Dennis Schürmann (26), Aviatiker bei einem Flugzeughersteller

Dennis Schürmann hat in Winterthur Aviatik studiert und arbeitet heute als Statiker bei Pilatus. Er ist vom Fliegen «angefressen» und an einem schönen Sonntag auch gerne Mal acht Stunden mit dem Segelflieger unterwegs.

Dennis Schürmann

Dennis Schürmann. Bild: Franz Meier

Mein Entscheid für eine Lehre im Triebwerkbau war kein Zufall: Ich bin in Alpnach aufgewachsen und habe in meiner Schulzeit immer fasziniert den Tiger-Jets und Superpuma-Helis zugeschaut, die über den Militärflugplatz donnerten. Bald war mir klar: Ich will einmal Militärpilot werden. Mit 16 Jahren meldete ich mich für die Prüfungen und Abklärungen an. Nach zwei Wochen Segelfliegen und Motorfliegen im Rahmen des Auswahlverfahrens war ich vom Fliegen angefressen. Mit dem Militärpiloten hat es am Ende nicht geklappt. Aber in der Zwischenzeit hatte ich bereits eine Lehre als Polymechaniker beim RUAG Aerospace Center angefangen. So hatte ich nach wie vor täglich mit Flugzeugen zu tun. In den ersten beiden Jahren fräste ich vor allem sogenannte «Lehren»; das sind Formen, in die Einzelteile eingespannt werden, damit die Konstruktion nach dem Zusammenbau exakt die richtige Grösse hat. Zum Beispiel ein Flugzeugflügel, der aus mehreren Blechen zusammengenietet wird oder auch nur einzelne kleinere Triebwerkteile.

Alpenrundflüge in der Freizeit

Etwa zur gleichen Zeit begann ich mit dem Segelfliegen in der Segelfluggruppe Obwalden. Wenn das Wetter mitspielt, bin ich seither an den Wochenenden meist in der Luft. Bis zu acht Stunden und 300 bis 400 Kilometer an einem schönen Tag. In dieser Zeit mache ich dann zum Beispiel einen Rundflug über Sion, runter ins Wallis und dann übers Rheintal wieder zurück nach Kägiswil, wo die Flieger des Vereins stationiert sind.

Denis Schürmann im Gespräch mit dem Flugzeugmechaniker Philippe Pagnier

Auch die praktische Arbeit kommt nicht zu kurz: Denis Schürmann im Gespräch mit dem Flugzeugmechaniker Philippe Pagnier. Bild: Franz Meier

In den beiden letzten Lehrjahren bei RUAG baute ich Triebwerke auseinander, reparierte kaputte Einzelteile, reinigte verschmutzte Komponenten und setzte danach alles wieder zusammen. Nach der Lehre machte ich dann erst einmal die RS - natürlich als Triebwerksmechaniker für die F/A-18 Hornet in Payerne. Schon während der Lehre hatte ich das Ziel, einmal ein ganzes Flugzeug bauen zu können und nicht nur Einzelteile davon. Deshalb entschied ich mich für ein Bachelorstudium in Aviatik an der ZHAW in Winterthur. Die Ausbildung richtet sich an zwei Zielgruppen: Studenten, die einmal im operationellen Flugbetrieb, also zum Beispiel auf einem Flughafen oder in der Flugplanung arbeiten wollen. Und an Studenten, die mehr am Flugzeug-Engineering interessiert sind. Ich gehörte natürlich zur zweiten Gruppe. Während der ersten drei Semester studieren noch alle zusammen und besuchen Fächer wie Luftrecht, Personentransport und Flughafenmanagement. Das hat mich nicht so sehr interessiert. Richtig spannend wurde es danach mit den Wahlpflichtmodulen Leichtbau, Computational Fluid Dynamics und Aerodynamik. Diese Kurse fanden zum Teil gemeinsam mit den Maschinenbaustudenten statt. Bei diesen holte ich mir eine Menge von Ingenieurwissen, das bei uns nicht vertieft behandelt wurde.

Hauptinteresse Strukturbau

Nach Abschluss des Studiums stieg ich 2009 in ein «Trainee Programme» der Pilatus Flugzeugwerke in Stans ein. Dieses erlaubt Berufseinsteigern einen Einblick in möglichst viele unterschiedliche Bereiche des Unternehmens. Das ist eine super Gelegenheit um rauszufinden, welche Arbeit einem am besten gefällt. Eigentlich dauert ein solches Programm eineinhalb Jahre. Für mich stand jedoch nach vier Monaten bereits fest, dass ich im Strukturbau für Trainerflugzeuge arbeiten will. Seither bin ich dort vor allem für Reparaturen zuständig. Wenn ein Pilatus-Propellerflieger zum Beispiel mit einem Vogel kollidiert, kann das tiefe Dellen im Flügel hinterlassen. Ich muss dann berechnen, wie der Flügel repariert werden muss, damit er weiterhin statisch einwandfrei funktioniert. Dafür bespreche ich mich mit den Mechanikern in der Werkstatt. Diese haben oft langjährige Erfahrung und gute Ideen, wie man bestimmte Teile flicken kann. Ich berechne dann bei mir im Büro mit dem Handrechner oder mit Unterstützung von Computermodellen, ob die vorgeschlagene Reparatur statisch zu einem guten Ergebnis führt.

Ich bin froh, dass ich bei einem vergleichsweise kleinen Flugzeugbauer arbeite, denn hier lerne ich das ganze Flugzeug von A bis Z kennen. Um noch mehr über den Bau von Flugzeugen zu lernen, beginne ich vielleicht nächstes Jahr ein Masterstudium für Struktur- und Leichtbau an der ETH Zürich. Ausserdem möchte ich bald einmal die Ausbildung zum Segelfluglehrer machen; die Motorflugprüfung hingegen reizt mich weniger. Mit Motorflugzeugen fliegt man einfach von A nach B. Segelfliegen ist hingegen sportlicher und eine grössere Herausforderung. Hier ist der Weg das Ziel - ähnlich wie bei meinem bisherigen Werdegang zum Aviatiker.

Informationen zu Berufslehren und Studium im Flugzeugbau:

Bachelor in Aviatik: ZHAW

Text: SATW/Samuel Schlaefli
Technoscope - Das Technikmagazin der SATW für Jugendliche
Bilder: SATW/Franz Meier

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