Cornelia Brandes, Physikerin und Energieberaterin

Als Physikerin wollte Cornelia Brandes ursprünglich verstehen, wie die Welt funktioniert. Heute zeigt sie Gemeinden, wie sie ihren Energieverbrauch im Alltag konkret reduzieren können.

Generalversammlung des Vereins «European Energy Award» in Paris, organisiert durch Cornelia Brandes

Generalversammlung des Vereins «European Energy Award» in Paris, organisiert durch Cornelia Brandes. Dieser Trägerverein unterstützt Gemeinden beim nachhaltigen Energie-Einsatz. Bild: Franz Meier

Cornelia Brandes

Cornelia Brandes. Bild: Franz Meier

Als Energieberaterin habe ich in den letzten Jahren unzählige Gemeinden beraten, die ihren Energieverbrauch optimieren wollen. Dabei lerne ich immer wieder neue Aspekte und Herausforderungen kennen. Denn jede Gemeinde ist für sich ein Sonderfall. Schliesslich hat eine kleine Landgemeinde mit gut 1000 Einwohnern ganz andere Probleme als eine Stadt, in der 100 000 Menschen leben.

15 Jahre ist es nun her, seit ich mich selbständig gemacht und meine eigene Beratungsfirma «Brandes Energie» gegründet habe. Inzwischen sind wir ein achtköpfiges Team. Eines unserer beiden Hauptstandbeine ist die Begleitung von Gemeinden, welche als «Energiestadt» ausgezeichnet werden möchten. Dieses Label habe ich vor rund 20 Jahren mitentwickelt; heute ist die Bezeichnung ein anerkannter Standard. In der Schweiz haben bereits 220 Gemeinden diese Auszeichnung bekommen, dazu kommen nochmals rund 400 Gemeinden im umliegenden Ausland, die das Konzept übernommen haben.

Übergabe eines Gold-Labels für die Energiestadt Schaffhausen

Übergabe eines Gold-Labels für die Energiestadt Schaffhausen an den Stadtpräsidenten. Bild: Franz Meier

Wenn eine Gemeinde Energiestadt werden möchte, muss sie ihre Tätigkeiten in sechs verschiedenen Bereichen kritisch hinterfragen. Von der Liegenschaftsverwaltung über die Mobilität der Angestellten bis hin zur Kommunikation untersuchen wir 87 konkrete Aspekte in Bezug auf den Energieverbrauch. Das ist ein Prozess, bei dem von Anfang an alle Beteiligten einbezogen werden müssen. Meine Aufgabe ist es, zusammen mit den Behörden und der Verwaltung, manchmal auch mit weiteren Stellen wie etwa den Gemeindewerken, Massnahmen vorzuschlagen, welche dann von den Gemeinden umgesetzt werden. Wir schauen beispielsweise, wie sich der Energieverbrauch der gemeindeeigenen Häuser minimieren lässt, wie die Parkplätze besser ausgenutzt werden könnten oder wie man bei der Entsorgung von Abfällen Stoff- und Energiekreisläufe schliessen könnte.

Während der Gespräche mit den Behörden lerne ich die Gemeinden mit ihren Aufgaben und Herausforderungen sehr gut kennen. Und ich kann mit meinen Vorschlägen auch ganz konkrete Veränderungen anstossen. Gerade das gefällt mir an meiner Arbeit: In den Gemeinden entscheidet sich, wie die politischen Vorgaben von oben umgesetzt werden. Und in den Gemeinden hat man auch den direkten Bezug zur Bevölkerung und zum Gewerbe.

Hilfreiche Denkschule

Ursprünglich habe ich an der ETH Zürich Physik studiert. Ich wählte damals dieses Fach, weil ich verstehen wollte, wie die Welt eigentlich funktioniert. Wenn ich nochmals zurück könnte, würde ich sofort wieder Physik studieren. Ich hatte als Frau nie das Gefühl, dass Physik ein besonders schwieriges Fach wäre. Vor allem die theoretische Physik hat mich damals fasziniert: Ich fand es beeindruckend, dass man die Vorgänge in den Atomen mit Formeln beschreiben kann – und dass sich genau diese Vorgänge in einem so banalen Gegenstand wie einem Tisch abspielen.

Nach dem Studium merkte ich jedoch, dass ich vermehrt mit Menschen zusammen arbeiten und mich mit politischen Themen auseinandersetzen möchte. Ich wechselte daher in die Verwaltung des Kantons Zürich, wo ich an der Umsetzung des neuen Energiegesetzes mitarbeitete. Bald einmal wurde mir bewusst, dass mir die Arbeit in der Verwaltung nicht wirklich entspricht und dass ich meine Zukunft eher in der Privatwirtschaft sehe. Heute arbeite ich zwar nicht mehr wirklich als Physikerin, doch die Denkweise, die ich damals lernte, prägt noch heute meinen Berufsalltag. Wenn ich mit den Gemeinden nach Lösungen suche, ist es sehr hilfreich, dass ich die Probleme und Positionen der verschiedenen Partner genau analysieren und einordnen kann – gerade wenn es um politisch heikle Fragen geht, bei denen es viel Fingerspitzengefühl braucht, wenn man etwas bewegen will.

Text: SATW/ Felix Würsten
Quelle: Technoscope 1/11: Intelligente Häuser.
Technoscope - Das Technikmagazin der SATW für Jugendliche
Bilder: SATW/ Franz Meier

 

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