Es ist ein Bild, wie es gerne in Gruselfilmen verwendet wird, um eine gespenstische Stimmung zu erzeugen: Dichter Nebel, der durch den Wald oder einem Fluss entlang zieht und ein altes Gemäuer einhüllt … Die grauen Schwaden drücken auf die Stimmung, da sie das Sonnenlicht verschleiern und alles in ein unbestimmtes Grau hüllen. Bereits das Bild einer nebligen Landschaft lässt einen die Feuchtigkeit auf der Haut beinahe spüren! Nicht zuletzt behindert Nebel die Orientierung, was insbesondere auf hoher See oder auf einer gleichförmigen Ebene gefährlich werden kann: Hindernisse oder plötzliche Veränderungen in der Umgebung werden dann zu spät wahrgenommen. Aber wie entsteht Nebel eigentlich, und warum erleben wir es gerade im Herbst und Winter so häufig?
Bild: Annie Spratt auf Unsplash
In kalter Luft kondensiert Wasserdampf zu Tröpfchen
Je nach Wetterlage enthält die Luft an einem bestimmten Ort unterschiedlich viel Wasserdampf. Überschreitet die Wasserdampfmenge einen kritischen Punkt, so ist die Luft „gesättigt“, und der überschüssige Wasserdampf kondensiert zu Wassertröpfchen oder Eiskristallen. Das Bild zeigt ein sogenanntes Sättigungsdiagramm: Diese Kurve zeigt an, bei welcher Temperatur und wie viel Wasserdampf in der Luft die Kondensation beginnt.
Wolken bis zum Boden
Die kondensierenden, fein verteilten Wassertröpfchen bilden Wolken – oder, wenn dies in Bodennähe geschieht, Nebelschwaden. Nebel ist also im Prinzip nichts anderes als eine Wolke mit Bodenkontakt!
Damit sich diese Wassertröpfchen bilden können, braucht es sogenannte Kondensationskeime. Das sind winzige Teilchen wie Schmutz, Russ oder Salz, die sich in der Luft befinden und dem Wasserdampf eine Oberfläche bieten, an der er zu Wasser kondensieren kann.
Kalter Boden und Küstenlinien: Typische Nebel-Orte
In der Meteorologie, also der Wetterkunde, unterscheidet man verschiedene Nebelarten nach ihrer Entstehungsart. Strahlungsnebel beispielsweise entsteht durch die Auskühlung der Erde in der Nacht. Dabei sinken auch die Temperaturen der erdnahen Luftschichten, und ein Teil des ausgekühlten Wasserdampfs in Bodennähe kondensiert zu Nebel.
Oft entsteht Nebel an Seen oder Küsten. Über Gewässern ist die Luft oft kühler und feuchter als über der Erde. Wenn warme Luft vom Ufer dazu strömt, mischen sich die beiden Luftschichten; die warme Luft wird abgekühlt und es kommt zu Kondensation und Nebelbildung.
Nebel reduziert Kontrast, Helligkeit und Sichtweite
Von „Nebel“ sprechen wir im Alltag meist erst, wenn die Sichtweite weniger als 300 Meter beträgt und wir die graue Trübung deutlich wahrnehmen können. Meteorologinnen hingegen sprechen bereits bei einer Sicht von weniger als einem Kilometer von Nebel; reicht die Sicht bis vier Kilometer, bezeichnet man den feinen Schleier als „Dunst“.
Je nach Landschaftsform lässt sich beobachten, dass der Nebel sogenannte „Bänke“ bildet oder sich nur über bestimmte Höhenlagen erstreckt. In der Schweiz ist es das sogenannte Mittelland zwischen Jura und Voralpen, das im Herbst und Winter oft von einer dicken Nebelschicht bedeckt ist. Man spricht dann von Hochnebel. Oberhalb des Hochnebels herrscht normalerweise strahlender Sonnenschein, manchmal schon in einer Höhe von 900 m.ü.M. der Fall sein. Oft reicht die Nebelgrenze aber noch höher hinauf. Dann kann man erst von einer Bergspitze aus – zum Beispiel in einem Skigebiet – das Nebelwetter von oben betrachten und hat freie Sicht auf das „Nebelmeer“.
Gefrorener Nebel
Nebelbildung findet übrigens in fast allen Klimazonen der Welt statt. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt führt Nebel zur Bildung von Raureif und Eisblumen.
Nebel im Winter über dem Fluss Ibar. Bild: AgronBeqiri/Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0






