilfe von bildgebenden Verfahren sehr präzise untersuchen. Doch wie stabil diese Strukturen sind, wissen wir damit noch lange nicht – und genau das wäre wichtig, um eine mögliche Bruchstelle zu erkennen.»

Die grösste Herausforderung für die Prognose ist jedoch, dass die Schneeverteilung im Gelände sehr variabel ist. «Eigentlich bräuchten wir ein detailliertes dreidimensionales Modell der Schneedecke», meint Schweizer. «Doch das ist aktuell bestenfalls für ein kleines Gebiet möglich.» An diesem Problem werden vorerst auch die neuen hochpräzisen Wettermodelle von MeteoSchweiz nicht viel ändern. Diese können zwar die Schneefälle mit einer Auflösung von einem Kilometer voraussagen. Doch für eine genaue Lawinenprognose müsste man den Aufbau der Schneedecke auf einige zehn Meter genau kennen.

So schützt du dich vor Lawinen

Wenn du abseits der markierten Pisten Wintersport betreibst, bewegst du dich in nicht gesichertem Gelände – und damit bist du auch höheren Gefahren ausgesetzt. Durch richtiges Verhalten kannst du das Risiko, in eine Lawine zu geraten, jedoch vermindern.

  1. Orientiere dich über das Wetter und die Lawinensituation.
  2. Beurteile die Schneeverhältnisse, das Gelände und den Einflussfaktor Mensch immer wieder neu.
  3. Stell das LVS auf Senden, nimm eine Schaufel und eine Sonde mit.
  4. Mach um frischen Triebschnee einen grossen Bogen.
  5. Befahre Schlüsselstellen und extreme Steilhänge nur einzeln.
  6. Sei vorsichtig, wenn es im Laufe des Tages wärmer wird.

Auf der Website www.whiterisk.ch erfährst du mehr über Lawinen. Dort findest du auch einen Online-Planer für deine Routen. Das Lawinenbulletin findest du unter www.slf.ch.

Text: SATW / Felix Würsten
Quelle: Technoscope 1/17: Technik im Schnee. Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche

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