Mistkäfer – "Walking on the Milky Way"

In der Wüste kann man Mistkäfer kopfüber einen grossen Ball mit den Hinterbeinen vor sich her rollen sehen. Der Ball besteht aus Dung, der Leibspeise des Käfers. Damit seine Dungkugeln nicht von Konkurrenten gestohlen werden, muss der Mistkäfer sie schnell in Sicherheit bringen. Dafür muss er in der Lage sein, über weite Strecken zielgerichtet zu laufen, anstatt in Kreisen herumzuirren. Die Milchstrasse hilft ihm dabei!

Mistkäfer mit Dungkugel.

Der Mistkäfer muss seine Kugel schnell wegrollen, wenn er nicht will, dass sie von einem anderen geklaut wird. Bild: Jasper_Lensselink_Photography/Shutterstock.com

Mistkäfer arbeiten hart

Die Käfer verbringen den ganzen Tag damit, grasende Tiere und ihren frischen Dung zu suchen. Wenn sie diesen gefunden haben, graben sie sich hinein und formen Kugeln daraus. Diese Dungbälle werden dann über eine Distanz von bis zu 100 Metern gerollt. Der Käfer versucht nämlich sich möglichst schnell vom Dunghaufen zu entfernen, damit seine mühsam gerollte Kugel nicht von anderen Käfern, die auch am Dunghaufen weilen, gestohlen wird. Wie aber schafft es der Mistkäfer über eine für seine Verhältnisse so grosse Distanz relativ geradlinig zu laufen?

Mistkäfer brauchen freie Sicht nach oben

Dass Käfer sich am Mond und am Sonnenlicht orientieren können, wurde bereits früher gezeigt. Dass aber auch die Sterne Mistkäfern bei der Navigation helfen, wurde lange nur vermutet, da die Käfer auch in mondlosen Nächten ihren Weg finden. Getestet haben dies jetzt Forscher von der Universität Lund in Schweden.

Die Forscher setzten dazu afrikanische Mistkäfer der Art Scarabaeus satyrus in einen kreisförmigen Freilandkäfig. Sie zogen den Mistkäfern kleine Kappen an. Die Kappen waren entweder schwarz, so dass sie die Sicht nach oben versperrten, oder durchsichtig. Die Käfer wurden dann von oben gefilmt, wie sie ihre Dungkugeln rollten. Die Mistkäfer, die den Himmel nicht sehen konnten, liefen in Schlangenlinien und legten so im Durchschnitt einen längeren Weg zurück als die Käfer, die durch ihre durchsichtige Kappe den Himmel noch sehen konnten.

Das heisst, dass die Käfer, die den Himmel nicht sehen konnten, sich schlechter orientieren konnten, als die Mistkäfer, die freie Sicht nach oben hatten. Es blieb aber immer noch unklar, was genau die Mistkäfer zur Orientierung benutzt haben. Es wäre möglich gewesen, dass sich die Käfer an Baumspitzen oder an der Kamera über ihnen orientiert hatten.

Mistkäfer orientieren sich am hellen Band der Milchstrasse.

Mistkäfer orientieren sich am hellen Band der Milchstrasse und nicht an einzelnen Sternen. Bild: MarcelClemens/Shutterstock.com

Mistkäfer orientieren sich am hellen Band der Milchstrasse und nicht an einzelnen Sternen

Deshalb machten die Forscher ein zweites Experiment in einem Planetarium. Im Planetarium kann der Nachthimmel simuliert werden und Sternlichter können ein- und ausgeschaltet werden.

Die Forscher setzten die Mistkäfer mit ihren Dungbällen in die Mitte einer kreisförmigen vom Boden abgehobenen Platte aus. Es waren also keine Bäume und keine Kamera sichtbar. Rund um die Platte befand sich ein Auffangbecken für die herunterfallenden Käfer. Jedes Mal wenn ein Käfer herunter fiel, wurde der Ton von einem geräuschsensitiven Zähler registriert und somit die Zeit, die der Käfer von der Mitte bis zum Rand der Platte gebraucht hat, gestoppt. Je geradliniger ein Käfer gelaufen ist, desto schneller fand er den Weg von der Mitte der Platte, wo er gestartet war, zum Rand und fiel in das Auffangbecken.

Die Forscher setzten die Käfer bei unterschiedlichen Himmelsbeleuchtungen im Planetarium aus. Die Mistkäfer fanden den Weg unter einem hellen Sternenhimmel bzw. wenn nur die Milchstrasse zu sehen war am schnellsten. Wenn nur ein paar Sterne 'eingeschaltet' waren oder der Himmel ganz dunkel war, brauchten die Mistkäfer viel länger, um in das Auffangbecken zu plumpsen. Das bedeutet, dass einzelne Sterne den Käfern zur Orientierung nicht ausreichen. Die Augen der Mistkäfer sind vermutlich zu schwach, um einzelne Sterne erkennen zu können.

Zusammengefasst folgern die Forscher aus den Experimenten mit dem Käfig im Feld und der Platte im Planetarium, dass die Mistkäfer sich am hellen Band der Milchstrasse orientieren, um in der freien Wildbahn einen möglichst geradlinigen Weg zurückzulegen. Die schwedische Forschergruppe zeigte zum ersten Mal, dass sich auch Käfer an den Sternen orientieren können. Bisher war das nur von Vögeln und Seehunden bekannt. Ausserdem ist die Orientierung an der Milchstrasse noch bei keinem anderen Lebewesen gezeigt worden.

Der Mistkäfer tut etwas Gutes für die Natur: Weil die Mistkäfer Dung unter die Erde bringen, versorgen sie den Boden mit Nährstoffen, lockern ihn auf und machen ihn dadurch fruchtbarer. Bis zu 75% des in der Serengeti, einer Savanne in Afrika, produzierten Dungs wird von den Mistkäfern davon gerollt.

Dung ist auch Babynahrung für Mistkäferlarven. Mistkäfer füllen ihren Bau aus unterirdischen Tunneln und der Kammer, in der das Weibchen seine Eier legt, mit Dungkugeln. Der Bau wird danach mit Lehm verschlossen. Wenn die Larven schlüpfen, ernähren sie sich von den Dungkugelvorräten. Nach etwa einem Jahr verpuppen sich die Käferlarven und verlassen als erwachsene Käfer den Bau.

"Walking on the Milky Way" ist ein Lied der britischen Gruppe OMD. Du kannst ihn dir zum Beispiel hier anhören.

Quelle: Originalpublikation Dacke M, et al. 2013 Dung Beetles Use the Milky Way for Orientation, Curr Biol 23: 298-300.

Durchschnittliche Bewertung:
  •  
(0 Bewertungen)

Was sagst Du dazu?

Dieser Artikel hat noch keine Kommentare erhalten.