Bettina Staudinger (35), Produktmanagerin bei einem Hersteller von Vermessungsinstrumenten

Früher habe ich bei Wind und Wetter Bauten und Landschaften vermessen. Deshalb weiss ich heute genau, was unsere Kunden auf der ganzen Welt von neuen Geräten erwarten.

Bettina Staudinger

Bettina Staudinger

Eine Geomatikerin beschäftigt sich grundsätzlich mit drei Hauptaufgaben: Sie steckt draussen in der Natur mit Stangen Planungen ab, um zu markieren, wo genau ein Haus oder eine Brücke gebaut werden soll. Weiter muss sie bestehende Bauten in Pläne einzeichnen, damit diese immer genau die tatsächliche Situation vor Ort wiedergeben.

Die dritte Aufgabe schliesslich ist die amtliche Grundstückvermessung; wir nennen das auch Katastervermessung. Eine Geomatikerin leistet damit einen wichtigen Beitrag, um eindeutig zu dokumentieren, wem welches Grundstück gehört.

Im Dreieck rechnen erwünscht

Mein Interesse an der Vermessung entdeckte ich während meiner Berufsausbildung zur Landschaftsgärtnerin. Ich habe bald gemerkt, dass mir die genaue Vermessung von Gärten viel Spass bereitet. Ich entschied mich deshalb nach der Lehre, an der Fachhochschule München vier Jahre Vermessungswesen zu studieren. Das Studium ist sehr vielfältig und lehrt vor allem analytisches Denken.

Als Geomatikerin muss man schon ein wenig ein «Millimeter-Fuchs» sein. Ich selbst bin auch eher eine Perfektionistin, obwohl in der Geomatik gemeinhin gilt: Man muss immer nur so genau sein, wie es eine bestimmte Situation erfordert. Als Geomatikerin muss man zudem viel im Dreieck rechnen - sprich, die Trigonometrie ist sehr wichtig.

Das war für mich jedoch nie ein Problem, da mir Mathematik in der Schule schon immer lag. Eine Geomatikerin darf zudem nicht allzu zimperlich sein und sollte die Natur mögen. Oft ist man nämlich auch bei Schnee und Regen draussen, um Landschaften zu vermessen.

Keine berufliche Einbahnstrasse

Heute arbeite ich als Produktmanagerin beim einem Vermessungsinstrumenten-Hersteller in Heerbrugg, die Vermessungsinstrumente herstellt. Ich bin nun öfter im Büro als auf dem Feld und bin sozusagen die Schnittstelle zwischen den Geomatikern draussen und den Geräteentwicklern in unserer Firma.

Ich muss also zum Beispiel einem unserer Programmierer genau erklären, welche Funktionen und Bedienungselemente unsere Kunden sich bei einem neuen Vermessungsgerät wünschen. Danach gehe ich mit dem neuen Gerät aufs Feld und teste, ob es wirklich den Vorstellungen unserer Kunden entspricht. Da mein Arbeitgeber weltweit tätig ist, habe ich Kontakt Menschen auf der ganzen Welt.

Niemals hätte ich während des Studiums gedacht, dass ich einmal als Produktmanagerin arbeiten werde. Das zeigt, dass die Geomatik keine berufliche Einbahnstrasse ist, sondern viel Freiraum für persönliche Entwicklungen lässt.

Und ich habe noch lange nicht ausgelernt: Zurzeit mache ich neben meiner Arbeit eine Ausbildung zur Marketingleiterin, da Produktmanagement viel mit Marketing und Betriebswirtschaft zu tun hat. Das ist eine optimale Ergänzung zu meinem technischen Know-how, und ich bin schon heute gespannt, welche neuen beruflichen Möglichkeiten sich dadurch eröffnen werden.

Text: SATW
Quelle: Technoscope 1/09: Die Erde vermessen
Technoscope - Das Technikmagazin der SATW für Jugendliche
 
Weitere Quelle: Leica Geosystems
 

Berufe

Geomatiker /-in ETH/FH

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