Der Herbst ist da: Graue Nebeltage

Der schmale Weg liegt verlassen vor dir, ein Käuzchen schreit, und langsam wird es dunkel. War da gerade ein Geräusch? Und huschte da vielleicht eben ein Schatten hinter den nächsten Baum? Jetzt zieht auch noch Nebel auf – du siehst bald die Hand nicht mehr vor deinen Augen. Zum Glück bist du bald zuhause ...

Nebel über dem See

Bei uns in Mitteleuropa bildet sich Nebel vor allem im Winterhalbjahr in der Nähe von Gewässern. Bild: Mikulich Alexander Andreevich/Shutterstock.com

Dicker, grauer Nebel wirkt ziemlich gespenstisch und drückt auf die Stimmung. Befindet man sich auf hoher See oder auf einer gleichförmigen Ebene, kann er sogar sehr gefährlich werden, da man die Orientierung verliert und Hindernisse zu spät wahrnimmt. Wir Laien sprechen allerdings erst von „Nebel“, wenn unsere Sichtweite weniger als 300 Meter beträgt. Meteorologen hingegen bezeichnen den Nebel schon bei einer Sicht von weniger als einem Kilometer so. Reicht die Sicht bis vier Kilometer, spricht man von „Dunst“. Doch wie entsteht die „graue Suppe“?

Kalte Luft kann weniger Wasserdampf speichern als warme

Sättigungsmenge von Wasserdampf in der Luft

Bild: Markus Schweiß/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Die Luft in unserer Atmosphäre enthält je nach Wetterlage unterschiedlich viel Wasserdampf. Das Speichervermögen der Luft ist dabei von der Temperatur und dem Luftdruck abhängig. Überschreitet die Wasserdampfmenge einen kritischen Punkt, so ist die Luft „gesättigt“, und der überschüssige Wasserdampf kondensiert zu Wassertröpfchen oder Eiskristallen. Im Bild siehst du ein sogenanntes Sättigungsdiagramm: Diese Kurve zeigt an, bei welcher Temperatur die Luft wie viel Wasserdampf speichern kann. Wie du siehst, kann warme Luft mehr Wasserdampf speichern als kalte. Das Ganze befindet sich in einem feinen Gleichgewicht und ist sehr dynamisch.

Eine Wolke mit Bodenkontakt

Für jede Temperatur gibt es auf der Kurve einen bestimmten Sättigungspunkt. Enthält die Luft mehr Wasserdampf, so findet Kondensation statt und Nebel entsteht. Dabei sind viele sehr kleine Wassertröpfchen im bodennahen Teil der Luft verteilt und fallen ganz langsam zu Boden. Nebel ist also im Prinzip nichts anderes als eine Wolke mit Bodenkontakt.

Ebenfalls wichtig bei der Nebelentstehung sind sogenannte Kondensationskeime. Das sind kleine Teilchen wie Schmutz, Russ oder Salz, die sich in der Luft befinden und dem Wasserdampf eine Oberfläche bieten, an der er zu Wasser kondensieren kann.

Nebel hat verschiedene Ursachen

Meteorologen unterscheiden verschiedene Nebelarten nach ihrer Entstehungsart. Der Strahlungsnebel zum Beispiel entsteht durch die Auskühlung der Erde in der Nacht. Dabei sinken auch die Temperaturen der erdnahen Luftschichten, und ein Teil des Wasserdampfs in Bodennähe kondensiert – Nebel entsteht (die ausgekühlte Luftschicht kann weniger Dampf halten).

Ein anderer Nebel ist der See- oder Küstennebel: Über Gewässern ist die Luft oft etwas kühler. Wenn dann warme Luft vom Ufer dazu strömt, mischen sich die beiden „Luftarten“ und gleichen sich an. Die warme Luft wird von der kalten Luft auf eine geringere Temperatur gebracht und Kondensation findet statt – Nebel wird gebildet.

Gefrorener Nebel

Nebelbildung findet übrigens in fast allen Klimazonen der Welt statt. Auch Raureif und Eisblumen sind Phänomene, die mit dem Nebel verwandt sind, aber nur bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt vorkommen. Wie die zarten Eisstrukturen entstehen, liest du in diesem Artikel.

Durchschnittliche Bewertung:
  •  
(0 Bewertungen)

Was sagst Du dazu?

Dieser Artikel hat noch keine Kommentare erhalten.