Guano – vom Dünger in die Sprengstoffindustrie (und zurück)

Was haben die Ausscheidungen von Vögeln und Fledermäusen mit Sprengstoff und Gartengemüse zu tun? Es sind die Nitrate im Vogelkot, die sich – industriell oder auf natürliche Weise – zu unterschiedlichen Rohstoffen umwandeln. So kam der sogenannte Guano von ein paar kleinen, südamerikanischen Inseln im 19. Jahrhundert zu weltweiter Bedeutung. Er wird sogar heute noch abgebaut und gehandelt!

Guanotölpel

Guano baut sich über Jahre hinweg auf und stellt ein bedeutendes Düngemittel dar. Grosse Mengen bilden sich dort, wo zahlreiche Seevögel nisten – hier abgebildet eine Kolonie von Peruanischen Tölpeln. Bild: CanStockPhoto

Guano entsteht hauptsächlich aus den Ausscheidungen von Vögeln; oft werden aber auch ähnliche Ablagerungen, die aus den Exkrementen von Fledermäusen oder Robben bestehen, als Guano bezeichnet. Vögel scheiden den überschüssigen Stickstoff aus ihrem Stoffwechsel hauptsächlich in Form von Guanin und Harnsäure aus. Ausserdem enthält der Kot von Seevögeln Phosphat, das sich in der Nahrungskette des Meeres angereichert hat. Wenn diese Exkremente auf kalkhaltigen Böden landen, verwittern sie über die Jahre und Jahrzehnte zu Guano, einem feinkörnigen Gemisch von Phosphat- und Nitrat-Mineralien.

Grosse Mengen von Guano werden auf kleinen Inseln gefunden, auf denen riesige Kolonien von Möwen, Kormoranen oder Pinguinen leben. Die Guanoschicht kann dort viele Meter dick werden. Fledermausguano findet sich dementsprechend auf dem Boden von Höhlen, die von Fledermauskolonien besiedelt sind.

Guano als Rohstoff

Guano entsteht zwar aus Abfallprodukten der Tiere, ist aber selbst ein sehr reichhaltiger Rohstoff. Seine Zusammensetzung ist unterschiedlich, je nachdem ob er von Vögeln, Fledermäusen oder anderen Tieren stammt, und aus welchen Gesteinen der Boden der Insel oder der Höhle besteht. Grundsätzlich weist Guano einen sehr hohen Stickstoff-, Phosphat- und Kaliumgehalt auf. Diese Nährstoffe sind sehr wichtig für das Pflanzenwachstum, weshalb er als natürlicher Dünger perfekt geeignet ist. Das Wort „Guano“ stammt denn auch aus der Sprache der Inkas und bezeichnete jegliche Art von Dünger, der für die Landwirtschaft gebraucht werden konnte.

Guanokormoran

Kormorane gehören zu den wichtigsten Produzenten von Guano. Bild: Bamse/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Die Europäer wurden Anfang des 19. Jahrhunderts auf die grossen Guano-Vorkommen in Südamerika und auf diversen vorgelagerten Vogelinseln aufmerksam. In den folgenden hundert Jahren wurden riesige Mengen davon abgebaut und als Dünger nach Europa verschifft. Ausserdem dienten besonders nitratreiche Arten von Guano auch als Rohstoff für die Sprengstoffherstellung – der daraus gewonnene Salpeter war nämlich Bestandteil von Schwarzpulver.

Industrieller Ersatz

Zur Zeit der Entdeckung von Guano durch die Europäer konnte man weder Salpeter noch Dünger industriell herstellen. Natürlich gebundene Nitrat- und Phosphatvorkommen wie im Guano waren die wirksamsten Hilfsmittel für Bauern, ihren Ertrag zu verbessern und die Landwirtschaft zu intensivieren. Ersatz für die Düngung mit Guano (oder anderem Naturdünger) war erst vorhanden, als das Haber-Bosch Verfahren entdeckt wurde. Dieses Verfahren erlaubt die synthetische Herstellung von Ammoniak, was bis zu dieser Entdeckung nicht möglich war. Ammoniak besteht aus einem Teil Stickstoff und drei Teilen Wasserstoff. Da Stickstoff unerlässlich für das Pflanzenwachstum ist, war die Herstellung von Ammoniak eine sensationelle Entdeckung. Jetzt konnte den Mangel an Stickstoff im Boden, der bei intensiver Landwirtschaft entsteht, durch industriell synthetisierte Produkte decken. Aber noch heute wird auch Guano als Dünger benutzt, zum Beispiel im biologischen Gartenbau.

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