Edelstein, Schnecke & Brennnessel: Die erstaunliche Welt der Farben

Was wäre eine Welt ohne Farben? Höhlenmalereien, gefärbtes Glas, bunte Kleiderstoffe und farbig bedrucktes Papier – ohne Farbmittel undenkbar. Hier erfährst du, wie man Farben hergestellt hat und herstellt, vom Steinzeitalter bis zur Gegenwart.

Farbpigmente können natürlich oder künstlich hergestellt sein

Farbpigmente können natürlich oder künstlich hergestellt sein – für jede Farbvariante gibt es das richtige Rezept. Bild: Dmitry Chernobrov/Shutterstock.com

„Farbe“ ist nicht gleich „Farbe“: Die vielen verschiedenen farbgebenden Stoffe, auch „Farbmittel“ genannt, kann man auf sehr unterschiedliche Art beschreiben und einteilen. Wenn sich das Farbmittel im Material, das man zum Malen oder Färben benutzt, nicht lösen lässt, so nennt man es Farbpigment. Ist es löslich, so ist es ein Farbstoff.

Farbstoffe und Farbpigmente

Um Textilien, Papier oder Leder einzufärben, benutzt man meistens Farbstoffe. Auch beim Färben von Lebensmitteln und als Tinten leisten diese Farbmittel gute Dienste. Sie werden mit einem „Anwendungsmedium“ (zum Beispiel Wasser) gemischt; in diesem Medium lassen sie sich gut lösen. Es gibt viele Naturfarbstoffe, wie das Karmin aus der Cochenille-Schildlaus oder das Carotin aus Karotten. Auch kann man gewisse Farbstoffe synthetisch herstellen, wie zum Beispiel Teerfarbstoffe.

Farbpigmente dagegen werden eher in Malerfarben, Buntstiften, Druckfarben, Kosmetika und Lacken verwendet. Sie sind im Anwendungsmedium nicht löslich und werden darum oft mit einem Bindemittel gemischt. Dieses macht, dass die Pigmente besser aneinander und an der Unterlage haften. Wie bei den Farbstoffen sind die Farbpigmente natürlich (zum Beispiel Erdfarben, wie Ocker oder Umbra) oder synthetisch hergestellt (zum Beispiel Russ). Das erste künstliche Pigment wurde 1706 hergestellt; die Farbe trägt den Namen „Berliner Blau“.

Die Farbpalette eines Höhlenmalers

Wenn wir weiter in der Weltgeschichte zurückblicken, sehen wir: Schon sehr früh hatten die Menschen offensichtlich Freude an verschiedenen Farben. Bereits die Steinzeitmenschen bemalten Felsen mit Erd- und Mineralfarben. Diese Farben sind sehr stabil und werden nicht durch Luft und Licht verändert, darum können wir diese Bilder heute immer noch sehen. Der Steinzeitmaler konnte dank Sand, Schlamm, verschiedenen Erdmischungen und Gesteinen vor allem mit Braun- und Rottönen malen. Kohle brachte noch etwas Schwarz in das Kunstwerk.

Die eigentlichen Farbstoffe in den Erdfarben sind die verschiedenen Eisenoxide, die von sandbraun bis zu rostrot verschiedene Farbtöne hervorbringen. Mineralfarben bieten eine noch weit grössere Farbpalette. Aus Lapislazuli zum Beispiel wird mit viel Arbeit das kostbare Ultramarinblau hergestellt. Grünpigmente können aus Halbedelsteinen wie Malachit gewonnen werden.

Purpur aus Schnecken und Indischgelb aus Rinderurin

Neben Gesteinen und Erdmaterialien dienen auch Pflanzen und Tiere als „Farblieferanten“. Im Pflanzenreich finden wir zum Beispiel verschiedene Lebensmittelfarben, wie Safran, Paprika, Rote Beete oder Brennnesseln. Auch das begehrte Indigo stammt von einer Pflanze, der Indigofera tinctoria. Heute kann man diesen Farbstoff allerdings auch synthetisch herstellen. Dank dem Indigo ist unsere zeitlose Bluejeans so schön blau.

Ein Tierfarbstoff ist zum Beispiel das Purpur, welches früher aus der Purpurschnecke gewonnen wurde. Man brauchte ungefähr 8000 Schnecken für ein Gramm Purpur! Dies machte den Farbstoff natürlich zu einem der Kostbarsten, und purpurfarbene Kleidung war lange Zeit nur wenigen Leuten vorbehalten. Ein anderes Tierfarbmittel, das Indischgelb, wurde von indischen Rindern produziert. Die Tiere wurden mit Mangobaumblättern gefüttert, und danach wurde der sehr gelbe Urin verdampft. So bekam man den „indischgelben“ Farbstoff.

Inzwischen kann man Purpur, Indischgelb und viele andere Tierfarbmittel dank der Entwicklung von verschiedenen chemischen Verfahren künstlich herstellen. Kein Tier muss also sein Leben mehr für ein wenig Farbe opfern!
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