Daniel Bernoulli (23), Materialwissenschaftsstudent

Fenster die man nie mehr putzen muss, weil sie nicht mehr schmutzig werden können. Ist das möglich? Weshalb leitet Kupfer elektrischen Strom, ein Baumwollfaden aber nicht? Wer sich für solche Sachen interessiert, für den ist das Studium der Materialwissenschaften genau das Richtige.

Die Materialwissenschaft befasst sich mit jeglicher Art von Materialien

Die Materialwissenschaft befasst sich mit jeglicher Art von Materialien. So zum Beispiel auch mit wasserdichten Textilien. Bild: Horia Bogdan/Shutterstock.com

Daniel Bernoulli

Daniel Bernoulli

Du studierst Materialwissenschaften, was ist das eigentlich?
Die Materialwissenschaft befasst sich mit jeglicher Art von Materialien. Von Textilien über Stahl bis zum Autopneu. Man kann die Materialien in verschiedene Klassen unterteilen: die Polymere - also Kunststoffe, Keramiken und Metalle. Man befasst sich im Detail mit einem Material. Neben dem atomaren Aufbau wird auch der Weg zum fertigen Bauteil (z.B. Autopneu) betrachtet. Als Materialwissenschaftler erforscht man neue Materialien, beschäftigt sich dann aber genauso mit dessen technischer Anwendung im Alltag.

Was hat dich dazu bewogen Materialwissenschaften zu studieren?
Ich wollte eigentlich eine Kombination aus Physik und Chemie. Diese fand ich im Studiengang Materialwissenschaften.

Was fasziniert dich an deinem Studium?
Es ist sehr abwechslungsreich. Man hört von allen Materialklassen etwas und bekommt so einen grundlegenden Einblick in diese Wissenschaft. Sicherlich erhält man auch einen anderen Bezug zu den täglich verwendeten Materialien. Das heisst, im alltäglichen Leben findet man viele Dinge wieder, die man im Studium erlernt hat. Ausserdem fasziniert mich das Studium, weil es Erklärungen gibt, weshalb sich ein Material genau so verhält und nicht anders (z. B. Warum hat Kupfer eine gute Leitfähigkeit, ein Baumwollfaden aber nicht?)

Hat das Studium deine Erwartungen erfüllt?
Grösstenteils schon. Jedoch wird oft auf industrielle Anwendungen abgezielt, was ich persönlich nicht sehr interessant finde.

Den Bachelor an der EPFL in Lausanne, den Master in Zürich an der ETH - was ist anders?
Das Niveau in beiden Hochschulen ist gleich. Es gibt schwierigere und einfachere Vorlesungen. Auch die Einrichtungen in den Labors sind vergleichbar. In Zürich gibt es mehr Aktivitäten, welche von Studenten organisiert werden. Das stärkt den Zusammenhalt unter den Studenten. Die Unterrichtssprache an der EPFL ist natürlich grösstenteils französisch. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Die für das Studium relevante wissenschaftliche Sprache ist schnell erlernt. Im ersten Semester muss man wegen der Sprache sicherlich mit einem Mehraufwand rechnen.

Das letzte Bachelorjahr habe ich durch einen Jahresaustausch in Singapur an der National University of Singapore absolviert. Dadurch hatte ich das Glück, einen Einblick in eine Universität auf einem anderen Kontinenten zu erhalten und gleichzeitig die asiatische Kultur kennenzulernen. Dieses Jahr hat mich sehr geprägt und mir auch ausserhalb des Studiums wertvolle Erfahrungen gebracht.

Weisst du schon in welchem Bereich du dich nachher spezialisieren möchtest?
Ich würde gerne im Bereich der Metallurgie bleiben (Lehre mit Metallen). In diesem Bereich habe ich auch meine Laborvertiefungsarbeiten gemacht.

Würdest du nochmals das gleiche Studium angehen, wenn du zurück könntest?
Ja. Da ich jedoch auch sehr an grundlegenden Verständnissen von Materialeigenschaften interessiert bin, würde ich auch ein Physikstudium in Betracht ziehen.

Nun steht nur noch deine Masterarbeit bevor. Hast du schon Pläne?
Ja, ich werde nach Australien an die University of Queensland gehen. Durch einen Zufall traf ich vor zirka einem Jahr einen Professor aus Australien, der eng mit einer Forschungsgruppe der EPFL zusammenarbeitet. Ich fragte ihn dann, ob ich in seiner Gruppe meine Masterarbeit schreiben könne. Daraufhin bot er mir ein Projekt an, welches sowohl für die Forschungsgruppe an der EPFL wie auch für die University of Queensland von Interesse ist. Ohne zu zögern sagte ich diesem Projekt zu und kann deshalb bald nach Australien abfliegen.

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