Artensterben unter Wasser

Das Great Barrier Reef: ein wunderschönes, mehrere hundert Kilometer langes Riff vor der australischen Küste begeistert jeden. Korallengemeinschaften sind sensible Gebilde und nicht nur für die Unterwasserwelt wichtig. Aber dort wie anderswo sterben die Korallen. Das liegt unter anderem an der Erwärmung der Ozeane.

Tote Korallen

Weisse Korallen sind leider tote Korallen. Was ist da passiert? Bild: Zhukov Oleg/Shutterstock.com

Korallenriffe wie das Great Barrier Reef sind nicht nur schön anzusehen, sondern bieten auch Lebensraum für unglaublich viele verschiedene Tiere, Pflanzen und andere Lebewesen. Nebenbei schützen die Riffe auch die Landbewohner. Sie bremsen grosse Wellen ab, so dass diese nicht mit voller Wucht auf die Küste treffen.

Korallen sind empfindliche Riff-Baumeister

Gebaut werden die Riffe von Korallen. Kurz gesagt sind Korallenriffe Gemeinschaften von kleinen Tierchen (Polypen), welche als Nebenprodukt ihres Stoffwechsels aus Kalk Riffe bilden. Da Korallen sehr sensible Tierchen sind, nehmen die Korallenriffe Schaden an der Klimaerwärmung und der Verschmutzung der Meere. Vor allem die Erhöhung der Meerestemperatur macht ihnen zu schaffen.

Aber wieso sterben Korallen, wenn die Temperatur des Meeres ansteigt? Das liegt daran, dass die Erwärmung der Ozeane den Austausch von Information in der Korallengemeinschaft stört. Was heisst das genau?

Zucker im Austausch für Stickstoff

Wie auch alle anderen Lebensformen brauchen Korallen Zucker (Kohlenhydrate), um Energie zum Leben zu produzieren. Da Meerwasser aber häufig nährstoffarm ist, gehen Korallen eine Partnerschaft (Symbiose) mit kleinen, einzelligen Algen ein.

Algen sind pflanzenähnliche Lebensformen, die Photosynthese betreiben. Das heisst, sie stellen aus dem Gas Kohlendioxid mit Hilfe von Sonnenlicht Zucker her, und genau diesen Zucker benötigen die Korallenpolypen als Nahrung.

Die Algen leben also in den Korallenkörpern und liefern den Polypen fast 95 % des von ihnen hergestellten Zuckers. Umgekehrt erhalten die Algen von den Korallen stickstoffhaltige Stoffe, welche als Nebenprodukte des Korallenstoffwechsels anfallen. Stickstoff wird von den Algen z. B. zur Herstellung von Eiweissen benötigt.

Gute Kommunikation ist lebenswichtig

Wissenschaftler haben inzwischen herausgefunden, dass die Stabilität dieser „Wohngemeinschaft“ von einer komplexen Kommunikation zwischen den Korallen und den Algen abhängt.

Im Grunde genommen sollten die Algen von den Korallen als Eindringlinge betrachtet werden, denn sie leben ja im Korallenkörper. Genauso würden ja auch Bakterien und Viren von unserem Körper angegriffen und vernichtet. Aber die Algen signalisieren den Korallen immer wieder, dass alles in Ordnung ist, und dass sie den Korallen freundlich gesinnt sind. Solange es den Korallen gut geht, kommt diese Nachricht auch durch und wird von den Korallen richtig verstanden.

Bei Kommunikationsfehlern droht der Tod

Verändert sich die Umwelt allerdings so, dass die Korallen gestresst werden, z.B. weil das Wasser wärmer wird, ist es denkbar, dass die Nachricht "Alles-in-Ordnung" von den Korallen plötzlich missverstanden wird. Anstatt die Algen als Helfer anzusehen, erscheinen sie den Korallen plötzlich als Feinde. Das Immunsystem der Korallen fängt sofort an, die Algen zu bekämpfen.

Sind die Algen einmal weg, erhalten die Korallen nicht mehr genügend Nahrung und verhungern. Übrig bleiben weisse, tote Kalkgebilde, die wie Knochen in der Wüste von der vergangenen Schönheit der Korallenriffe zeugen.

Quelle (Englisch): National Science Foundation

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