Mélanie Barboni greift nach dem Mond

Mélanie Barboni hat mehrere Leidenschaften. Eine davon ist die Geologie. Nach ihrem Studium in Lausanne verfolgte sie ihre Karriere an prestigesträchtigen Universitäten in den USA. Im Rahmen ihrer Forschungsarbeiten hatte sie die äusserst seltene Chance, mit Stücken von Mondgestein zu arbeiten.

Mélanie Barboni

Die Geologin Mélanie Barboni in Alaska.

Was haben Sie studiert? An welcher Hochschule?

Ich habe meine Maturitätsprüfung am Gymnasium Chamblandes in Pully (VD) abgelegt, mit Vertiefung in Biologie/Chemie und weiterführender Mathematik. Anschliessend bin ich an die erdwissenschaftliche Fakultät der Universität Lausanne (UNIL) gegangen, um dort meinen Bachelor und Master zu absolvieren. Auch für die Doktorarbeit (immer noch in Erdwissenschaften) bin ich an der UNIL geblieben .

Warum haben Sie Erdwissenschaften – oder Geologie – studiert? War das ein Kindheitstraum?

Ich wusste immer, dass ich Geologin werden wollte. Meine Eltern erzählen gern, dass ich schon als ganz kleines Mädchen überall Kieselsteine gesammelt habe. Mein Zimmer war voll davon. Ich erinnere mich, dass ich schon im Kindergartenalter meine Eltern gefragt habe, ob das Sammeln und Untersuchen von Steinen ein Beruf sei. Sie haben bejaht und mir erklärt, dass man das "Geologie" nenne und man dafür zur Universität gehen müsse, um ein Diplom als Geologin zu erhalten. Ich bin also in die Schule gekommen und wusste schon ganz genau, welche Ausbildung ich machen und wohin ich gehen würde – das ist ziemlich selten bei einem Kind.

Haben Sie sich spezialisiert? Und wenn ja, auf welchem Gebiet?

Nein, eigentlich nicht. Nach dem Abschluss meines Doktorats an der UNIL bin ich in die USA gegangen, um dort Grundlagenforschung zu betreiben (das nennt man ein Postdoktorat). Zuerst habe ich zweieinhalb Jahre an der Princeton University in New Jersey verbracht, bevor ich an die University of California in Los Angeles gelangt bin, wo ich heute bin.

Auf welchem Gebiet forschen Sie zurzeit?

Meine Forschung teilt sich auf in zwei ziemlich verschiedene Themen, die ich meine "Erdseite" und meine "Weltraumseite" nenne. Ich erforsche Vulkane und Magmakammern auf der Erde, um die physikalischen und chemischen Prozesse zu verstehen, die Magmaeruptionen auslösen. Nur wenn man versteht, wie ein Vulkan funktioniert, kann man anfangen vorauszusagen, wann ein Ausbruch stattfinden wird. Wenn man beispielsweise an den Vesuv denkt und an die Gefahr, die er für die Stadt Neapel darstellt, wird einem bewusst, wie wichtig ein besseres Verständnis von Vulkanausbrüchen ist.

Auf meiner "Weltraumseite" arbeite ich mit der NASA zusammen, der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde, und erforsche den Mond. Wie ist er entstanden, welche Entwicklung hat er durchgemacht? Wenn man den Mond und seine Ursprünge studiert, versteht man auch die Erde besser, wie unser Planet entstanden ist und sich verändert hat, um schliesslich Leben darauf zu beherbergen. Der Mond und unsere Erde haben beide dieselbe Geschichte erlebt. Aber anders als die Erde, die alle Spuren ihres Ursprungs "ausgelöscht" hat, hat der Mond die Geschichte seiner Geburt und Kindheit bewahrt. Das ist sehr aufregend, denn ich arbeite mit Mondgestein, das von den Astronauten der Apollo-Missionen gesammelt wurde. Ganz wenige Leute haben Gelegenheit, Stückchen vom Mond zu sehen, geschweige denn zu berühren. Das ist wirklich magisch, und mir ist bewusst, dass ich da unglaubliches Glück habe.

Wie ist das Leben als Forscherin auf diesem Gebiet?

Das Leben als Forscherin ist aufregend, aber auch schwierig, denn man lebt von einem Forschungsstipendium zum nächsten und es gibt keine Stabilität. Die Mittel für die Forschung werden immer weniger, und der Wettbewerb um die spärlichen verfügbaren Ressourcen ist heftig. Man muss wirklich hervorragend sein und äusserst konkurrenzfähig, um ein Forschungsstipendium zu erhalten. Und man muss das Opfer bringen, immer wieder alles zu verlassen und neu anzufangen. Aber wenn alles funktioniert und man ein Stück vom Mond in Händen hält, hat sich der Einsatz wirklich gelohnt!

Wie sehen Sie die Fortsetzung Ihrer Karriere? Werden Sie in den USA bleiben?

Ich habe gerade eine Stelle als Professorin an der Arizona State University in Phoenix angenommen, wo ich meine Forschung weiterverfolgen, Erdwissenschaften unterrichten und meine eigene Forschungsgruppe mit eigenen Doktoranden bilden werde. Deshalb ja, für die nächste Zeit habe ich meine Wahl getroffen und werde in den USA bleiben. Ich schliesse nicht aus, in die Schweiz zurückzukehren, wenn mir eine Professur an einer unserer Universitäten angeboten wird, aber das ist nicht meine Priorität. Ich bin glücklich hier – und wenn ich hierbleibe, behalte ich natürlich Zugang zur NASA, was mir die Fortsetzung meiner Forschung an Mondgesteinen erlaubt.

Ist es schwierig, auf diesem Gebiet eine Stelle zu finden?

Ja, sehr schwierig. Es gibt wenige Professuren, aber enorm viele Kandidaten. Ich weiss, dass sie für meine Stelle an der Arizona State mehr als 200 Bewerbungen erhalten haben. Man muss wirklich einen sehr guten Lebenslauf vorlegen können und seine Forschung in renommierten wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht haben, um unter die 5–6 Kandidaten zu kommen, die zum Interview eingeladen werden. Wird man ausgewählt, muss man ein sehr intensives zweitägiges Interview bestehen. Das Verfahren ist äusserst gründlich, denn es wird ja nicht nur eine Professur angeboten, sondern auch eine Menge Geld, um ein Forschungslabor einzurichten. Ich bin sehr erleichtert, dass ich eine Stelle erhalten habe, und das auch noch an einer ausgezeichneten Universität.

Was würden Sie einem jungen Mädchen raten, das davon träumt, denselben Weg einzuschlagen?

Ich würde ihr raten, ohne Zögern ihrem Traum zu folgen. Und am Anfang nicht zu sehr den ganzen Weg zu betrachten, der bewältigt werden muss, sondern sich auf jede Etappe einzeln zu konzentrieren, um den Mut nicht zu verlieren. Und viel Freude zu haben. Sehr wenige Leute haben das Glück, einen so bereichernden und spannenden Beruf ausüben zu können. Es ist gut, einmal 5 Minuten innezuhalten und dieses Glück einfach auszukosten.

Lies den Artikel Der Mond wird nicht jünger, um zu erfahren, wie Mélanie Barboni den Mond hat altern lassen.

Texte: Interview mit Mélanie Barboni durch die Redaktion SimplyScience.ch

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