Plastik – Gibt es Alternativen?

Um dem in schwindelerregende Höhen wachsenden Plastikmüllberg Herr zu werden, sind innovative Ideen gefragt. Abgesehen von Verhaltensänderungen, mit denen Konsumenten ihren eigenen Plastikkonsum reduzieren können, gilt es auch, diesen allgegenwärtigen und oft unerlässlichen Werkstoff selbst zu ersetzen oder auf bessere Weise zu entsorgen bzw. wiederzuverwerten.

Reste, die bei der Zuckerproduktion aus Zuckerrohr anfallen, können zu Einwegprodukten wie Tellern oder Bechern gepresst werden. Bild: CanStockPhoto

Mehrere Ansätze basieren auf der Herstellung von Biokunststoffen, die als Alternative zu erdölbasierten Kunststoffen dienen könnten. Dies klingt einfacher als es ist, denn nicht nur ist es eine Herausforderung, die Materialeigenschaften von herkömmlichem Plastik zu erreichen, auch die Energie- und Ökobilanz bei der Herstellung dieser Stoffe muss berücksichtigt werden, um einen in jeder Linie überzeugenden Ersatz zu schaffen. Anbei eine Auswahl an spannenden Lösungsansätzen, die vielleicht in Zukunft eine echte Alternative darstellen könnten.

Stärke

Mais, Weizen oder Kartoffeln sind reich an Stärke. Daraus wird Milchsäure gewonnen, die – zu langen Polymeren verknüpft – sogenanntes Polylactid liefert, einen Biokunststoff, der z. B. zur Herstellung von Tüten oder Joghurtbechern verwendet wird.

Bagasse

Bei der Zuckerproduktion aus Zuckerrohr fallen faserige Reste an, die üblicherweise als Dünger oder zur Wärmeversorgung eingesetzt werden. Aus diesen Resten, Bagasse genannt, können Einwegprodukte wie Teller oder Becher gepresst werden.

Milchprotein

Viele Esswaren sind in Plastikfolie verpackt. Wie praktisch, wenn diese gleich mitgekocht und verspeist werden könnte. Das ist mit einer Folie aus Milchprotein (Casein) möglich. Auch Geschirrspül-Pads können damit verpackt werden.

Beispiel im Video

Pilzmyzel

Ein anderer Ansatz lässt Pilze für sich arbeiten. Abfälle aus der Agrarwirtschaft werden mit dem Myzel des Pilzes (den fadenförmigen Zellen, die für uns unsichtbar im Boden liegen) angeimpft. Das Myzel wächst und bildet eine feste Substanz, die z. B. als Ersatz für Styroporverpackungen oder als Isolationsmaterial benutzt werden kann.

Beispiel im Video

Algen

Meeresalgen brauchen weder Agrarland noch Dünger und wachsen schnell. Durch Fermentation entsteht Verpackungsmaterial, das sogar essbar ist, was seine Entsorgung vereinfacht. Es kann z. B. bei Trinkbechern oder Teebeuteln zum Einsatz kommen.

Beispiel im Video

Lebensmittelabfälle

Autoreifen sind ein grosser Verursacher von Mikrogummi. Ideen zur Verbesserung der Ökobilanz von Reifen beinhalten z. B. den Ersatz von Russ durch Eierschalen und Tomatenpelle oder die Gewinnung von Naturkautschuk aus Löwenzahn statt aus dem Kautschukbaum.

Recycling/Waste-to-Energy

Alternativer Kunststoff wird wohl nicht alles Plastik ersetzen können. Es ist deshalb genauso wichtig, die anfallenden Plastikabfälle klug zu nutzen. So gibt es z. B. Bestrebungen, aus Plastikmüll Diesel zu erzeugen oder Plastikabfall mittels 3D-Druck ein zweites Leben zu geben. Forscher haben ein Enzym entdeckt und weiterentwickelt, das in der Lage ist, PET zu zersetzen und in Zukunft das Recycling optimieren könnte.

Was ist Bioplastik?

Der Begriff "Biokunststoff" oder "Bioplastik" kann zweierlei meinen:

  • Biologisch abbaubare Kunststoffe, die (häufig nur unter bestimmten Bedingungen) von Organismen zersetzt werden können. Das können auch Kunststoffe aus nicht nachwachsenden Rohstoffen sein.
  • Kunststoffe aus nachwachsenden biologischen Grundstoffen (biobasierte Kunststoffe). Diese sind nicht unbedingt biologisch abbaubar.

Mehr zur Definition und richtigen Entsorgung von Biokunststoffen findest du hier.

Lies auch unseren Artikel "Was sind Biokunststoffe?"

Quelle: Technoscope 4/20: Plastikmüll. Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche

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