Thunfische markieren für eine nachhaltige Fischerei: Der Ozeanologe Stewart Norman

Draussen auf hoher See beim Markieren von Thunfischen, im Büro beim Beraten der Fischer oder auf dem Surfbrett in den Wellen: Das Leben des 28-jährigen Ozeanologen Stewart Norman dreht sich voll und ganz ums Meer. Durch seine Arbeit als Fischerei- und Umweltberater lernt der Südafrikaner täglich mehr über die Lebewesen in unseren Ozeanen und wie er die Umwelt, die ihn so entspannt und glücklich macht, schützen und ihr etwas zurückgeben kann.

Stewart Norman

Der Ozeanologe Stewart Norman auf See beim Markieren eines Gelbflossen-Thunfisches.© AOTTP

Stewart Norman begann sein Studium mit Mikrobiologie, Biochemie und Genetik in Kapstadt, Südafrika und setzte dabei seinen Schwerpunkt während des Bachelors auf die Genetik und Zellbiologie der Pflanzen. Er merkte jedoch schnell, dass er nicht im Labor hinter geschlossenen Fenstern arbeiten möchte, wenn draussen die Sonne scheint. Die Tatsache, dass er für seine Experimente stets Anleitungen folgen musste, ohne wirklich sehen zu können, was auf molekularer Ebene passiert, war zusätzlich ein frustrierender Punkt. Wenn er dann seiner Familie und den Freunden von seinen spannenden Experimenten erzählen wollte, endeten die Gespräche jeweils schnell mit „ich verstehe nichts – du musst gar nicht erst versuchen, es mir zu erklären“. So kam er zum Schluss, dass er seinen Fokus ändern wollte.

„Beim Surfen habe ich nun immer das Gefühl, dass ich am Arbeiten bin“

Der Ozean entspannte Stewart schon immer und gab ihm Freude. So verbringt er die meiste Zeit am Meer beim Surfen. Wegen dieser Leidenschaft für die Meere entschied er sich, einen Master in angewandter Ozeanologie zu studieren, und zwar mit dem Schwerpunkt Thunfisch-Ernährungs-Ökologie. Er begann, sich mit den Ikonen der Meere auseinanderzusetzen – bis er schliesslich jedes Mal beim Surfen das Gefühl hatte, am Arbeiten zu sein …  Mit dem Wechsel von der Mikroskala auf die Mesoskala konnte Stewart endlich auch mit seinen Freunden über seine Forschungsprojekte sprechen, denn jeder kennt Thunfische.

„Meine Arbeit dreht sich momentan darum, die Praktiken der Fischerei und des Managements nachhaltiger zu machen.“

Viele Fischer sind mit ihren Booten tagelang auf hoher See, um Fische zu fangen. Dabei ist ihnen aber nicht unbedingt bewusst, was ihre Industrie für einen Einfluss auf die Umwelt hat. Das Ziel von Stewarts Arbeit ist es daher, Fischerei-Manager auszubilden. Diese können dann die Fischer informieren und Genehmigungen erlassen, um Vögel und Meeressäuger zu schützen.

Thunfisch

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Die Fischer sind eingeschränkt in der Anzahl der Fische, die sie fangen dürfen. Damit die Fischbestände nicht abnehmen, wurden Quoten definiert, die bestimmen, wie viele Fische in den jeweiligen Gewässern gefangen werden dürfen. Zur Kontrolle, ob die Fischereirechte eingehalten werden und die richtigen Fische an den rechtmässigen Orten gefangen werden, fahren Beobachter mit den Fischern mit. Sie notieren, wie viele Fische von welcher Art gefangen wurden und schreiben auf, falls gewisse Fische oder Vögel illegal gefangen wurden. So können auch wissenschaftliche Daten über die Bestände der Fische aufgenommen werden. Stewarts Firma setzt solche Beobachter ein und schaut, dass eine grosse Anzahl Fischerboote mit Beobachtern abgedeckt wird. Denn das Fischereimanagement soll nachhaltiger werden.

„Als wir plötzlich die Orcas neben unserem Boot sahen, war das wohl das eindrücklichste Erlebnis.“

Neben Beratungsaufträgen in der Fischereiindustrie und als Beobachter auf Fischerbooten markiert Stewart im Rahmen eines internationalen ICCAT-Projekts Thunfische in den südafrikanischen Gewässern beim Kap der guten Hoffnung (Volkszählung bei den Thunfischen). Auf seinen Trips auf hoher See begegnet Stewart verschiedensten Meeressäugern, Vögeln und Fischen. Ein spezielles Erlebnis ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. „Ich wollte schon mein ganzes Leben lang Orcas sehen, und speziell seit dem Film „Blackfish“. Schwertwale sind so schlaue Tiere. Im März waren wir draussen beim Markieren der Thunfische, als wir plötzlich Orcas in der Ferne sahen. Ein grosser männlicher Orca, ein Bulle, und drei kleinere tauchten auf. Doch der Bulle verschwand recht schnell wieder. Wir gehen davon aus, dass der Bulle mit den Kälbern der Familie wegschwamm, während die drei kleineren unsere Aufmerksamkeit auf sich zogen, so dass der Bulle sich ungestört mit den Kälbern entfernen konnte.“ Dies war das erste und einzige Mal, dass der Südafrikaner Orcas gesehen hat. „Ein solches Erlebnis hat man nur, wenn man unzählige Stunden draussen auf See verbringt.“

Die Anzahl der Fische und Meeressäuger in den Meeren nimmt stetig ab, viele sind in gewissen Regionen stark bedroht. Die Jagd auf den Gelbflossen-Thunfisch im Indischen Ozean ist nicht mehr nachhaltig. Auch der Blauflossen-Thunfisch ist stark bedroht, denn in der japanischen Küche ist er sehr beliebt für Sushi und Sashimi. So kommt es vor, dass Fischereirechte der Küsten anderer Länder aufgekauft oder die Quoten schlicht und einfach nicht eingehalten werden.

Daher ist es wichtig, dass Forschungsprojekte durchgeführt werden, welche die Migrationsrouten und Verhaltensweisen der Tiere aufzeigen. So können die Fischerei-Manager besser informiert und neue Richtlinien gesetzt werden, um den Bestand gesetzlich zu planen. Dies kann zur Einführung von Schutzgebieten und Schonzeiten für die jeweiligen Arten führen, damit nachhaltig gefischt wird. Es ist aber auch wichtig, dass die Einhaltung dieser Schutzzonen durch Beobachter an Bord dieser Fischerboote kontrolliert wird, damit keine illegale Fischerei stattfindet.

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