Daniel Nadig, Bauingenieur bei einem Bahnunternehmen

Der Beruf als Bauingenieur ist sehr vielseitig und deshalb sind Leute wie ich auch bei Bahnunternehmen gefragt. Für meinen jetzigen Arbeitgeber, die Aare Seeland mobil AG, bin ich für den Unterhalt, die Instandstellung und den Ersatz der bahntechnischen Anlagen zuständig. Dazu gehören der gesamte Fahrweg (alle Gleise und Weichen samt Unterbau), alle Bauwerke (zum Beispiel Brücken) und auch die Immobilien (zum Beispiel Bahnhöfe). Unser Bahnnetz weist eine Länge von 57 Kilometern auf und zählt 52 Haltestellen. Wir bedienen die Regionen Oberaargau/Solothurn und Seeland mit 180 000 Einwohnern - so viele wie etwa in der Stadt Genf wohnen.

Ein RBS-Zug wartet am Bahnhof Solothurn.

Ein RBS-Zug wartet am Bahnhof Solothurn. Bild: Flickr/WikimediaCommons, CC-Lizenz

Daniel Nadig

Daniel Nadig. Bild: SATW

Den eingeschlagenen Weg durchziehen

Ich besuchte in Bern-Neufeld das Gymnasium. Als technisch begabter und interessierter Schüler schloss ich mit der Matura Typus C ab - so hiess damals die mathematisch-naturwissenschaftliche Richtung. Anschliessend war der Weg zur ETH sozusagen vorgegeben. Dies alles lief damals fast wie automatisch ab. In einer Broschüre las ich über die möglichen Studienrichtungen und entschied mich für das Studium zum Bauingenieur, da mich Brücken und Hochhäuser sowie Bauten aus Stahlbeton und Stahlbau faszinierten.

Detaillierte Kenntnisse über das Studium hatte ich nicht. Dennoch war es eine gute Wahl. Heutzutage haben die Jugendlichen zwar viel mehr Informationen über die unterschiedlichsten Studienangebote. Dies macht die Wahl des richtigen Fachs aber auch nicht einfacher. Wie die Wahl auch ausfällt, aus meiner Sicht ist es wichtig, dass man das Studium dann auch durchzieht. Ein Studienabschluss eröffnet immer viele Möglichkeiten.

Fürs Studium ging ich nach Lausanne an die EPFL. Die frankophone Umgebung gefiel mir und von Bern aus liegt Lausanne nahe - näher als die ETH in Zürich. Die Diplomarbeit schrieb ich im Bereich Stahlbau. Meine erste Stelle trat ich in Monthey im Kanton Wallis an. Diese Stelle hatte mir mein Diplomvater vermittelt. Ich arbeitete im technischen Büro und betreute von Anfang an Projekte. Als Statiker berechnete ich beispielsweise Druckleitungen wie sie für Wasserkraftanlagen eingesetzt werden. Diese Berechnungen dienten für Offerten wie auch für die Ausführung der Projekte.

Arbeiten in der Schweiz und im Ausland

Anschliessend zog es mich ins Ausland. Für eine deutsche Beratungsfirma war ich unter anderem für die Bauüberwachung von Projekten im Ausland zuständig. Diese Projekte führten mich nach Lateinamerika, beispielsweise in die Dominikanische Republik oder nach Guatemala. In Guatemala steht denn auch das grösste Projekt, an dem ich je mitarbeiten konnte, eine 300-MW-Wasserkraftanlage.

Zum Vergleich: In der Schweiz haben von rund 14’000 Wasserkraftanlagen nur rund ein halbes Dutzend eine Leistung von 300 MW oder mehr. Mit der Familie ging es dann wieder zurück in die Schweiz, aber auch wieder für acht Jahre ins Ausland. Zwischenzeitlich war ich auch selbstständig und führte zusammen mit Partnern ein Ingenieurbüro. Seit 2001 bin ich nun bei der Bahnunternehmung Aare Seeland mobil AG.

Für das Bauingenieur-Studium sollte man technisch begabt sein und analytisch denken können. Zudem ist 3-D-Denken wichtig, denn als Bauingenieur muss man sich alles, was gebaut werden soll, zuerst im Kopf räumlich vorstellen können. Zudem sollte man Freude am Planen und Ausführen von Bauten haben, aber auch an technischen Normen. Diese helfen bei den Projekten und sorgen für die Leitlinien. Besonders im Bau und Unterhalt von Eisenbahnlinien ist vieles sehr stark normiert. Schön am Beruf des Bauingenieurs finde ich die Vielseitigkeit, dass man Projekte von A bis Z, d.h. von der Planung über die Ausschreibung bis zur Ausführung, betreuen kann.

Text: SATW
Quelle: Technoscope 2/09: Die Mobilität von morgen
Technoscope - Das Technikmagazin der SATW für Jugendliche
 
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