Welche Effekte hat Musik auf unser Gehirn?

Musik löst Emotionen aus, weckt Erinnerungen, lässt uns mit den Fingern im Takt klopfen, mit den Füssen wippen, bringt uns zum Tanzen. Musik beeinflusst Körper und Geist, das haben wir wohl alle schon selbst erlebt. Wissenschaftler untersuchen seit Jahrzehnten, was im Gehirn genau passiert, wenn wir mit Musik in Kontakt kommen.

Musikhören tut Körper und Seele gut

Musikhören tut Körper und Seele gut. Im Gehirn lassen sich diese Effekte sogar nachweisen. Bild: CanStockPhoto

Wie gelangt die Musik eigentlich in unser Gehirn und unser Bewusstsein? Unser Innenohr leitet Schall über den Gehörnerv an den Hirnstamm weiter. Von dort gelangt er in den Hörkortex. Bis wir ihn aber bewusst wahrnehmen, passiert er mehrere Stationen, die die akustischen Reize verarbeiten, filtern und ergänzen.

Verschiedene Bereiche des Gehirns

Bei der Verarbeitung von Musik ist nicht nur der auditorische Kortex (auditory association area) involviert. Auch Sprachareale (z. B. Broca’s area), motorische (motor cortex) und visuelle Areale (visual association area) sind aktiv. Bild: CanStockPhoto

Ein einziges Musikzentrum im Gehirn gibt es nicht. Der auditorische Kortex ist beteiligt, daneben auch das Broca-Areal (eines der beiden Sprachzentren), motorische und sogar visuelle Areale. So sehen wir beim Hören von Musik oft eine bestimmte Szene vor uns – die Band auf der Bühne oder eine Situation, in der wir die Musik einst gehört haben. Auch das limbische System, unser Emotionszentrum, und das Belohnungssystem spielen eine grosse Rolle beim Hören von Musik.

Nicht jeder nimmt Musik gleich wahr – unsere Erfahrungen prägen ganz beträchtlich, wie wir Musik erleben. So kann ein Musikstück bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Emotionen auslösen, je nachdem, an welche Erinnerungen es gekoppelt ist.

Das Gehirn im Musikrausch

Musizieren und Musikhören lösen im Gehirn dieselben Effekte aus wie Essen, Sport, Sex oder Drogen. Es kommt zu einer Ausschüttung von Endorphinen, unseren körpereigenen Glückshormonen, und zu einer Verringerung des Stresshormons Cortisol. Zudem wird vermehrt der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet, der eine wichtige Rolle im Belohnungssystems unseres Gehirns spielt und motivierend wirkt. Mit anderen Personen Musik zu machen oder ein Konzert zu geniessen stimuliert auch die Ausschüttung von Oxytocin. Oxytocin ist als Bindungshormon bekannt, da es Vertrauen und Sympathie zwischen Personen fördert. All diese Veränderungen unserer Hirnchemie blockieren Schmerz, bauen Stress ab und lösen positive Emotionen aus – Musik macht glücklich. Das gilt übrigens nicht nur für fröhliche Musik: Fühlen wir uns traurig oder wütend, verbessert das Hören von Musik mit derselben Stimmung ebenfalls unser Wohlbefinden.

Musik verbindet – auch unsere Nervenzellen

Musik hat nicht nur chemische Effekte auf unser Gehirn, sondern auch strukturelle. Musikalische Reize sorgen dafür, dass sich die Nervenzellen in unserem Gehirn neu verschalten und sich die Hirnareale so besser miteinander vernetzen. Die Fähigkeit des Gehirns, sich auf diese Weise zu verändern, wird als Neuroplastizität bezeichnet.

Gehirne von Berufsmusikern zeigen im Vergleich zu Nicht-Musikern einige Unterschiede: So ist die Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften, das Corpus Callosum, deutlich stärker ausgebildet. Dies legt nahe, dass die beiden Hirnhälften besser miteinander kommunizieren können. Auch haben Musikerhirne mehr graue Substanz in Bereichen, die für das Hören, räumliches Sehen und die Motorik zuständig sind.

Macht Musik schlau?

In den 90er-Jahren sorgte eine Studie für Aufsehen, die den sogenannten Mozart-Effekt postulierte: Das Hören von Mozart-Musik führte gemäss der Studie zu einem besseren Resultat im Intelligenztest. Heute geht man davon aus, dass diese Leistungssteigerung weniger mit Mozarts Komposition zusammenhängt als mit einem grundsätzlichen Präsenzeffekt, der Konzentration und Wohlbefinden steigert. Dieser tritt auch bei anderen Musikgenres ein, sofern es sich um einen bevorzugten Musikstil der betreffenden Person handelt.

Musik macht also nicht generell schlau. Sie aktiviert aber durchaus das Gehirn auf vielfältige Weise. Wie genau, ist für jede Person unterschiedlich.

Welche Musik soll ich hören?

Welche Musik dir die positivsten Effekte bringt, hängt davon ab, was du damit erreichen willst. Grundsätzlich hat die Musik die positivste Wirkung auf unser Wohlbefinden, die wir am besten mögen. Studien zeigen, dass die Durchblutung des Gehirns stärker angeregt wird, wenn uns das Musikstück gefällt. Geht es allerdings darum, sich zu konzentrieren – zum Beispiel um zu lernen oder zu lesen – eignet sich instrumentelle Musik besser, weil sprachliche Reize uns eher ablenken.

Macht Musik gesund?

Es gibt immer mehr Untersuchungen, die zeigen, dass Musik nicht nur auf unser emotionales, sondern auch auf unser körperliches Wohlbefinden einen positiven Effekt hat. So fanden Wissenschaftler beim Hören von Musik eine Steigerung von Antikörpern und Zellen, die uns gegen Bakterien schützen.  Der Einsatz von Musik erzielte ausserdem positive Effekte in der Therapie verschiedenster Erkrankungen, von Depressionen und Schlaflosigkeit über ADHS und Schizophrenie bis hin zu Parkinson, Demenz und Schlaganfällen.

Es gibt also kaum einen einfacheren, billigeren und vor allem genüsslicheren Weg, unserem Körper und Geist etwas Gutes zu tun, als immer wieder einmal die Kopfhörer aufzusetzen.

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