Der rote Planet

Über Jahrhunderte hinweg hat der Mars die Fantasie der Menschen angeregt. Sein Name erinnert an den antiken Gott des Krieges, und später kamen Geschichten auf über Marsmonster, die eine Invasion auf die Erde planen. Dank der modernen Weltraum-Forschung kann der sagenumwobene Planet inzwischen genauer unter die Lupe genommen werden.

Der Mars auf einem Bild des Hubble-Teleskops

Unser Nachbar im Sonnensystem und doch so weit weg: Der Mars auf einem Bild des Hubble-Teleskops. Bild: NASA

Die Kamera der Raumsonde MRO schiesst faszinierende Bilder vom Mars. In dieser Fotostrecke von Spiegel online sind einige davon zu sehen. Ausserdem ermöglicht es Google Maps Mars, virtuell auf der Oberfläche des Mars spazierenzugehen! Wenn du eine Stelle besonders interessant findest, gib über die (englische) Website von HIRISE den Wunsch ein, sie von der Raumsonde MRO fotografieren zu lassen!

Der Mars ist in unserem Sonnensystem ein direkter Nachbar der Erde. Weil er (in astronomischen Massstäben) so nah ist, wurde er schon vor Jahrhunderten von Astronomen am Nachthimmel beobachtet. Lange glaubte man, die vielen Konturen und Linien auf dem roten Planeten seien Kanäle für Wasser oder andere Strukturen, die von intelligenten Wesen gebaut worden seien; die Idee des Marsmenschen war geboren. Schon bald erschufen Fantasie-Geschichten über Monster vom Mars den Mythos des bösen Aliens. Dieser Mythos hat bei vielen Menschen eine reale Angst vor einer Mars-Invasion ausgelöst – noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts!

Zu dünne Atmosphäre

Seit einiger Zeit weiss man jedoch, dass auf dem Mars kein höher entwickeltes Leben existiert. Erste Weltraum-Fotos aus den Sechzigerjahren bewiesen, dass die Strukturen auf der Marsoberfläche durch natürliche Einflüsse entstanden sind. Etwas später konnte man bereits Messungen an der Oberfläche und der Atmosphäre des Mars vornehmen. Die Ergebnisse dieser Messungen nahmen dem Marsmensch-Mythos dann endgültig den Wind aus den Segeln.

Den Mars umgibt eine sehr dünne Atmosphäre, weshalb der Planet keine Sonnenwärme speichern kann. Ohne konstante Sonnenwärme kann kein Leben existieren, wie wir es auf der Erde kennen. Tagsüber erreichen die Temperaturen auf der Oberfläche maximal 20 Grad Celsius, nachts sinken sie auf bis zu –140 Grad Celsius. Auch Wasser kann in flüssiger Form auf dem Mars also nur kurzzeitig vorkommen. Wissenschaftler vermuten, dass die Mars-Atmosphäre vor ein paar Milliarden Jahren noch dichter war und es reichlich flüssiges Wasser auf der Oberfläche gab.

Ein weiterer Grund, weshalb der Mars kein lebensfreundlicher Planet ist: sein schwaches Magnetfeld. Ein starkes Magnetfeld wie das der Erde bietet einen Schutzschild gegen hochenergetische Sonnen-Partikel. Diese Partikel wirken zerstörerisch auf organische Substanzen und damit auch auf Lebewesen wie uns. Solche Partikel gelangen beim Mars fast ungehindert an die Oberfläche.

Der Mars (rechts) ist ein Nachbar der Erde und nur halb so gross

Der Mars (rechts) ist ein Nachbar der Erde und nur halb so gross. Bild: NASA/Wikimedia Commons

Jahreszeiten auf dem Mars

Mit einem Durchmesser von knapp 6800 km ist der Mars nur halb so gross wie die Erde. Er ist der zweitkleinste Planet in unserem Sonnensystem. Wie die Erde besteht der Mars aus Gestein. Und noch weitere Eigenschaften haben diese zwei Planeten gemeinsam: Auch auf dem Mars gibt es 4 Jahreszeiten. Denn genau wie die Erde hat auch der Mars eine geneigte Achse.

Ein Marstag dauert etwa gleich lang wie ein Erdentag, das heisst, der Mars dreht sich etwa gleich schnell um die eigene Achse wie die Erde. Ein Marsjahr dauert allerdings um einiges länger, nämlich doppelt so lange wie ein Erdenjahr. So lange braucht der Mars, um die Sonne zu umkreisen. Zwei Monde begleiten ihn auf seiner Umlaufbahn.

Der Mars entstand, wie alle Planeten des Sonnensystems, vor etwa 4,5 Milliarden Jahren durch die Zusammenballung von Staub und Gas. Wegen seiner Farbe, die auf der Erde manchmal blutrot erscheint, wurde er in der Antike nach dem römischen Kriegsgott Mars benannt.

Der Marsrover Sojourner entnimmt Proben von einem Marsfelsen

Der Marsrover Sojourner entnimmt Proben von einem Marsfelsen. Bild: NASA/Wikimedia Commons

Wieso ist der rote Planet rot?

Rot ist der Mars wegen seines eisenhaltigen Gesteins, zum Beispiel dem Mineral Hämatit. Solche Mineralien, die Eisen enthalten, kommen auch auf der Erde vor; und dass Eisen unter verschiedenen Umwelteinflüssen eine rötliche Rostschicht bildet, können wir immer wieder an alten Metallgegenständen beobachten. Unter dem rötlichen Staub an der Oberfläche ist das Mars-Gestein jedoch nicht rot, sondern eher schwarz. Dieses Gestein ist zu einem grossen Teil Basalt, der ebenfalls auf der Erde vorkommt und unter anderem das Mineral Magnetit enthält.

Durch eine chemische Reaktion "verrostet" schwarzer Magnetit zu Hämatit. Es gibt verschiedene Theorien, wie das genau geschieht: Lange glaubte man, flüssiges Wasser hätte auf dem Mars vor Milliarden von Jahren diese Reaktion ausgelöst. Andere Wissenschaftler vermuteten, dass der rote Staub von Meteoriten und kosmischen Partikeln stammt, die aus dem Weltall auf den Mars herabrieselten. Die neuste Theorie besagt, dass Sandstürme, die auf dem Mars oft vorkommen, das Oberflächenmaterial des Gesteins abtragen. Dieses Material wird dann von den Sandstürmen so lange zermahlen, bis durch eine chemische Reaktion aus dem dunklen Basalt das rötliche Mineral Hämatit entsteht.

Welche dieser Theorien nun stimmt, wird man vielleicht schon in naher Zukunft erfahren können. Es sind nämlich viele weitere Marsmissionen mit Roboter-Fahrzeugen geplant, die uns wichtige Erkenntnisse direkt vom Planeten liefern werden, zum Beispiel die Marssonde "Curiosity". Und vielleicht wird es sogar dereinst möglich sein, Expeditionen mit menschlicher Besatzung zu unserem roten Nachbarn zu schicken?

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