Dünne Luft und Höhenkrankheit

„Weil er da ist“ – sagte George Mallory auf die Frage, warum er den Mount Everest bezwingen wolle. Heute werden auch bei „gewöhnlichen“ Bergsteigern Trekkingtouren in 5000 bis 6000 Meter Höhe immer beliebter. Schlecht vorbereitet kann jedoch schon ab 2500 m.ü.M. die sogenannte Höhenkrankheit auftreten.

Ama Dablam - das „Matterhorn Nepals“

Der Berg im Hintergrund mit dem Namen Ama Dablam wird auch das „Matterhorn Nepals“ genannt. Er ist 6856 m hoch. Bild: DMSU/Shutterstock.com

Wer denkt schon vor einem Kurztrip aufs Jungfraujoch an Höhenkrankheit? Jeder Dritte bekommt aber bereits hier nach 4 Stunden Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel. Über 4000 Meter wird bereits jeder Zweite ohne Vorbereitung krank. Viele Leute sind überrascht, dass sie die Höhe schlecht vertragen.

Höhenkrankheit kann schon ab 2500 Meter über Meer auftreten

Je höher man steigt, desto tiefer sinkt die Sauerstoffkonzentration in der Luft. Auf 5000 Meter gibt es nur noch halb so viel Sauerstoff wie auf Meereshöhe. Auf dem Mount Everest, in 8850 Metern Höhe, sinkt die Sauerstoffkonzentration auf einen Drittel.

Um diesen Mangel an Sauerstoff auszugleichen, ergreift der Körper verschiedene Massnahmen: Die Atmung wird schneller, damit mehr Sauerstoff ins Blut gelangt. Gleichzeitig beschleunigt sich auch der Herzschlag. So wird der Sauerstoff in den Blutbahnen schneller durch den Körper transportiert. Das Kreislaufsystem arbeitet auf Hochtouren. Dies bedeutet einen Stresszustand für den Körper und der Blutdruck steigt an. Jede noch so kleine Bewegung erfordert in der Höhe grösste Anstrengung.

Erste Symptome: Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel

Diese Anzeichen treten schon ab 2500 Metern auf. Ab 6000 Metern trifft es beinahe jeden. Inzwischen weiss man, dass sich in der Höhe die roten Blutzellen im Körper vermehren, um den Sauerstoffmangel auszugleichen. Geschieht dies aber nicht schnell genug, kommt es zu gefährlichen Herzproblemen und zu Wasseransammlungen (Ödemen) in der Lunge und im Gehirn.

Durch den steigenden Druck des Blutes wird nämlich Flüssigkeit in das Gewebe gepresst und sammelt sich in den Lungenbläschen (Lungenödem) und im Gehirn (Gehirnödem) an. Beim Lungenödem kommt es durch das Wasser in den Lungenbläschen zu massiven Atembeschwerden und zu Husten mit blutig-schaumigem Auswurf. Beim Gehirnödem weiten sich die Gehirngefässe, und Flüssigkeit sammelt sich im Gewebe an. Der Gehirndruck steigt an, was zum Tod führen kann.

Mount Everest

Sagarmatha – „Stirn des Himmels“ – heisst der Mount Everest in der Sprache Nepals. Die Tibeter nennen ihn Chomolungma, „Mutter des Universums“. Bild: Galyna Andrushko/Shutterstock.com

Wichtigste Massnahme ist der sofortige Abstieg

So weit darf es natürlich nicht kommen, und die einzige Gegenmassnahme bei akuter Höhenkrankheit ist der sofortige Abstieg in tiefere Lagen. Vorbeugen kann man der Höhenkrankheit nur durch gute Vorbereitung. Wer vorhat, in grosse Höhen zu steigen, sollte seinem Körper Zeit geben, sich langsam an die äusseren Veränderungen anzupassen. Täglich sollten dabei nicht zu viele Höhenmeter überwunden werden. Der Aufstieg über mehrere Tage ermöglicht dem Körper, sich langsam anzupassen.

Völker, die in hohen Höhenlagen leben, haben spezielle genetische Eigenschaften

Schon seit einiger Zeit wurde beobachtet, dass die Tibeter im Himalaya sowie Völker in den Anden oder im Äthiopischen Hochland besser an das Leben in der Höhe angepasst sind. Durch natürliche Selektion haben sich nämlich verschiedene Anpassungsstrategien durchgesetzt: Die Bevölkerung der Anden hat mehr Hämoglobin in den roten Blutzellen. Dadurch kann ihr Blut mehr Sauerstoff transportieren. Bei den Tibetern fanden die Forscher aber sogar weniger Hämoglobin als bei Menschen aus dem Flachland. Bei ihnen wurden spezielle Genvarianten entdeckt, die es möglich machen, den vorhandenen Sauerstoff effizienter zu nutzen.

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