Lichtschranken und Zeitlupenaufnahmen

Nur dank hochpräziser Zeitmessung können bei einem heutigen Skirennen die Sieger ermittelt werden. Doch sogar bei Sportarten mit eher subjektiver Punktewertung wird die Jury durch technische Innovationen unterstützt.

Skirennen

Lichtschranken, Zielaufnahmen und Sensoren ermöglichen eine akkurate Zeitmessung im Skirennsport. Bild: CanStockPhoto

Abby, die Skirennfahrerin, fiebert ihrem ersten Rennen an Olympia entgegen. Sie ist zuversichtlich, das Training war hart, aber jetzt ist sie gut im Schuss. Auch das Material ist auf ihrer Seite. Seit ein paar Abenden schauen sie und ihre Teamkolleginnen nach dem Abendessen zur Entspannung Videos alter Skirennen an. Auch damals waren die Athletinnen gut, aber ihre Ausrüstung war zum Schreien!

Exakte Zeitmessung

Am meisten beeindruckt Abby, wie unverlässlich die Zeitmessung war. Sie ist beruhigt, dass die Technologie heute so fortgeschritten ist, dass Irrtümer und Fehlentscheide praktisch ausgeschlossen sind. Beim Start sorgt das «Snowgate» dafür, dass die Uhr bei jeder Fahrerin im exakt selben Moment zu laufen beginnt – nämlich dann, wenn es in einem bestimmten Winkel aufgestossen wurde. Wann die Athletin ins Ziel kommt, misst eine Lichtschranke. Sollte sie ausfallen, dann liefern die Zielaufnahmen des Fotofinishs die nötigen Angaben. Und selbst während des Rennens überträgt ein kleiner, am Schuh der Fahrerinnen befestigter Kasten mit Radar- und Bewegungssensoren Verlaufsdaten: also nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch Beschleunigung und Abbremsen sowie die Analyse aller Sprünge. Das «Schlimmste», was heute passieren kann, ist, dass zwei Athletinnen zeitgleich ins Ziel kommen, wie Tina Maze und Dominique Gisin beim Abfahrtslauf 2014 in Sotchi. Abby macht sich dazu aber keine Gedanken: lieber eine «halbe» Medaille als gar keine!

Juri, unser Eiskunstläufer, hat es da schwerer: Eiskunstlauf ist seit 1924 olympisch. Und seit damals wird der Sieg durch die Punkte entschieden, welche die Preisrichterinnen und Preisrichter für die technische und die künstlerische Leistung vergeben. Seit 2002 tun sie es sogar anonym – in jenem Jahr war es an den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City zu einem Skandal gekommen, weil sich Preisrichterinnen und Preisrichter verschiedener Länder ganz offensichtlich abgesprochen hatten.

Subjektive Stilnoten

Die Anonymität der Richterinnen und Richter, die nun niemand mehr unter Druck setzen kann, war nur eine der damals vorgenommenen Änderungen. Das gesamte Wertungssystem wurde modernisiert, um es transparenter und objektiver zu gestalten. Aus demselben Grund werden die Preisrichterinnen und Preisrichter jetzt auch durch ein Computersystem unterstützt: Es soll sie in die Lage versetzen, die Elemente eines Laufs – bestimmte Schritte und Sprünge, die Zahl der Umdrehungen bei vorgeschriebenen Pirouetten oder den Absprung von der richtigen Kante – mithilfe hochaufgelöster Zeitlupenaufnahmen zu identifizieren und genau zu analysieren.

Ob das wirklich mehr Gerechtigkeit in die Bewertung gebracht hat, ist umstritten. Juri denkt, dass mit dem neuen System die technische Leistung zu stark ins Gewicht fällt. Er selber ist ein sehr eleganter Läufer, die Präzision seiner Sprünge hingegen ist nicht immer einwandfrei. Er tröstet sich damit, dass der Eiskunstlauf, zusammen mit dem Kunstturnen, weiterhin eine der wenigen weitgehend subjektiv bewerteten Olympiadisziplinen bleibt. Wenn es ihm also gelingt, die Richterinnen und Richter mit seiner Präsenz auf dem Eis zu überzeugen, dann liegt vielleicht ein Platz auf dem Podest drin.

Text: SATW/Christine D’Anna
Quelle: Technoscope 1/18: Technik im Sport. Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche

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