Anita Maurhofer (47), Pharmazeutin in einer grossen globalen Pharmafirma

Arzneimittel haben mich schon fasziniert, als die ganzen überlieferten Hausmittel bei meinen Kinderkrankheiten zum Einsatz kamen. Was passiert in unserem Körper - wie lassen sich Beschwerden lindern? Das Verständnis dafür kommt durch Wissen aus verschiedenen Disziplinen zustande - diese Vielseitigkeit fand ich ausgesprochen attraktiv.

Es braucht viel Arbeit und Organisationstalent bevor ein neues Medikament verkauft wird.

Es braucht viel Arbeit und Organisationstalent bevor ein neues Medikament in den Apotheken verkauft wird. Bild: Minerva Studio/Shutterstock.com

Anita Maurhofer

Anita Maurhofer

Es hat mich immer fasziniert, mit welchen Kräutern oder Zwiebelsaft meine Oma diesmal unseren Husten in Griff kriegen wollte. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, wo vieles in den Gärten selbst angebaut wurde. Pflanzen, Arzneimittel und ihre Wirkung in unserem Körper, die Linderung von Beschwerden und damit der direkte Bezug zu einem Patienten, dem man Hilfe bringt, das war etwas, was mich enorm beeindruckt hat.

So habe ich nach meinem Pharmaziestudium dann auch eine Doktorarbeit gemacht. Und zwar in einem Bereich, der die Wechselwirkungen von chemisch synthetischen Strukturen mit körpereigenen Strukturen untersucht. Das wird an Computern gemacht mit verschiedensten Softwareprogrammen. Dieses Molecular Modelling oder Computer Aided Drug Design kam damals völlig neu an unsere Hochschule - das hat mich natürlich doppelt gereizt.

Vielseitigkeit und Abwechslung - keine Chance für Routine und Langeweile

In Spitalapotheken und öffentlichen Apotheken konnte ich sehr viel Erfahrung im Umgang mit Patienten und Kunden lernen. Nach dieser Zeit habe ich bei Hoffmann-La Roche, einer internationalen grossen Pharmafirma, im Bereich Qualitätssicherung zu arbeiten begonnen. Dabei geht es darum, sicherzustellen, dass nach bestimmten internationalen und nationalen Qualitäts-Standards und Gesetzen produziert wird.

Man sieht in die verschiedensten Bereiche der Pharma Technik hinein: Analytik, chemische oder biotechnologische Produktion, sowie die Herstellung verschiedenster Darreichungsformen wie Tabletten, Spritzen, Salben, u.s.w.

Ab in die USA

Als ich das gut genug kannte, ging es ab in die USA. In der dortigen Niederlassung habe ich mit einer Mannschaft von damals rund 60 Mitarbeitern die Klinikmuster-Verpackung und Distribution geleitet. Es handelt sich um Produkte, die noch nicht auf dem Markt sind, sich aber in klinischer Prüfung befinden. Sie werden unter genau geregelten Anforderungen direkt an die behandelnden Ärzte verschickt. Es war sehr aufregend, in einem völlig neuen sozialen Umfeld mit anderer Kultur und Sprache zu arbeiten.

Zurück aus den Staaten habe ich mich mit etwas ganz anderem beschäftigt: der weltweiten Logistik von Marktprodukten. Wie wird so eine grosse Firma gesteuert? Wie weiss man, wie viel von was produziert werden muss? Wenn man irgendwo in der Kette etwas ändert - was hat das zur Folge? Wie bringe ich ein ganz neues Medikament in alle Länder der Welt?

Dazu konnte ich eine Zusatzausbildung machen, die mir ermöglicht hat, das alles zu verstehen und verschiedenste Konzepte kennenzulernen. Während dieser Zeit habe ich als Projektleiterin die Markteinführung eines neuen Medikaments organisiert. Da gibt es ganz vieles, an das man denken muss.

Teamarbeit und Teamgeist

Aber man ist ja nicht allein. Man hat ein ganzes internationales Team, mit den unterschiedlichsten Leuten aus den verschiedensten Abteilungen. Der Teamgeist, den wir hatten, die von allen getragene nahezu leidenschaftliche Einstellung "Wir kriegen das hin", war ganz super und eine ganz tolle Erfahrung für mich.

Das hat mir so gut gefallen, dass ich letztlich Chef der Abteilung geworden bin, die alle technischen Aktivitäten für Entwicklungsprojekte über sämtliche Standorte der Firma hinweg koordiniert. Wir haben Berührungspunkte durch die ganze Firma, was extrem spannend ist. Allerdings, mein "Vielseitigkeits-Gen" schlägt wieder zu: In Kürze werde ich einen neuen Bereich übernehmen ...

Ergreifen von Gelegenheiten - den Mut haben, unbekanntes Terrain zu betreten

Abwechslung - kein Festlegen auf ein Spezialthema - viel Verschiedenes ausprobieren können - das war mir immer wichtig. Das Pharmazie-Studium mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt, aber sehr breit gefächerten Inhalten, ist eine prima Grundlage für alle, die nicht schon am Anfang ihrer Karriere ganz genau wissen, welche Richtung sie einschlagen wollen und für alle, die wie ich, Vielseitigkeit lieben.

Für mich hat es sich bewährt, eine gute Balance zu halten zwischen einerseits Planung der beruflichen Laufbahn (also sich Gedanken zu machen, was einen interessiert und was man erreichen möchte) und andererseits Gelegenheiten ergreifen, wo sie sich bieten (also einen gewissen Grad an Opportunismus und auch Mut zu haben).

Das mag nicht den geradlinigsten Weg ergeben, aber einen Weg, der sich auszeichnet durch Flexibilität, Veränderung, und den Möglichkeiten immer mal wieder was Neues zu lernen. Da haben Alltagsroutine und Langeweile keine Chance!

Berufe

Pharmazeut/-in ETH

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