Cyborgs und Body Hacks

Technische Hilfsmittel werden nicht nur angewandt, um fehlende Sinne zu ersetzen, sondern manchmal auch um die Sinnesfähigkeiten des Menschen zu erweitern.

Neil Harbisson

Neil Harbisson gilt als der erste Cyborg. Bild: Dan Wilton/The Red Bulletin/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Als erster Cyborg überhaupt wird Neil Harbisson bezeichnet, der seit Geburt keine Farben wahrnehmen kann. Auf dem Foto in seinem Personalausweis erkennt man eine kleine technische Apparatur, die aus seinem Kopf ragt. Es handelt sich um einen in seinem Schädel fixierten Farbsensor. Dieser Sensor registriert die Frequenz der Farbe vor ihm und leitet sie an einen Chip in Harbissons Hinterkopf weiter. Dort wird die Information in Schallwellen umgewandelt – jede Farbe wird in eine Note übersetzt. Über die Knochenleitung gelangen die Töne an das auditorische System von Harbisson, sodass er die Farben hören kann. Ein Besuch im Supermarkt mit den vielen farbenfrohen Verpackungen tönt für ihn wie ein Besuch in einem Nachtclub. Nach Jahren des Trainings kann Harbisson sogar für Menschen unsichtbare Farben aus dem Infrarot- und Ultraviolettbereich wahrnehmen. Harbisson empfindet inzwischen den Farbsensor als einen Teil von seinem Körper und nicht als Gerät.

Harbisson gründete zusammen mit seiner Partnerin Moon Riba 2010 in Barcelona die Cyborg Foundation. Riba ist in der Lage über implantierte Magnete Erdbeben zu spüren. Beide verfolgen einen eher künstlerischen Ansatz und wollen Menschen neue Sinneserfahrungen bringen.

In diesem Video erzählt Neil Harbisson, warum er sich nun den Tieren näher fühlt und wieso klassische Musik bunter als Popmusik ist.

Mehr praktischen Nutzen dürften z. B. bereits vorhandene RFID-Chips, um die Haustür zu öffnen, oder ein implantierbarer Kompass haben. Solche Body Hacks sind teilweise bereits käuflich erwerbbar. Im Februar 2018 fand die Augmented Human International Conference, die unter anderem sinneserweiternde Technologien zum Thema hat, zum achten Mal statt. Der "erweiterte Mensch" ist keine Zukunftsvorstellung, sondern wandelt bereits unter uns.

Text: SATW / Alexandra Rosakis
Quelle: Technoscope 3/18: Technik für die Sinne. Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche

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