Was ist eine Anästhesie?

Einen Zahn ziehen lassen, ohne vorher eine Spritze bekommen zu haben? Eine Horrorvorstellung, die bei uns zum Glück niemand mehr erleben muss. Der Anästhesie, also der Ausschaltung der Schmerzempfindung, sei Dank!

Narkose

Bei zahnärtzlichen Eingriffen bekommt man meistens eine Spritze, die das Schmerzempfinden lokal ausschaltet. Bild: CanStockPhoto

Als Anästhesie bezeichnet man die Ausschaltung der Schmerzempfindung. Bei der Narkose wird der ganze Körper betäubt, bei der Lokalanästhesie nur bestimmte Körperregionen.

Welche Arten von Anästhesie gibt es?

Die Allgemeinanästhesie (Narkose, häufig fälschlicherweise als Vollnarkose bezeichnet) versetzt den Patienten in einen schlafähnlichen Zustand. Dabei verliert er das Bewusstsein und bekommt nichts von der medizinischen Massnahme mit. Falls du bereits eine Operation hinter dir hast, kannst du dich bestimmt erinnern, dass du währenddessen nichts vom Eingriff gespürt hast. Das ist der Narkose zu verdanken, die der Anästhesist dir zuvor verabreicht hat. Narkosen werden aber auch bei einem Kaiserschnitt oder bei zahnärztlichen Behandlungen von Patienten mit ausgeprägter Zahnarztangst eingesetzt.

Gerade bei kleineren Eingriffen werden aber auch Lokal- oder Regionalanästhesien eingesetzt, die nur bestimmte Bereiche des Körpers betäuben. Der Patient bleibt dabei bei Bewusstsein.

Bei der Lokal- oder Regionalanästhesie unterscheidet man verschiedene Verfahren:

  • Oberflächenanästhesie: Hier wird das Lokalanästhetikum auf die Körperoberfläche aufgebracht, breitet sich im Gewebe aus und erreicht die Nervenenden. Diese Methode eignet sich vor allem für die Betäubung der Hornhaut oder der Schleimhäute. Zur Oberflächenanästhesie der Haut  arbeitet man mit Cremes oder Kälte.
  • Infiltrationsanästhesie: Bei dieser Methode spritzt der Arzt das Lokalanästhetikum ins betroffene Gewebe. Dadurch werden die Nervenenden blockiert.
  • Regionalanästhesie: Bei der Regionalanästhesie blockiert man entweder Nerven an der Stelle ihres Austritts aus dem Rückenmark (rückenmarksnahe Regionalanästhesie), oder in ihrem weiteren Verlauf (periphere Nervenblockade). Bei der rückenmarksnahen Regionalanästhesie wird zudem zwischen der Spinal- und der Periduralanästhesie unterschieden.

Narkose und Lokalanästhesie werden auch ergänzend eingesetzt.

Wie wirkt die Narkose?

Bei einer Narkose injiziert der Arzt Schlafmittel, Schmerzmittel und oft auch muskelerschlaffende Medikamente. Die Narkose kann aber auch durch das Einatmen von Narkosegasen eingeleitet werden. Diese Methode bietet sich vor allem bei kleinen Kindern an, die sich vor der Spritze fürchten.

Sobald die Narkosemedikamente im Gehirn eine bestimmte Konzentration erreicht haben und zu wirken beginnen, kann die Operation starten. Weil der Patient durch die Wirkung der Medikamente nicht nur das Bewusstsein verliert, sondern auch die natürliche Atmung aussetzt, wird er für die Dauer der Narkose maschinell beatmet oder zumindest bei der Atmung unterstützt. Das geschieht in der Regel über eine Kehlkopfmaske oder über einen Beatmungsschlauch, der über den Mund in die Luftröhre geschoben wird.

Nach der Operation stoppt der Arzt die Zufuhr der Medikamente und beendet die künstliche Beatmung, sobald der Patient wieder selbst atmen, husten und schlucken kann.

Wie wirkt die Regionalanästhesie?

Damit wir Schmerz als solchen wahrnehmen, muss der Schmerzreiz einer Verletzung über verschiedene Nervenbahnen zum zentralen Nervensystem, also dem Gehirn und dem Rückenmark, geleitet werden. Lies dazu auch den Artikel „Aua! Das schmerzt. Aber warum?“.

Die Regionalanästhesie unterbricht genau diese Weiterleitung. Dazu wird das Hauptnervenbündel, das die betroffene Körperregion versorgt, mit dem Lokalanästhetikum umspritzt. Während rund 20 Minuten dringt das Betäubungsmittel dann in die Nervenfasern ein und verhindert so eine Weiterleitung der Schmerzimpulse zum Gehirn. Da der Effekt auch in umgekehrter Richtung eintritt – die Nervenleitung vom Gehirn zu den Muskeln wird unterbrochen – erschlaffen ausserdem die Muskeln der betroffenen Körperregion.

Wie risikoreich ist eine Anästhesie?

Anästhesierisiken sind vom jeweiligen Anästhesieverfahren und vom Gesundheitszustand des Patienten abhängig. Bei gesunden Menschen sind Komplikationen selten, bestehen jedoch schwere Erkrankungen von Herz oder Lunge, können Herz-Kreislauf- oder Beatmungsprobleme auftreten.

Bei einer Narkose sind die häufigsten Nebenwirkungen Übelkeit und Erbrechen, bei der Regionalanästhesie besteht das Risiko für Verletzungen von Nerven oder Gefässen durch die Einspritznadel.

Der Anästhesist, also ein Arzt, der sich im Bereich der Anästhesiologie spezialisiert hat, wählt in jedem Fall das Verfahren, das für den Patienten und die Operation den grössten Nutzen und das kleinste Risiko verspricht.

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