Warum die Aquarienpflanze nichts im Bach zu suchen hat

In der ganzen Schweiz treten sowohl an Land als auch in Gewässern sogenannte „invasive Arten“  auf. Sie sind ziemlich schwierig zu bekämpfen.

Japanischer Staudenknöterich

Der invasive japanische Staudenknöterich bildet dichte Bestände, auch entlang von Schweizer Gewässern. Bild: CanStockPhoto

Was ist eine invasive Art?

Eine Art wird dann als invasiv bezeichnet, wenn sie sich an einem Ort, an dem sie ursprünglich nicht heimisch war, stark ausbreitet und dort einheimische Arten verdrängt. Eine invasive Art kann ihrer neuen Umgebung dadurch grossen Schaden zufügen. Im Vergleich dazu hat sich eine einheimische Art über lange Zeit an ihre Heimatregion angepasst und ist dort in der Regel Teil eines Ökosystems, das sich im Gleichgewicht befindet.

Die Ausbreitung von invasiven Arten stellt in der Schweiz beispielsweise den Kanton Aargau vor eine grosse Herausforderung. Die vielen Flüsse und Gewässer des Kantons ermöglichen diesen Arten eine erleichterte Verbreitung, da kleinste Pflanzenteile über grössere Distanzen auf dem Flussweg transportiert werden und sich am neuen Standort ansiedeln und weiter ausbreiten können. Zum Schutz des Grundwassers ist es im Kanton Aargau entlang von Flussläufen nicht erlaubt, Pestizide zu spritzen. Dies ist ein Grund mehr, wieso sich invasive Arten wie beispielsweise der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) vor allem an kahlen und freien Flächen entlang von Flüssen ungestört ausbreiten können.

Nicht jede gebietsfremde Art ist jedoch invasiv; sie wird nur dann so bezeichnet, wenn sie sich schädlich auf die vorhandenen einheimischen Arten auswirkt und deren Existenz bedroht. Ein Grossteil der eingeschleppten fremden Arten siedelt sich nicht erfolgreich an und verschwindet wieder. Dies hängt stark von ihren Eigenschaften ab: invasive Arten zeichnen sich durch ihre Robustheit und schnelle Vermehrung aus; beispielsweise kann der Japanische Staudenknöterich bereits aus kleinsten Pflanzenteilchen eine komplett neue Pflanze ausbilden.

Wie kommen invasive Arten in die Schweiz?

Viele Pflanzen, die an Land oder im Wasser ein Problem darstellen, wurden ursprünglich als Zierpflanze importiert und in privaten Gärten angesiedelt. Invasive Tierarten wurden hingegen teilweise gezielt eingesetzt, um andere Arten zu verdrängen, die vom Menschen als schädlich angesehen wurden. Dies war beispielsweise der Fall beim Asiatischen Marienkäfer, der zur biologischen Schädlingskontrolle in Gewächshäuser gebracht wurde. Dort hatte er die Aufgabe, einheimische Pflanzenschädlinge zu unterdrücken und zu bekämpfen. Der Asiatische Marienkäfer konnte sich in der Schweiz jedoch so erfolgreich vermehren und ausbreiten, dass er nun den einheimischen Marienkäfer zu verdrängen droht.

Am häufigsten erfolgt die Verschleppung von Arten in Gewässern unbewusst durch Boote und Wassersportgeräte, die sich über weite Distanzen bewegen. Organismen, die sich am Bootsrumpf anheften, gelangen so in neue Gebiete.

Wie können invasive Arten bekämpft werden?

Zur Bekämpfung von invasiven Arten an Land oder im Wasser bestehen nur wenige effiziente Möglichkeiten. Da die Anwendung von Pestiziden wie erwähnt entlang von Gewässern nicht erlaubt ist, werden die Pflanzen im Wasser und am Ufer häufig von Hand  ausgerissen. Diese Bekämpfungsmethode ist sehr arbeitsintensiv und zeigt nur Erfolg, wenn die ganzen Pflanzen möglichst restlos entfernt werden können.

Die Reinigung von Booten nach längeren Fahrten könnte dem Einschleppen gebietsfremder, invasiver Arten allenfalls entgegenwirken. Diese Massnahme setzt voraus, dass sich Bootsbesitzer der Problematik bewusst sind und sich bereit erklären, ihre Boote regelmässig zu reinigen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass viele invasive Arten einst bewusst vom Menschen in die Schweiz gebracht wurden, sei es als Zierobjekt für den eigenen Garten oder zur Bekämpfung einheimischer Schädlinge. Zwar werden nur wenige gebietsfremde Arten tatsächlich zu einem ernstzunehmenden Problem, doch sie können dafür in umso grösseren Beständen auftreten. Dann wird ihre Bekämpfung teuer und aufwendig. Jeder kann jedoch mithelfen, die Einschleppung von gebietsfremden Arten zu verhindern und Bestände von invasiven Arten zu entfernen.

Elodea Nuttallii, die sogenannte Wasserpest

Elodea Nuttallii, die sogenannte Wasserpest. Bild: Christian Fischer/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Die „Pest“ aus dem Aquarium

Aquarienliebhaber können ebenfalls eine Rolle bei der Ausbreitung gebietsfremder Arten spielen. Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Schmalblättrige Wasserpest (Elodea nuttallii) breitet sich in der Schweiz heute vor allem im Genfersee und in der Rhone stark aus, wo sie die einheimische Wasserflora verdrängt und dichte Bestände bildet. Die beliebte Aquarienpflanze sollte also keinesfalls unvorsichtigerweise „ausgesetzt“ werden. Wie der Japanische Staudenknöterich kann sich die Wasserpest nämlich bereits aus sehr kleinen, abgetrennten Pflanzenteilen wieder regenerieren und zu einer neuen Pflanze heranwachsen.

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