Maria Sibylla Merian - Künstlerin und wagemutige Naturforscherin

Eine Frau reist im Jahre 1699 mit ihrer Tochter nach Südamerika, um exotische Insekten im Urwald zu studieren. Damals war diese wagemutige Expedition für eine Frau eigentlich undenkbar. Aber Maria Sibylla Merian setzte sich durch und leistete mit ihren Sammlungen und Illustrationen einen bleibenden Beitrag für die Naturforschung.

Banknote mit Maria Sibylla Merian

Der Künstlerin und Naturforscherin Maria Sibylla Merian wurde die 500er-Banknote der Deutschen Mark gewidmet. Die Vorderseite zeigt ihr Porträt, Gebäude im alten Nürnberg und eine stilisierte Wespe. Bild: Deutsche Bundesbank/Wikimedia Commons

Künstlerisch begabt …

Maria Sibylla Merian wurde 1647 in Frankfurt geboren. Schon als kleines Mädchen entdeckte sie ihre Liebe zur Naturmalerei und malte heimlich auf dem Dachboden, denn ihrer strengen bürgerlichen Mutter missfiel diese Freizeitbeschäftigung. Ihr Stiefvater Jacob Marrel sorgte jedoch dafür, dass Maria Sibylla eine künstlerische Ausbildung absolvieren konnte. Bereits im Alter von 11 Jahren stellte Maria Sibylla Merian wunderschöne Kupferstiche her. Sie machte hauptsächlich Kupferstiche von Blumen, die sie mit kleinen Käfern und Schmetterlingen ergänzte.

… mit einem ausgeprägtem Interesse an Raupen und Schmetterlingen

Sie begann Seidenraupen zu züchten und hielt die Metamorphose der Raupen zu Schmetterlingen genau in ihrem Skizzenbuch fest. Fasziniert vom Lebenszyklus dieser Tiere begann sie sich auch für viele andere Raupenarten zu interessieren, sammelte alle möglichen Exemplare und studierte diese genau.

In diesem Bilderalbum siehst du, wie sich eine Libellenlarve in ein ausgewachsenes, flugfähiges Insekt verwandelt.

Im Alter von 18 Jahren wurde Maria Sibylla Merian mit Johann Andreas Graff getraut und brachte drei Jahre später ihre Tochter Johanna Helena zur Welt. Die Familie zog später nach Nürnberg, in die Heimatstadt ihres Ehemannes. Maria Sibylla unterrichtete dort andere junge Frauen in der Kunst der Blumenmalerei und -stickerei.

1679 veröffentlichte sie den ersten Band ihres Buches "Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung", das aus ihren jahrelangen Beobachtungen der Entwicklungsstadien dieser Insekten entstand. Der zweite Band folgte 1683. Dieses Buch ist aus mehreren Gründen bemerkenswert: Es war auf Deutsch geschrieben, während die offizielle Sprache der Wissenschaft Latein war; es beschrieb die Metamorphose von Raupen zu ausgewachsenen Insekten, eine Tatsache, die nicht allgemein bekannt war; und es wurde von einer Frau verfasst. Merians Illustrationen waren ebenfalls unkonventionell. Sie zeigten den gesamten Lebenszyklus eines Insekts auf einer Buchseite, wobei auch die Pflanzen, die dem jeweiligen Entwicklungsstadium (Ei, Raupe, Puppe, Insekt) als Nahrung oder Lebensraum dienten, dargestellt waren.

Merian über sich

Maria Sibylla Merian schrieb über sich im Vorwort zum "Metamorphosis insectorum Surinamensium":
"Ich habe mich von Jugend an mit der Erforschung der Insekten beschäftigt. Zunächst begann ich mit Seidenraupen in meiner Geburtsstadt Frankfurt am Main. Danach stellte ich fest, dass sich aus anderen Raupenarten viel schönere Tag- und Eulenfalter entwickelten als aus Seidenraupen. Das veranlasste mich, alle Raupenarten zu sammeln, die ich finden konnte, um ihre Verwandlung zu beobachten. Ich entzog mich deshalb aller menschlichen Gesellschaft und beschäftigte mich mit diesen Untersuchungen."

Mit 38 Jahren entschloss sich Maria Sibylla Merian, zusammen mit ihren beiden Töchtern (aber ohne ihren Mann) zu ihrem Bruder in die Niederlande auszuwandern. Sie verbrachte viel Zeit in den Naturkabinetten und botanischen Gärten in Amsterdam und holte sich dort ihre Inspiration für zahlreiche Naturbilder von Pflanzen, Vögeln und Insekten. Sie lehrte auch ihre Töchter die Kunst der Naturmalerei. In Holland begann Maria Sibylla exotische Schmetterlinge aus einer Sammlung aus Surinam zu studieren.

Reise nach Surinam

Ihre Studien einheimischer Insekten und der Präparate aus Surinam weckten in Merian die Frage, ob exotische Arten einen ähnlichen Lebenszyklus durchlaufen, wie die von ihr bereits beschriebenen einheimischen Arten. So begab sie sich im Jahre 1699 zusammen mit ihrer jüngeren Tochter Dorothea Maria auf eine abenteuerliche Forschungsreise nach Surinam. Eine Seereise, noch dazu zu einem so weiten und exotischen Ziel, war für eine Frau der damaligen Zeit ein sehr mutiger Schritt. Viele Freunde rieten ihr davon ab. Aber Maria Sibylla hatte einen Plan. Sie verkaufte einen grossen Teil ihrer Bilder und bekam als mittlerweile anerkannte Naturforscherin finanzielle Unterstützung von der Stadt Amsterdam, um sich auf diese Forschungsreise vorzubereiten.

In Surinam unternahmen die beiden Frauen wagemutige Exkursionen in die tropischen Urwälder. Sie beobachteten, zeichneten und sammelten unermüdlich eine enorme Anzahl Insekten und machten zahlreiche Präparate. Nach einem zweijährigen Forschungsaufenthalt erkrankte Maria Sibylla schwer an Malaria und musste 1701 nach Amsterdam zurückkehren.

Zurück in Europa

In Amsterdam stellte Merian die mitgebrachten Pflanzen- und Tierpräparate und viele Zeichnungen im Stadthaus aus. Mit Hilfe ihrer Zeichnungen aus Surinam liess sie zahlreiche Kupferstiche herstellen, die in ihrem Hauptwerk "Metamorphosis insectorum Surinamensium" gedruckt wurden. In dem prachtvollen Buch beschrieb sie als erste die exotische Tier- und Pflanzenwelt von Surinam, eine für Europäer unbekannte Welt.

Maria Sibylla Merian starb 1717 im Alter von 69 Jahren als anerkannte Naturforscherin und Künstlerin in Amsterdam. Ihre Sammlung kann noch heute im Naturhistorischen Museum Wiesbaden bestaunt werden. Bis heute, rund 350 Jahre später, sind ihre Präparate erhalten und dienen Biologen als Referenzmaterial.

Bild: Aus dem Buch "Metamorphosis insectorum Surinamensium": Insekten auf Solanum mammosum (Kuheuterpflanze) Maria Sibylla Merian/Wikimedia Commons, PD-Art

 

In diesem Bilderalbum findest du eine Auswahl an Kupferstichen aus Merians Buch "Metamorphosis insectorum Surinamensium". Die Zeichnungen lieferte Merian, und sie kolorierte auch die fertigen Kupferstiche. Wie sie selbst in der Einleitung schreibt: "Bei der Herstellung dieses Werkes bin ich nicht gewinnsüchtig gewesen, sondern wollte mich damit begnügen, wenn ich meine Unkosten zurückbekomme. Ich habe keine Kosten bei der Ausführung dieses Werkes gescheut. Ich habe die Platten von den berühmtesten Meistern stechen lassen und das beste Papier dazu genommen, damit ich sowohl den Kennern der Kunst als auch den Liebhabern der Insekten Vergnügen und Freude bereite, wie es auch mich dann freuen wird, wenn ich höre, dass ich meine Absicht erreicht und gleichzeitig Freude bereitet habe."

Wegbereiterin der Insektenkunde

Maria Sibylla Merian gilt als Wegbereiterin der Insektenkunde oder Entomologie, der Wissenschaft, die sich mit Insekten beschäftigt.

  • Sie beschrieb die Metamorphose der Insekten.
  • In ihren Bildern verknüpfte sie die verschiedenen Entwicklungsstadien der Insekten mit den dazugehörigen Pflanzen.
  • Die Einteilung von Schmetterlingen in Tag- und Nachtfalter geht auf ihre Beobachtungen zurück und ist heute noch gültig.
  • Ihre Präparate dienen Biologen heute noch als Referenzmaterial.
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