Warum sind in der Tierwelt die Männchen meist bunter als die Weibchen?

Bunte Farben und auffällige Merkmale haben im Tierreich Vor- und Nachteile. Sie kommen oft nur bei den Männchen einer Tierart vor; das hängt damit zusammen, dass sich bei diesen Tierarten das Männchen gegen Konkurrenten bei der Partnersuche durchsetzen und das Weibchen mit seiner Auffälligkeit beeindrucken muss.

Pfau

Das Pfauenmännchen ist sehr viel auffälliger als das Weibchen. Bild: CanStockPhoto

Vom Löwen über den Hirsch bis zum Pfau: Die Männchen sind im Tierreich, vor allem bei den Wirbeltieren, oft grösser, kräftiger, farbiger oder auf andere Weise auffälliger als die Weibchen. Neben dem stolzen Pfauenhahn mit seinen blau-grün-gold schimmernden Schwanzfedern wirkt die Pfauenhenne geradezu langweilig in ihrem bräunlichen Federkleid. Auch die Männchen vieler anderer Vogelarten ziehen alle Blicke auf sich, während die Weibchen ziemlich unscheinbar sind.

Pfauenhenne

Die Pfauenhenne trägt ein unscheinbares Federkleid. So ist sie gut getarnt, wenn sie auf dem Waldboden ihre Eier ausbrütet. Bild: CanStockPhoto

Eigentlich müssten die farbenprächtigen Männchen ein sehr schwieriges Leben führen, da sie äusserst schnell von Fressfeinden entdeckt werden. Ausserdem kommen die langen Schwanzfedern dem Pfau ständig in den Weg, er kann weder schnell rennen noch fliegen. Solche auffallenden Merkmale scheinen also vor allem Nachteile zu haben. Wie kommt es, dass sie trotzdem überleben und offensichtlich auch viele Nachkommen mit denselben Merkmalen haben?

Die Evolution wirkt in verschiedene Richtungen

Charles Darwin, der Begründer der Evolutionstheorie, hat sich mit der Frage beschäftigt, wie Tierarten entstanden sind und wie sie überleben. Dabei entdeckte er, dass Tiere sich über die Generationen hinweg immer besser an ihre Umwelt anpassen, also an Temperatur, Struktur ihres Lebensraums, verfügbare Nahrung und Zahl der Feinde. Er nannte die Anpassung der Tiere an ihre Umgebung „natürliche Selektion“. Aber auch der Erfolg bei der Partnersuche ist wichtig für das Überleben einer Art.

Bei vielen Tieren sind die Weibchen bei der Partnersuche wählerischer. Sie können jedes Jahr nur wenige Nachkommen haben und kümmern sich oft auch um die Jungen, bis diese selbstständig sind. Deshalb möchten sie natürlich nur mit dem „besten“ Männchen Nachwuchs haben, damit ihre Jungen möglichst viele von dessen Eigenschaften erben.

Manchmal gilt: Je bunter desto besser

Die Männchen vieler Tierarten können jedoch mit mehreren Weibchen Nachwuchs zeugen und müssen sich dabei gegen andere Männchen durchsetzen. Dabei helfen ihnen ihre Grösse und Stärke, Merkmale wie Mähnen oder Geweihe – aber auch bunte Farben und ein beeindruckendes Aussehen, um die Weibchen auf sich aufmerksam zu machen!

Ausserdem signalisiert ein buntes Männchen dem Weibchen seine „Fitness“. Ein buntes Männchen kann es sich sozusagen leisten, so bunt zu sein, weil es gesund und kräftig ist. Bei gesunden Hähnen ist beispielsweise der Kamm leuchtend rot, während derjenige eines kranken Hahns eher blass erscheint. Ein solcher kranker Hahn wird viel seltener von einem Weibchen als Partner ausgewählt, denn das Weibchen spürt instinktiv, dass es mit einem bunten Männchen wahrscheinlich gesunderen Nachwuchs bekommen wird.

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