Technische Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung entwickeln

Elena (20) möchte an der Entwicklung technischer Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung beteiligt sein. Welchen Studiengang sollte sie auswählen? Jacqueline Beriger-Zbinden von der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung Graubünden gibt Auskunft.

Bild: CanStockPhoto

Liebe Frau Beriger-Zbinden

Nach der Matura habe ich ein Praktikum in einem Heim für Menschen mit Behinderungen absolviert. Die vielen technischen Möglichkeiten, die diesen Menschen das Leben erleichtern, haben mich fasziniert. Welche Studiengänge kann ich absolvieren, damit ich mich an der Entwicklung solcher Hilfsmittel beteiligen kann? (Elena, 20)


Liebe Elena

Sie interessieren sich für ein sehr innovatives Forschungsgebiet, das sich an den Schnittstellen unterschiedlichster Disziplinen aller Hochschultypen bewegt. Berufsleute aus der Medizin, Therapie und Pflege geben den Anstoss für die Forschung und Entwicklung neuer Hilfsmittel und Methoden und sind besonders bei der Umsetzung in die Praxis gefragt. Ein Studium im Gesundheitsbereich ist also die erste Möglichkeit, die Sie in diesen Forschungszweig führen könnte.

Wenn Sie sich dafür interessieren, wie elektrische Signale die Funktion von Augen übernehmen und direkt im Gehirn Bilder erzeugen, sind Sie als Naturwissenschaftlerin oder als Spezialistin aus den technischen Bereichen wie Physik, Elektrotechnik, Maschinenbau, Materialwissenschaften oder Informatik gefragt. Bereits mit dem Doktorat beteiligen Sie sich an der Forschung, die Sie entscheidend mitbestimmen können.

Als weitere Möglichkeit gibt es auch interdisziplinäre Studienrichtungen wie Biomedizinische Wissenschaften, die naturwissenschaftliche, medizinische und technische Grundlagen und Methoden verbinden. Oder ein spezialisierter Masterstudiengang Biomedical Engineering kann Sie darauf vorbereiten, roboter- und computergestützte Geräte zur Erhöhung der Mobilität behinderter Menschen zu entwickeln.

Das Cochlea-Implantat ersetzt das geschädigte Innenohr und ist ein erfolgreiches Beispiel, wie befruchtend die Zusammenarbeit von Biologie, Medizin und Technik sein kann. In der aktuellen Forschung werden Absolventen der Medizin- und Mikrotechnik, der Life Sciences Technologies wie auch der rechnergestützten Wissenschaften beigezogen.

Und wenn Sie sich vorstellen können zwischen Ingenieuren und Medizinern zu vermitteln, kommt als zusätzliche Option auch der Studiengang Gesundheitswissenschaften und Technologie in Frage. Hier bewegen Sie sich mitten im Spannungsfeld Mensch–Gesundheit–Technologie.

Text: zur Verfügung gestellt von Jacqueline Beriger-Zbinden, Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung Graubünden
Quelle: Technoscope 3/18: Technik für die Sinne. Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche

Das Cochlea-Implantat

Menschen, die nicht gut hören, profitieren häufig von einem konventionellen Hörgerät, das die Schallwellen verstärkt und somit hörbar macht. Bei Menschen, deren Innenohr gar keine akustischen Informationen empfangen kann, wird über ein Cochlea-Implantat direkt der Hörnerv stimuliert. Schallwellen werden von der externen Komponente des Implantats aufgenommen und in elektrische Signale umgewandelt. Diese werden im Implantat entschlüsselt und über die Hörschnecke und den Hörnerv ans Gehirn weitergeleitet. Im Gehirn werden die Signale in einen Höreindruck übersetzt. Wie auch bei anderen technischen Hilfsmitteln, die fehlende Sinne ersetzen sollen, ist ein Training Voraussetzung, um den richtigen Umgang damit zu erlernen und sie möglichst effizient einsetzen zu können.

Text: SATW / Alexandra Rosakis
Quelle: Technoscope 3/18: Technik für die Sinne. Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche

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Murkelchen schrieb:

Es ist sehr interessant zu erfahren dass die Forschung schon damit so beschäftigt ist,und so viele Themenbereiche und Faktoren mit eingehen