Olivier Aebischer (31): Forschungschemiker in einem international tätigen Chemiekonzern

Cosmos der Chemiebaukasten, mit diesem Stichwort begann an Weihnachten 1989 meine Faszination für die Chemie. Herrliche Experimente, die einem Schritt für Schritt die Geheimnisse der Natur enthüllen, fand und finde ich sehr spannend. Vor allem das Herstellen neuer Verbindungen: Zwei Substanzen werden miteinander zur Reaktion gebracht und bilden eine dritte Substanz mit vollkommen anderen Eigenschaften! Unglaublich aber wahr, diese Faszination hat sich in den letzten 20 Jahren immer weiter verstärkt und bildet heute die Grundlage meiner Motivation, neue innovative Substanzen für die Anwendung im täglichen Leben zu entwickeln.

Der entscheidende Vorteil eines naturwissenschaftlichen Studiums: nicht nur Theorie, sondern auch Praxis

Der entscheidende Vorteil eines naturwissenschaftlichen Studiums: nicht nur Theorie, sondern auch Praxis! Bild: Ciba

Das Chemiestudium

Die Zeit des Chemiestudiums ist äusserst spannend, da die Chemie zum ersten Mal vertieft behandelt wird. Mit Beginn der Laborstunden werden die theoretisch gewonnen Erkenntnisse in die Praxis umgesetzt - ein ganz entscheidender Vorteil der meisten naturwissenschaftlichen Studien gegenüber rein theoretischen Studienrichtungen.

Das Doktorat

Jetzt wird es richtig spannend. Zum ersten Mal ein eigenes Projekt von A bis Z erarbeiten. Es geht nicht mehr nur darum eine chemische Reaktion durchzuführen, sondern etwas grundlegend Neues zu erschaffen, sei es ein Wirkstoff einer Pflanze im Labor herzustellen oder einen neuen Katalysator für eine Reaktion zu entwickeln. Mit Leidenschaft ein eigenes Projekt - natürlich mit Unterstützung des Doktorvaters sowie anderen Universitäten - auf die Beine zu stellen, ist eine ganz besondere Erfahrung.

Die Chemie steht während des Doktorats im Zentrum: Man hat die letzte Gelegenheit auch kuriose Gegebenheiten zu untersuchen, ganz im Gegensatz zum ersten Stellenantritt in der Industrie, wo es um die Erreichung von marktrelevanten "Milestones" und vor allem um die raschmögliche Markteinführung geht.

Die Industrie

Die Regeln in der Industrie sind, wie bereits erwähnt, mit denen der Universität nicht zu vergleichen. Ein neues Projekt wird nicht mehr aus reinem Interesse an der Chemie begonnen. Die entwickelten Produkte müssen zwingend einen Mehrwert generieren, um auf dem Markt bestehen zu können. Dieser Mehrwert kann von einem kratzfesten Autolack bis hin zu einem druckbaren Photovoltaik Modul sein, ganz nach dem Motto: Die Innovation vom Labor ins alltägliche Leben bringen. 

Jede Innovation beginnt mit einer Idee. Kreative Ideen gibt es meistens zu viele. Die Kunst ist es, die richtige - d.h. was könnte zukünftig der Markt nachfragen - auszuwählen, und das Projekt zu definieren. Ein erster, sehr spannender Prozess.

Sobald das Projekt initiiert ist, setzt sich ein ganzes Team an die Realisierung. Man wird vom Einzelkämpfer (während der Dissertation) zum Teamplayer in einer polyvalenten Arbeitsgruppe. So schnell wie möglich muss die Idee umgesetzt werden und das erste Gramm der fertigen, neuen Substanz in einem Prototyp getestet werden.

Mit den erhaltenen Testergebnissen wird die Zielverbindung optimiert. Gleichzeitig muss deren Ungiftigkeit nachgewiesen werden. Nach einigen Jahren Laborarbeit, mit dem Ziel der Optimierung, wird das Projekt von der Forschung an die Prozessentwicklung übergeben.

Nun geht es darum, von den 50 Gramm im Labor, schrittweise zu einigen Tonnen für die spätere Produktion zu gelangen. Gleichzeitig wird das neue Produkt auf dem Markt eingeführt. Es gibt anschliessend keinen grösseren Stolz, als das eigene Produkt in der Anwendung zu sehen. Sei es als Additiv in einem kommerziellen Produkt oder als neue Haarfarbe beim Frisör.

Der Lebenszyklus eines Produkts ist extrem spannend, vor allem weil der Chemiker diesen entscheidend mitgestalten kann und vom Anfang bis zum Ende involviert ist. Ganz nach dem Motto: Phantasie verlass’ mich nie!

Quelle: Ciba

Berufe

Chemiker/-in ETH/Uni

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