Wie funktioniert eine Gitarre?

Die Gitarre ist wohl eines der bekanntesten Saiteninstrumente. Vielleicht beherrschst du dieses Instrument selbst – oder hast zumindest schon einmal ein paar Akkorde ausprobiert. Hier erfährst du mehr über den Bau einer Gitarre, wie ihr Klang entsteht und was die E-Gitarre so sehr von der Akustik-Gitarre unterscheidet.

Bestandteile einer akustischen Gitarre

Aufbau einer akustischen Gitarre. Bild: Martin Möller/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Gitarren lassen sich in zwei Kategorien einteilen: einerseits Elektro-Gitarren, auch E-Gitarren genannt, und andrerseits Akustik-Gitarren. Sie unterscheiden sich nicht nur im Klang; die Konstruktion der Gitarre und auch die Entstehung des Klangs sind komplett unterschiedlich. Viele Gitarrenbauer fokussieren ihr Handwerk daher entweder auf die akustische oder auf die elektrische Gitarre.

Die Akustik-Gitarre: Ein klassisches Saiteninstrument

Akustik-Gitarre ist ein Sammelbegriff für alle Gitarren, die einen eigenen Resonanzkörper haben, der die Schwingung der Saiten hörbar macht. Hierzu gehören klassische Gitarren und Westerngitarren. Auch wenn einige Akustikgitarren in der Konstruktionsweise variieren, weisen sie doch alle die gleichen Basis-Bauteile auf.

Der Korpus (Klangkörper)

Der Korpus ist der hölzerne Resonanzkörper der Gitarre. Er besteht aus dem Boden, den Seitenteilen (Zargen) und der für den Klang äusserst bedeutsamen Gitarrendecke.

Die Saiten sind über den Steg mit dem Klangkörper verbunden. Auf dem Steg ist ein kleines, hartes Materialstück eingelassen, das Saitenhalter genannt wird. Der Saitenhalter dient zur sicheren Führung der Saiten. Sobald die Saiten vibrieren, werden diese Vibrationen über den Saitenhalter und Steg auf den Klangkörper übertragen. Nun vibriert der ganze Klangkörper. In der Decke des hohlen Gitarrenkorpus befindet sich ein Schallloch, das dafür sorgt, dass die Vibrationen aus dem Klangkörper entweichen und wir die Musik laut genug hören können.

Beleistung einer Gitarrendecke

Beleistung einer Akustikgitarrendecke: Dünne Holzleisten verstärken die Decke von unten. Bild: Roberto Fiadone/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Je besser die Decke vibrieren kann, desto lauter ist der Klang. Unter diesem Aspekt sollte die Decke eigentlich möglichst dünn sein, doch muss sie auch eine gewisse Stärke aufweisen, um den Zug der Saiten aushalten zu können.

Als Kompromiss werden mehrere dünne Holzleisten unter der Decke angebracht. Dadurch wird die Decke stabilisiert, ohne dass die Vibration unterdrückt wird, und es können trotzdem dünne und reaktionsfreudige Klanghölzer eingesetzt werden.  Massives Holz eignet sich dafür besser als Holzlaminat. Eine Übersicht über verschiedene Klanghölzer findest du im Gitarrenguide. Viele davon sind Tropenhölzer, leider oft aus nicht zertifizierter Produktion; doch gibt es auch einheimische Alternativen.

Der Hals

Am Hals einer Gitarre befindet sich das Griffbrett. Es ist mit dünnen Metallstäbchen (Bundstäbchen) unterteilt. Über das Griffbrett sind die Saiten gespannt. Wird eine Saite mit dem Finger auf den Bund gedrückt, verkürzt sich der schwingende Teil und der Ton wird höher. Zusätzliche Bundmarkierungen, z. B. schwarze Punkte bei bestimmten Bünden auf dem Hals, dienen zur Orientierung des Musikers. So kann er seine Finger schneller auf den Saiten platzieren und den richtigen Akkord spielen. Bei Gitarren-Modellen für fortgeschrittene Musiker erübrigen sich jedoch auffällige Markierungen.

Kopf einer Akustikgitarre

Kopf einer Akustikgitarre. Bild: Alvesgaspar/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Der Kopf

Am oberen Teil des Gitarrenhalses liegt der Sattel, der mit kleinen Einkerbungen versehen ist, in welche die Saiten eingelegt sind. Der Kopf der Gitarre beherbergt die Stimm-Mechanik, also die Wirbel (inkl. Übersetzung), auf welche die Saiten gewickelt sind. Durch Drehen an den Wirbeln werden die Saiten mehr oder weniger aufgewickelt, wodurch die Spannung der Saite zwischen Steg und Sattel reguliert wird. Bei grösserer Spannung wird der Ton höher, bei geringerer Spannung tiefer.

Die Saiten

Akustische Gitarren sind entweder mit Stahl- oder mit Nylonsaiten ausgestattet. Nylonsaiten produzieren einen warmen, weichen Ton, der ideal ist für klassische Konzertgitarren. Bei Rock, Blues, oder Jazz setzt man auf den stärkeren Klang von Stahlsaiten.

Stahlsaiten dürfen nicht auf Gitarren aufgezogen werden, die für Nylonsaiten vorgesehen sind. Diese Gitarren sind nämlich für den stärkeren Zug der Stahlsaiten nicht ausgerüstet und könnten Schaden nehmen.

Die sechs Saiten einer Gitarre sind unterschiedlich dick, da jede von ihnen für einen bestimmten Ton ausgelegt ist. Die unterste mit dem Grundton „E“ ist die dickste. Die Reihenfolge der Töne der Standardstimmung (E – A – D – G – H – e) kannst du dir mit einer Eselsbrücke merken, z. B. Eine Alte Dame Geht Heute einkaufen.

Die Länge der schwingenden Saite, also der Abstand zwischen Steg und Sattel, wird als Mensur der Gitarre bezeichnet. Genau in der Hälfte der Mensur befindet sich bei allen Gitarren das 12. Bundstäbchen. Bassgitarren, deren Saiten tiefer gestimmt sind als die einer Standard-Gitarre, haben eine längere Mensur. Auch die Mensuren von Standard-Gitarren variieren jedoch, da es Gitarren in verschiedenen Grössen gibt. Gerade Kinder beginnen oft nicht mit einer „normal grossen“ (4/4) Gitarre, sondern mit einer kleineren (z. B. 3/4 oder 1/2), da ihre Hände kleiner sind. Die Mensur einer E-Gitarre beträgt wie diejenige einer 4/4-Gitarre üblicherweise 63–65 cm, diejenige eines E-Basses 85 cm.

Die elektronische Gitarre

Aufbau einer Elektrogitarre

Aufbau einer Elektrogitarre. Bild: Spike78/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Schema eines Tonabnehmers

Schema eines „Humbuckers“. Dieser Tonabnehmer besteht aus zwei Spulen, die jeweils um eine Reihe von Dauermagneten gewickelt sind (hier fünf, bei der E-Gitarre normalerweise sechs: für jede Saite ein Magnet). Es gibt auch „Single Coil“-Tonabnehmer, die aus nur einer Spule bestehen. Bild: Zwölfvolt/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Der wesentliche Unterschied zwischen Akustik- und E-Gitarre besteht in der Art, wie der Klang verstärkt wird. Der Korpus einer E-Gitarre dient nämlich nicht als Resonanzkörper, der die Saitenschwingung hörbar macht; stattdessen wird die Schwingung von einem Tonabnehmer (Pickup) in eine elektrische Spannung umgewandelt und an den Verstärker weitergeleitet.

Im einfachsten Fall besteht der Tonabnehmer aus einem Dauermagneten, um den eine Spule aus Kupferdraht gewickelt ist. Die Bewegung der Gitarrensaiten aus Stahl oder Nickel beeinflusst die Feldstärke des Magneten. Dadurch wird in der Spule durch elektromagnetische Induktion eine Wechselspannung erzeugt. Sie hat die Frequenz der Saitenschwingung und beträgt weniger als 0,1 Volt. Dieses Signal ist ausreichend für den Verstärker, der es an die Lautsprecher überträgt – ab diesem Zeitpunkt hört man die E-Gitarre klingen.

Die erste E-Gitarre. Bild: Museum of Making Music/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Die erste E-Gitarre: „Frying Pan“

George Beauchamp und Adolph Rickenbacker entwickelten 1931 den ersten elektromagnetischen Tonabnehmer, der die Schwingungen von Stahlsaiten in elektrische Wechselspannung umwandelte. Auf dieser Gitarre „Frying Pan“, die aus einem einzigen Stück Holz besteht und aussieht wie eine Bratpfanne, ist ein solcher Tonabnehmer montiert: ein Hufeisenmagnet, der die Saiten nahe beim Steg umgibt.

Mehr über ein ganz aktuelles Gitarrenmodell erfährst du im Artikel Wie baut man eine E-Gitarre?

Quelle: Silvan Küng, Relish Guitars

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