Cannabis als Heilmittel?

Cannabis wird von den einen als Genussmittel, von den anderen als Einstiegsdroge angesehen. Aber wusstest du, dass Cannabis auch medizinische Wirkungen hat?

Cannabis (Hanf)

Cannabis (Hanf), die Pflanze mit den vielen Gesichtern. Bild: CanStockPhoto

Was ist Cannabis?

Cannabis oder Hanf gehört zu den ältesten Nutzpflanzen. Bereits im alten China wurde Hanf zur Papierherstellung verwendet. Ausserdem dienten und dienen Fasern von Cannabis zur Herstellung von Stoffen und Seilen. Die getrockneten Blüten der Hanfpflanzen (Marihuana) und das Harz (Haschisch) werden als Rauschmittel verwendet. Mehr zu Cannabis als Rauschmittel kannst du im Artikel "Macht Cannabis süchtig?" nachlesen. Zunehmend werden auch die medizinischen Wirkungen von Cannabis bei bestimmten Erkrankungen erforscht.

Was hat Cannabis für medizinische Wirkungen?

Cannabis wirkt krampflösend, regt den Appetit an, lindert Schmerzen und beruhigt den Magen. Cannabis kann Patienten verabreicht werden, die unter starken Schmerzen leiden und mit keinem anderen Medikament Linderung erfahren. Bei Patienten mit multipler Sklerose kann Cannabis gegen Krämpfe wirken. Nicht alle Patienten profitieren aber von einer Cannabis-Therapie und nicht alle Wirkungen von Cannabis sind hinreichend untersucht worden. Daher unterliegt die Anwendung einer Cannabis-Therapie strengen Regeln.

Wie bekommt man das Medikament?

Auch wenn Cannabis gegen viele Krankheiten hilft, ist es sehr schwierig und mit einem grossen bürokratischen Aufwand verbunden, eine Bewilligung zu erhalten, um Cannabis als Medikament verwenden zu können. Diese Spezialbewilligung wird vom Bundesamt für Gesundheit, kurz BAG, nach einer detaillierten Prüfung ausgesprochen, sofern andere Medikamente und Therapieversuche nicht geholfen haben. Für so eine Sonderbewilligung muss der behandelnde Arzt genau beschreiben, wie die Behandlung aussehen wird, er muss alle 6 Monate einen Zwischenbericht über die Wirkung der Behandlung schreiben und einen Schlussbericht verfassen. Es muss geklärt werden, wie die Therapie finanziert werden soll und der Patient darf während der Therapie mit Cannabis nicht Auto fahren.

Was bekommt der Patient?

Mit der Spezialbewilligung erhält man dann nicht Zugang zu Cannabis, sondern zu einem halbsynthetisch hergestellten THC-Produkt. THC (Tetrahydrocannabinol) ist der Hauptwirkstoff der Cannabispflanze. Bei der medizinischen Anwendung wird nämlich nicht einfach Marihuana geraucht. Vielmehr wird aus Hanf ein bestimmter Stoff extrahiert (Cannabidiol), der dann zu THC (Dronabinol) umgewandelt wird. Daraus werden Tropfen hergestellt. Aus rechtlichen Gründen darf dafür kein Hanf mit hoher THC-Konzentration verwendet werden. Somit ist die Produktion von Dronabinol kostspielig. Um die hohen Kosten und die bürokratischen Verzögerungen zu umgehen, entscheiden sich viele schmerzleidende Patienten selber illegal Cannabis anzubauen oder es illegal zu beschaffen.

In der Schweiz verboten

In der Schweiz ist Cannabis nach wie vor verboten. Als rezeptpflichtiges Medikament ist nur ein Cannabis-Mundspray zugelassen als Mittel der zweiten Wahl bei Patienten mit Multipler Sklerose, die unter mittelschwerer bis schwerer Spastik leiden. Für andere Anwendungen muss der bereits erwähnte Weg über das BAG eingeschlagen werden. Wenn der THC-Gehalt aber weniger als 1% beträgt, ist Cannabis nicht verboten und wird als Industriehanf bezeichnet. Im Jahr 2008 gab es eine Abstimmung, ob Cannabis legalisiert werden soll. Diese Abstimmung wurde aber vom Volk abgelehnt. Daher ist Cannabis immer noch illegal und für eine Verbreitung von Cannabis als Medikament liegen noch einige Steine im Weg.

Durchschnittliche Bewertung:
  •  
(0 Bewertungen)

Was sagst Du dazu?

Dieser Artikel hat noch keine Kommentare erhalten.