Epigenetik – eine Art Ehrenrettung für Lamarck

Lamarck behauptete, dass der Hals der Giraffen aufgrund des ständigen Streckens über die Generationen länger geworden ist. Eine Theorie, die nicht stimmt, aber vom Prinzip her nicht ganz falsch ist. Bild: CanStockPhoto

Jean-Baptiste Lamarck beschrieb 1809 seine Evolutionstheorie mit dem Bild einer kurzhalsigen Giraffe, welche durch ständige Adaption und Anpassung ihren Hals immer weiter strecken konnte. Er stellte sich vor, dass diese umweltbedingten Anpassungen an die nächsten Generationen weitergegeben werden – einen Beweis dafür hatte er jedoch nicht. Lamarcks Theorie wurde lange Zeit belächelt. Es galt als unwahrscheinlich, dass erworbene Eigenschaften weitergegeben werden. Wenn zum Beispiel ein Marathonläufer viel und gut trainiert, heisst das nicht, dass seine Kinder gut trainiert auf die Welt kommen.

50 Jahre später veröffentlichte Charles Darwin dann seine Theorie über die natürliche Selektion. Diese besagt, dass eine Giraffe mit einem langem Hals zufällig geboren wird und dadurch einen Selektionsvorteil hat, welchen sie an die nächste Generation weitergibt. Darwins Theorie galt seitdem als bestätigt, da man in den Genen Mutationen fand, welche seine Theorie stützten.

Mit der Epigenetik erlebt Lamarcks Theorie jedoch eine Rückkehr, denn die Epigenetik scheint Lamarcks Theorien zumindest teilweise zu bestätigen, da epigenetische Markierungen selbst über mehr als eine Generation hinweg vererbbar sind.

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