Intelligenz braucht Gefühl

Nicht alle sind davon überzeugt, dass es der richtige Weg zum Verständnis des Gehirns ist, immer mehr Daten zusammenzutragen. Paul Verschure, Professor am Institute for Bioengineering of Catalunya sowie dem Barcelona Institute of Science and Technology und dem Catalan Institute of Advanced Studies, ist einer von ihnen.

Ada, der intelligente Raum an der Schweizerischen Landesausstellung, Expo.02, im Jahr 2002. Bild: Kynan Eng

Paul Verschure

Verschure ist der Vater von Ada. Sie war einer der grossen Stars der Expo.02, der Schweizer Landesausstellung im Jahr 2002. Und Ada war wirklich etwas ganz Besonderes: Ein intelligenter Raum, der mithilfe von Sensoren sehen, empfinden und lernen konnte und mit den Besuchern interagierte. Hinter Ada stand, geleitet von Verschure, der damals noch Forscher am Institut für Neuroinformatik der ETH und der Universität Zürich war, ein internationales Team von Biologen, Psychologen, Computerspezialisten und Musikern. Gemeinsam arbeiteten sie daran, zentrale Funktionen des Gehirns in ein neuronales Netz zu übersetzen.

Technoscope: Was ist Intelligenz?

Paul Verschure: Eigentlich wissen wir es nicht genau. Ganz nüchtern betrachtet, könnte man sagen: Intelligent ist, wer Probleme lösen kann. Für mich bedeutet intelligent aber auch einfühlsam sein und fähig, sich auf die Welt um uns einzulassen.

Ada, die manchmal sogar mit den Besuchern spielte, war also intelligent?

Sie war der Prototyp zukünftiger intelligenter Systeme. Die werden nämlich sicher nicht so knochentrocken rational sein wie der Android Data in Star Trek, sondern auch Gefühle und Emotionen zeigen. Und sie werden mehr mit Biologie zu tun haben als mit Ingenieurwesen. In Fachkreisen sprechen wir von "Living Machines": Maschinen, die nach den gleichen Prinzipien funktionieren wie Lebewesen.

Aber gerade weil sie die Biologie imitiert, etwa mit Deep Learning, macht die KI doch Riesenfortschritte?

Die gegenwärtige KI-Revolution ist hauptsächlich in der Hand der grossen Tech-Firmen. Die lassen sich zwar von der Biologie inspirieren, aber das genügt nicht. Nicht von ungefähr ist die künstliche Intelligenz, die wir heute haben, noch nicht besonders intelligent. In vielen Fällen würde man besser von künstlicher Dummheit sprechen.

Was wäre denn der richtige Weg?

Um mehr darüber zu erfahren, wie das Gehirn funktioniert, müssen wir unsere Theorien an der Realität überprüfen. Zum Beispiel, indem wir eine Living Machine bauen und schauen, ob sie wirklich so mit der Welt interagiert, wie das unsere Theorie voraussagt.

Infos und Video über Ada Intelligent Space

Quelle: Technoscope 3/20: Künstliche Intelligenz im Alltag. Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche

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