Wie entsteht eine Lawine?

In alpinen Gebieten liegt der Schnee wegen des wechselnden Wetters meist in Schichten übereinander. Wenn die Schneeschichten zu unterschiedlich sind und darum nicht aneinander haften, können sie an steilen Hängen ins Rutschen kommen.

Lawine

Lawinen: ein beeindruckendes Naturspektakel. Bild: CanStockPhoto

Auch in diesem Winter gilt in den Bergen wieder: Vorsicht vor Lawinen! Wenn auf den Pisten die rote Lawinen-Warnlampe blinkt, sollte man keinesfalls abseits der markierten Pisten fahren. Vor allem risikofreudige Ski-Tourenfahrer sollten vor einer Tour die Lawinen-Gefahr richtig abschätzen. Leider sterben in den Schweizer Alpen und in alpinen Gebieten auf der ganzen Welt immer wieder Menschen durch einen Lawinenabgang.

Schneebretter sind am gefährlichsten

Aus der Ferne betrachtet können Lawinen faszinierend aussehen: Eine weisse Staublawine donnert den Berg hinunter. Aber wehe, wer ihr zu nahe kommt! Es gibt zwei verschiedene Arten von Lawinen: Die Lockerschneelawinen und die Schneebrettlawinen. Bei den Lockerschneelawinen löst sich nur an einer kleinen Stelle etwas Schnee, welcher dann weiteren Schnee an sich und mit sich reisst. Für Wintersportler besonders gefährlich sind Schneebrettlawinen. Dabei löst sich am Hang auf einmal eine grössere Schneetafel – das Schneebrett– und rutscht ins Tal. Um Pisten und bewohnte Gebiete zu schützen, lösen Gebirgsspezialisten oft künstliche Lawinen aus, bevor zu viel Schnee liegt.

Zusammensetzung der Schneeschichten

Wie hoch die Lawinengefahr ist, hängt von der wetterbedingten Zusammensetzung der einzelnen Schneeschichten ab. Wenn diese zu unterschiedlich sind, besteht die Gefahr, dass sich die Schneekristalle der übereinanderliegenden Schneeschichten nicht miteinander verbinden können. Ein Beispiel: Hat es lange geschneit, entsteht eine dicke, aber leichte Schneeschicht. Wenn dann die Sonne hervorkommt, schmilzt der Schnee langsam, und es bildet sich an der Oberfläche eine Schicht mit nassem, schwerem Schnee. An diesem Punkt besteht schon Lawinen-Gefahr, da diese Schicht nur schlechten Halt auf dem darunterliegenden weichen Schnee findet. Nachdem die Schicht mit dem schweren, nassen Schnee über Nacht hart geworden ist, ist die Lawinengefahr am grössten. Je steiler der Hang und je weniger Bäume und sonstige Hindernisse im Weg sind, desto grösser ist die Lawinengefahr.

Gefährlich ab 30 Grad

Bisher gingen die Experten davon aus, dass Schneebrettlawinen an Hängen mit einer Neigung von mehr als 30 Grad entstehen. Hier kann die oberste Schneedecke durch die Schwerkraft zerreissen. Dieser Riss wird rasch grösser, und schliesslich gleitet ein ganzes Schneebrett nach unten. Eine Lawine kann durchaus von alleine losgehen, doch immer wieder lösen auch Wintersportler Lawinen aus. Dies kann sogar geschehen, wenn sie in flacherem Gelände unterwegs sind, und zwar meistens, wenn sie unterhalb eines steilen Hangs durchfahren. Denn manchmal reicht schon das Gewicht der Tourenfahrer, um die Lawine auszulösen.

Die Schneedecke sackt zusammen

Um dies zu verstehen, muss man die instabile Schneeschicht genauer betrachten: Es ist ein Bereich mit grossen Hohlräumen zwischen den Eiskristallen. Wenn nun ein Tourenfahrer diesen Bereich betritt, kollabiert die Eisschicht, und die beiden Schneedecken sind nicht mehr fest miteinander verbunden. Der Kollaps breitet sich innert Sekunden über eine grössere Fläche aus. Wenn nun ein steiler Hang in der Nähe ist und auch dort die instabile Schicht zusammenbricht, wird augenblicklich ein Schneebrett ausgelöst.

Der Begriff Lawine wird auch im Zusammenhang mit anderen Materialien verwendet. Es gibt zum Beispiel Gesteinslawinen, Gerölllawinen oder Schlammlawinen. Das Wort Lawine leitet sich vom lateinischen Wort „labina“ ab, das so viel heisst wie „das Rutschen, Gleiten“.

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