Angelo Gasparini, Chemie- und Pharmatechnologe und Berufsbildner in einem Pharmaunternehmen

Vom Automechaniker über den Chemie- und Pharmatechnologen bis zum Berufsbildner: Angelo Gasparinis Lebenslauf ist nicht alltäglich. Doch gerade deshalb ist er der richtige Mann am richtigen Ort. Menschen mit vielseitiger Lebenserfahrung sind die besten Lehrer für junge Leute.

Bild: Roche

Im Flur des zweiten Stocks von Bau 93 in Basel herrscht Schulatmosphäre: Durch die grossen Innenfenster sieht man direkt in den Hörsaal. Eine Klasse sitzt in den Bänken, ein Lehrer unterrichtet. Es ist 7.40 Uhr, die erste Lektion der Roche-Werkschule für die Chemie- und Pharmatechnologen - früher Chemikanten genannt - hat vor zehn Minuten begonnen. Ein leichter Geruch von Chemie lässt ahnen, dass hier auch praktisch gearbeitet wird. Aber davon später.

«Sie werden mich gleich sehen, wenn Sie den Lift verlassen», hatte mir Angelo Gasparini versprochen. Und richtig, die Tür seines Büros steht offen. Er sitzt am Pult und korrigiert die Prüfungen einer seiner Berufsschul-Klassen, die er in den Fächern Fachzeichnen, chemische Technologie und angewandte Technologie unterrichtet. Am Donnerstagmorgen nutzt er die Zeit, um sich für die wöchentlich zwölf Lektionen, die er in diesem Semester erteilt, vorzubereiten und die Arbeiten der Schüler durchzusehen und zu benoten.

Die Prüfungsblätter sind mit grafischen Zeichen bedeckt, manche noch etwas ungelenk, andere gleichen beinahe schon einer künstlerischen Zeichnung von Paul Klee.

Diese Zeichen muss jeder Chemie- und Pharmatechnologe können, das ist eine Art Alphabet», erklärt Angelo Gasparini. «Deshalb unterrichte ich dieses Fach jeweils en bloc gleich am Anfang der Lehre.» Wenn Apparate für einen Herstellungsprozess eingerichtet werden müssen, wird zuerst geplant. Mit den einfachen Zeichen, die zum Beispiel ein Messgerät oder einen Tank symbolisieren, kann schnell eine Skizze für den Umbau angefertigt werden. «Meine jetzigen Lernenden im ersten Jahr sind sehr begabt im Fachzeichnen», meint der Lehrer, «das ist natürlich auch für mich ein Erfolgserlebnis.»

Bild: Roche

Es ist 8 Uhr, Zeit für einen Kaffee in der Bibliothek der Berufsbildner. Angelo Gasparini bemerkt, dass ihm niemand an der Wiege gesungen hätte, dass er einst Karriere als Lehrer machen würde. «Mein ältester Bruder, Nando, war Schlagzeuger der berühmten Basler Rock-Band ’The Sevens’. Ein anderer Bruder, Pino, war dort der Leadsänger, heute singt er in Pepe Lienhards Band. Ich aber machte eine Lehre als Automechaniker.» Die Arbeit gefiel ihm: «Es ist spannend, wenn man die Haube aufmacht und selbstständig herausfinden muss, woran der Motor krankt», sagt er.

Als seine Frau Gaby 1985 das erste Kind erwartete und die finanziellen Verpflichtungen eines Familienvaters auf ihn zukamen, gab ihm sein Bruder Nando, der damals Meister bei Roche war, den Tipp, sich bei dem Pharma-Unternehmen zu bewerben. «Es klappte. Ich begann im Bau 34, wo wir das Biotin - das sogenannte Vitamin H - herstellten», erinnert er sich.

Angelo Gasparini hätte sich nicht vorstellen können, dass die Chemie ihn einmal interessieren würde. Doch die Sache begann, ihn zu faszinieren. Das merkten auch seine Vorgesetzten und schlugen ihm vor, die Erwachsenenlehre als Chemikant zu absolvieren. «Meine Frau unterstützte mich, Roche ebenso. Also begann ich mit 34 Jahren meine zweite Lehre, die zweite Tochter wurde geboren, und manchmal war das alles schon ein wenig stressig», erklärt er und schmunzelt.

1991 hatte er seinen Abschluss in der Tasche, und das dritte Kind kam zur Welt. «Da wechselte auch mein Arbeitsplatz, ich kam in den Bau 47 - heute steht dort der Bau 95 - zur Verfahrensentwicklung. Zwei Jahre später kam die Abteilung Berufsausbildung auf mich zu und fragte mich, ob ich eventuell zur Ausbildung wechseln möchte.» Angelo Gasparini sagte zu. Er hat es nie bereut.

Zurück in seinem Büro wartet neue Arbeit auf ihn. «Normalerweise arbeite ich in der unterrichtsfreien Zeit unter anderem an neuem Unterrichtsmaterial und plane interne Weiterbildungsworkshops. Daneben spreche ich mit dem Ausbildungsleiter Lukas Meier über die fachlichen Leistungen und das Verhalten der Lernenden», erklärt er. Ausserdem erstellt Angelo Gasparini den Semesterplan und bespricht ihn mit der Allgemeinen Gewerbeschule Basel, die die Lernenden von Roche in den allgemeinbildenden Fächern unterrichtet.

Zurzeit plant er mit Lukas Meier und Peter Laller die Lehrabschlussprüfung, die neu ’Qualifikationsverfahren’ genannt wird und wo mit dem Berufsverband und anderen Ausbildungspartnern die praktische und die theoretische Prüfung völlig überarbeitet wird. «Als Koordinator und Stellvertreter des Chefexperten für die Lehrabschlussprüfungen bin ich für die Planung und Durchführung verantwortlich und führe auch die Prüfungsexperten in die neuen Regeln ein», erklärt Angelo Gasparini.

Trotz all der Planungen und Sitzungen kommt der Schulalltag nicht zu kurz: Der Lehrer zeigt ein schön gebundenes Heft. «Das Lehrmittel, das wir hatten, war nicht mehr auf dem neuesten Stand.» So hat er es mit seinem Kollegen Urs Kilcher zusammen aktualisiert und ein neues Arbeitsheft dazu erarbeitet. «Es war eine Riesenarbeit, neue Grafiken, neue Aufgaben, aktuelle Statistiken: Unsere Schüler sollen eine zeitgemässe fachliche Ausbildung bekommen.»

Es ist Zeit für ein frühes Mittagessen, um 12.30 Uhr geht es wieder weiter. «Ich erwarte von meinen Schülern Pünktlichkeit sagt Angelo Gasparini und schmunzelt. Seine Haltung trägt Früchte: Als er den Hörsaal betritt, erwartet ihn eine Musterklasse: Alle sind da, die Bücher und die Etuis liegen auf den Pulten, die Lektion beginnt pünktlich. Angelo Gasparinis ruhige, aber bestimmte Art scheint den jungen Leuten zu behagen. In Gruppen verlassen sie den Hörsaal, um mit den R+I-Schemas - den Rohrleitungs- und Installationsschemata - die einzelnen Anlagen im Lehrbetrieb der Werkschule zu studieren und zu testen, ob sie die Symbole auf den Plänen erkennen und sie an der Anlage wiederfinden.

Angelo Gasparini mit den Lehrlingen an den Anlagen des Lehrbetriebs. (Bild: Roche)

Angelo Gasparini steckt mit Schülern die Köpfe über einem R+I-Schema zusammen. Er selbst kennt die Anlagen aus dem Effeff: «Vor zehn Jahren, als dieser Lehrbetrieb gebaut wurde, haben wir jede einzelne Schraube mit den Plänen und Modellen abgleichen müssen - das war eine Heidenarbeit. Dafür werden die Lehrlinge jetzt praktisch keine Fehler entdecken können!»

Es ist 16 Uhr, der Unterricht ist zu Ende, und die Schüler gehen nach Hause. Angelo Gasparini sitzt wieder am Pult. Er bereitet die Lektion für die nächste Klasse vor und korrigiert Hausaufgaben. Von wegen Ferientechniker: Er arbeitet heute mehr als früher, obwohl auch für ihn die 40-Stunden-Woche gilt.

«Trotzdem, der Beruf erfüllt mich wirklich, er ist äusserst vielseitig, und ich bin Roche sehr dankbar, dass mir dieser Berufsweg ermöglicht wurde. Ich arbeite gerne mit Jugendlichen zusammen.» Er findet nicht, dass sie schwierig sind. «Es ist für sie wichtig, dass sie wissen, was ich von ihnen erwarte. Das heisst für mich auch, dass ich selber korrekt sein muss und klar ausdrücke, was ich von ihnen will», erklärt Angelo Gasparini. «Wenn zum Beispiel jemand zu spät zur Prüfung erscheint und nach fünf Minuten eine WC-Pause verlangt, dann darf er das zwar tun. Aber vorher muss er die Prüfung abgeben. Denn die Regel für alle ist, dass das Zimmer während einer Prüfung nicht verlassen werden darf.» Dafür ist Angelo Gasparini auch für die Schüler da, wenn sie Nachhilfe oder Erklärungen brauchen: «Das dürfen sie von mir verlangen», meint er ganz selbstverständlich.

Seine eigenen Kinder haben keine Roche-Karriere eingeschlagen: «Luca beginnt eine Lehre als Fachmann Betreuung EFZ in der Fachrichtung Kinderbetreuung, Stephanie studiert Psychologie, und Aline, die Älteste, ist gerade ausgezogen und arbeitet als Assistentin der Geschäftsstellenleiterin bei der UBS in Riehen», erzählt er. «Dass ich selbst Kinder habe, hilft mir natürlich auch, meine Schüler und das Umfeld, in dem sie aufwachsen, besser zu verstehen.»

Wenn er abends seinen Arbeitsplatz verlässt, geht er gerne mit seinem Hund spazieren. Dass er ein begeisterter Fasnächtler ist, kann jeder sehen: Die ’Blaggedde’ ziert seinen Mantelkragen. «Wir suchen übrigens noch einen Laternenmaler mit Atelier», meint er.

PS: Falls Sie sich schon gefragt haben - Angelo Gasparini ist tatsächlich mit den Gasparinis von den Zolli-Cornets verwandt. Nur damit das auch noch gesagt ist.

Quelle: Roche

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