Hightech auf dem Bauernhof

Traktoren, die mit GPS präzis gesteuert werden. Düngemittel, die anhand von Satellitenbildern ausgetragen werden. Kühe, die vollautomatisch gemolken werden: Auf dem Bauernhof kommt bei immer mehr Arbeitsschritten modernste Technologie zum Einsatz.

Moderne Landmaschinen fahren zentimetergenau über das Feld

Dank GPS-Steuerung fahren die Landmaschinen zentimetergenau über das Feld. Bild: Agroscope Reckenholz-Tänikon

In der Werbung wird den Konsumentinnen und Konsumenten nach wie vor ein sehr nostalgisches Bild der Landwirtschaft vermittelt. Doch die Realität auf dem Bauernhof sieht anders aus. In immer mehr Bereichen setzen die Landwirte heute spezialisierte Technik ein, sowohl bei der Bewirtschaftung der Felder als auch im Stall. «Viele technologische Neuerungen wirken von aussen wenig spektakulär», erklärt Thomas Anken von der Agroscope Reckenholz-Tänikon. «Deshalb werden sie von Laien auch kaum als solche wahrgenommen.»

Boden weniger verdichten

Cockpit eines modernen Traktors

Das Cockpit eines modernen Traktors ist mit Bedienterminals und Joysticks ausgerüstet. Bild: Agroscope Reckenholz-Tänikon

Hightech kommt zum Beispiel im Ackerbau zum Einsatz. Mehrmals pro Jahr muss der Bauer mit seinen schweren Maschinen über das Feld fahren: Zum Aussähen, um Pfl anzenschutzmittel zu sprühen, zum Düngen und schliesslich auch zum Ernten. Das führt dazu, dass der Oberboden zunehmend verdichtet wird; die Pflanzen wachsen weniger gut und es gibt Staunässe. Werden die Maschinen mit modernen Navigationsgeräten ausgerüstet, lässt sich die verdichtete Fläche auf ein Minimum reduzieren. Die Geräte können dank GPS die Position der Landmaschinen auf zwei Zentimeter genau lokalisieren. Dadurch kann der Landwirt jedes Mal präzis auf den genau gleichen Spuren fahren. «Controlled traffic farming» nennt sich der Ansatz, der vor allem in Australien schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt wird. «Allerdings sind diese Geräte heute noch sehr teuer», erklärt Anken, der den Nutzen dieser Systeme untersucht hat. «Deshalb lohnt sich ihr Einsatz nur auf grösseren Flächen.»

Felder gezielter bewirtschaften

Auch eine andere innovative Technologie macht man sich bei der Bewirtschaftung vor allem sehr grosser Felder zunutze: Mit Hilfe von Bildern, die von Flugzeugen oder Satelliten aus aufgenommen werden, lässt sich bei einem beliebigen Feld relativ genau sagen, wo der Boden wie viel Stickstoff benötigt, damit der Ertrag optimal ausfällt. «Mit solchen Informationen kann der Bauer die Felder viel gezielter bewirtschaften», erklärt Anken. «Dadurch kann der Düngereinsatz optimiert werden.» In Frankreich zum Beispiel lassen sich bereits viele Bauern von einer spezialisierten Firma beraten, wo sie wie viel Dünger austragen sollen.

Vollautomatisches Melken und Füttern

Hightech setzen die Landwirte auch in der Milchwirtschaft ein. Sie lassen die Kühe immer mehr vollautomatisch melken. Eine Kuh geht dazu einzeln in eine Box, wo der Melkroboter ihr zuerst die Zitzen wäscht und danach die Melkmaschine ansetzt. Gleichzeitig misst der Roboter das Gewicht der Kuh sowie die erzeugte Milchmenge und bestimmt die Zusammensetzung der Milch. «Diese Daten helfen dem Bauern, die Kühe optimal zu versorgen.» Auch bei dieser Aufgabe unterstützt die Technik die Landwirte: Sogenannte Fütterungsroboter sorgen dafür, dass jede Kuh genau die richtige Menge Futter bekommt.

Rehkitz

Im Gras versteckte Rehkitze sind beim Mähen in grosser Gefahr. Bild: CanStockPhoto

Drohnen retten Rehkitze

In der Schweiz sterben jedes Jahr über 3000 Rehkitze, weil sie – gut versteckt im hohen Gras – beim Mähen nicht rechtzeitig entdeckt werden. Forschende der Hochschule für Agrar-, Forst und Lebensmittelwissenschaften der Berner Fachhochschule haben nun ein Verfahren entwickelt, das vielen Jungtieren das Leben retten könnte. Dazu haben die Forschenden einen ferngesteuerten «Multikopter » mit einer Thermalkamera ausgerüstet. Das Fluggerät schwebt über die zu mähenden Wiesen und macht dabei einen Wärmefilm. Auf diesem Film sind die Rehkitze wegen ihrer Körperwärme als helle Flecken erkennbar, so dass die Bauern wissen, wo sich die Tiere aufhalten.

Text: SATW / Felix Würsten
Quelle: Technoscope 3/13: Agrartechnik. Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche

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