Hans Peter Wyss, Interaction Designer an der FHNW

Hans Peter Wyss ist Interaction Designer und hilft Firmen komplexe Daten zu visualisieren. Dafür entwickelt er vierdimensionale Systeme, die nicht nur das Reisen durch den Raum, sondern auch durch die Zeit ermöglichen. Eine Aufgabe, die sowohl technisches als auch gestalterisches Know-how verlangt.

Hans Peter Wyss

Auch virtuelle Projekte fangen immer mit Papier, Bleistift und Laptop an.

Ich finde es absolut faszinierend mir immer wieder neue Systeme auszudenken, um die Lücke zwischen Menschen und Technik zu verkleinern. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Windisch kann ich genau dies tun: Brücken bauen zwischen Technik und Menschen. Neudeutsch heisst das «Interface-Design». Ich bin überzeugt, dass dieser Bereich in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt wurde. Die Computer wurden zwar immer schneller und die Programme ausgefeilter, aber man hat sich zuwenig darum gekümmert, bessere Werkzeuge zur Bedienung von neuen Technologien zu entwickeln. Seit Jahrzehnten hantieren wir zur Steuerung des Computers hauptsächlich mit denselben Geräten: einer Maus und einer Tastatur.

Kunst und Technik vermählen

Mein erster Berufswunsch als Kind war Erfinder. Nach dem Gymnasium in Bern habe ich eine einjährige Ausbildung zum Multimedia Producer gemacht. Dort lernte ich all die grafischen Programme für die Film- und Bildbearbeitung sowie zum Erstellen von Animationen kennen. Danach studierte ich Medienkunst an der FHNW. Ich begeisterte mich dabei vor allem für die technischen Möglichkeiten, um Kunstwerke mit den Betrachtern interagieren zu lassen. Dafür benutzte ich jede Menge Sensoren, zum Beispiel für Interaktionen über die Bewegung, den Druck oder den Schall.

In enger Zusammenarbeit mit Entwicklern werden Designvorschläge auf Machbarkeit geprüft

In enger Zusammenarbeit mit Entwicklern werden Designvorschläge auf Machbarkeit geprüft, damit sich Mensch und Computer optimal verständigen können.

Um mein technisches Know-how auszubauen, entschied ich mich während des Studiums für ein mehrmonatiges Praktikum am Fraunhofer Institut in Stuttgart. Dort wird viel Grundlagenforschung im Bereich der Virtual Reality gemacht. Ich konnte damals meinen ersten eigenen Geräteprototypen bauen und programmieren. Diesen habe ich später sogar an einer Technikmesse präsentiert. Über das Fraunhofer Institut fand ich dann auch zu meiner heutigen Stelle beim Institut für 4D-Technologien der FHNW. Wir entwickeln dort einerseits Programme, die komplexe Daten einfach darstellen und andererseits neue Steuerungen für diese Programme. Dazu benutzen wir dreidimensionale Projektionen und ermöglichen auch Zeitreisen, also Simulationen in der vierten Dimension.

Oft entwickeln wir solche Programme mit einem Industriepartner zusammen. Zum Beispiel haben wir für die SBB eine Virtual Reality-Anwendung für den Bau programmiert. Die SBB wollte rund 300 Bahnhöfe erneuern, ohne dass der Zugbetrieb dadurch gestört würde - ein extrem komplexes Vorhaben. An unserem Institut wurde dazu ein System ausgearbeitet, mit dem die SBB-Planer ihre Bauvorhaben vorgängig visualisieren und durchleben konnten. Bei uns im Virtual Reality-Labor haben sie auf einer zwei Meter hohen Leinwand einzelne Bauphasen dreidimensional Schritt für Schritt simuliert. Dabei gewannen sie ein räumliches Gefühl für ihre Planungen und fanden heraus, ob die verschiedenen Bauetappen optimal aufeinander abgestimmt sind. Zum Beispiel konnten sie frühzeitig erkennen welche Baumaschinen überhaupt eingesetzt werden können, ohne dass sie nach dem Fortschreiten der Arbeiten plötzlich im Gebäude stecken bleiben.

Mit «Xbox»-Controller zu neuen Anwendungen

Am 3D Bildschirm werden komplexe, abstrakte Daten zu wahrnehmbaren Informationen.

Am 3D Bildschirm werden komplexe, abstrakte Daten zu wahrnehmbaren Informationen.

In einem anderen Projekt haben wir Daten zur Wohn- und Arbeitsdichte auf einer Schweizer Karte dreidimensional dargestellt. Zur Steuerung benutzen wir «Kinect», den neusten Controller der Spielkonsole «Xbox». Wir passen diesen zurzeit an unsere Bedürfnisse an und programmieren die Software um. In Zukunft können wir hoffentlich alleine durch Körperbewegungen vor der Leinwand über die virtuelle Schweiz «fliegen» und uns die Daten zu bestimmten Regionen in 3D anschauen. Verkehrsexperten könnten dieses Programm später nutzen, um Engpässe bei viel befahrenen Verkehrsknotenpunkten frühzeitig zu erkennen. Bei solchen Projekten bin ich für die reibungsfreie Interaktion zwischen dem Benutzer und dem Programm verantwortlich.

Mit grafischen Programmen, wie zum Beispiel Flash, erstelle ich erste Prototypen, die zeigen, wie die Kommunikation zwischen einem Programm und dem Benutzer später ablaufen soll. Hat man sich auf ein System geeinigt, setzen die Programmierer diese Ideen später in einem neuen Computerprogramm um. In Zukunft möchte ich neben dem Entwickeln von neuen Systemen auch Erwachsene in «Interaction Design» unterrichten. Damit könnte ich einen weiteren Beitrag dazu leisten, dass sich Techniker und Gestalter in Zukunft besser verstehen und die einzelnen Disziplinen etwas durchlässiger füreinander werden. Davon würden alle profitieren.

Bilder: SATW/Franz Meier
Text: SATW/Samuel Schläfli
Quelle: Technoscope 3/11: Virtuelle Realität
Technoscope - Das Technikmagazin der SATW für Jugendliche
 

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