Schmerzen messen - geht das?

Wenn du dich beim Sport verletzt hast, kannst du es in der Regel deinem Trainer mitteilen. Indem du schreist, weinst oder den Schmerz beschreibst. Doch wie kann man Schmerzen bei Menschen feststellen, die sich krankheitsbedingt nicht ausdrücken können? Und wie kann man die Entwicklung von Schmerzen über einen längeren Zeitraum verfolgen? Dafür müsste man Schmerzen messen können.

Verletzter Fussballspieler

Häufig ist es offensichtlich, dass jemand Schmerzen hat. Doch kann man auch messen, wie gross die Schmerzen sind? Bild: CanStockPhoto

Schmerz ist eine subjektive Empfindung. Das bedeutet, dass dein Teamkollege nicht wissen kann, wie stark dir der verstauchte Fuss weh tut. In der Regel ist dies auch nicht notwendig. Du kannst selber dem Arzt mitteilen, ob der Schmerz unerträglich oder doch wieder am Abklingen ist. Es gibt aber auch Fälle, bei denen eine genaue und möglichst objektive Beurteilung der Schmerzen wichtig ist. Durch die Quantifizierung des Schmerzes (also das Messen der Intensität des Schmerzes) bei chronischen Erkrankungen könnten Medikamente besser dosiert und der zeitliche Erfolgsverlauf einer Therapie besser beobachtet werden. Für Menschen, die sich nicht ausdrücken können, wäre es ebenfalls sehr hilfreich, wenn die Stärke ihrer Schmerzen ermittelt werden könnte. Dadurch könnte die Behandlung der Schmerzen optimiert werden.

Kann man aber Schmerz wirklich messen? Nun ja, nicht so, wie man zum Beispiel Fieber misst. Aber es gibt Möglichkeiten Schmerzen zu erfassen: via Schmerzskalen oder mittels einer chemischen Analyse.

Schmerzen erfassen

Visuelle Analogskala

Visuelle Analogskala

Bei der Methode der visuellen Analogskala wird die schmerzliche Empfindung auf einer 10 Zentimeter langen Linie eingetragen. Die Skala beginnt auf der linken Seite mit „gar kein Schmerz“ bis hin zu „unerträglicher Schmerz“ auf der rechten Seite der Linie. Der Patient trägt einen Strich an der Stelle der Linie ein, die seiner subjektiven Empfindung des Schmerzes entspricht. Dieser Wert kann dann in einen Zahlenwert umgewandelt werden, der Aufschluss über die Stärke des Schmerzes gibt. Die Werte können dann über einen längeren Zeitraum verglichen werden.

Numerische Ratingskala für Erwachsene und Skala mit Gesichtern für Kinder

Numerische Ratingskala für Erwachsene und Skala mit Gesichtern für Kinder

Bei der numerischen Ratingskala sind auf der Linie bereits Zahlenwerte von 0-10 eingetragen, wiederum mit denselben Schmerzextremen. Auch hier trägt der Patient seine Empfindung in der Skala ein, wodurch wiederum eine Entwicklung des Schmerzes über die Zeit beobachtet werden kann. Ein grosser Vorteil dieser Methode ist, dass die Person, die Schmerzen hat, nicht anwesend sein muss. Sie kann bloss den Zahlenwert angeben, beispielsweise via Telefon. Zudem können Kinder mithilfe von Gesichtern neben den Zahlenwerten besser Auskunft über ihre Schmerzempfindung geben.

Beide eben beschriebenen Methoden geben jedoch keinen objektiven Aufschluss über den jeweils empfundenen Schmerz. Sie dienen lediglich als Indikator, um die zeitliche Entwicklung des Schmerzes aufzuzeigen. Dadurch kann man sagen, ob der Schmerz mit der Zeit abnimmt, zunimmt oder gleich bleibt und die Schmerzbehandlung entsprechend anpassen.

Schmerzen indirekt detektieren

Eine neuere Methode zur objektiven Messung des Schmerzes, an der am Collegium Helveticum der Universität Zürich und ETH geforscht wird, möchte die Schmerzintensität mittels Enzymen erfassen. Hierfür wurden Tests mit Hitzeschmerzgeräten durchgeführt, wodurch die Testpersonen zunehmenden Schmerzen ausgesetzt wurden. Bei diesen Tests haben die Forscher das Enzym Alpha-Amylase in den Speichelproben der Testpersonen gefunden, das Aufschluss über die Schmerzintensität gibt. Die vorhandene Menge dieses Enzyms ist stressabhängig und da Schmerz eine Form von Stress ist, konnte eine Korrelation, also ein Zusammenhang, der Enzymmenge mit der Stärke des Schmerzes festgestellt werden. So wurden grössere Mengen des Enzyms gefunden, wenn die Testperson subjektiv stärkere Schmerzen empfunden hat. Dadurch kann eine gewisse Objektivität mit der subjektiven Empfindung des Schmerzes in Verbindung gebracht werden. Eine solche Methode könnte bei der Pflege von Personen mit beeinträchtigtem Bewusstsein hilfreich sein, um die Schmerzen, welche die Patienten erleben, besser einzuschätzen und die Schmerztherapie entsprechend anzupassen.

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